13.10.2009 · Seit mehr als einem Jahrzehnt soll der Staatskonzern EDF abgebrannte Brennstäbe nach Sibirien verbracht haben. Die französische Lebensart des „Laissez-faire“ hört beim Umgang mit radioaktiven Abfällen auf, sympathisch zu sein.
Von Stefan DietrichWas viele an der französischen Lebensart so sympathisch finden, das „laissez-faire“, hört beim Umgang mit radioaktiven Abfällen auf, sympathisch zu sein.
Angeblich war es „kein Geheimnis“, dass der Staatskonzern EDF seit den neunziger Jahren abgebrannte Brennstäbe zur Wiederaufarbeitung nach Russland schickt. Es bedurfte allerdings monatelanger Recherchen, um dieses Nichtgeheimnis zu lüften, weil sich auch russische Unternehmen nicht so gern in die Karten schauen lassen.
Die Zustände in der sibirischen Stadt Sewersk, wo uranhaltige Abfälle unter freiem Himmel lagern, zeigen, wie wichtig eine kritische Öffentlichkeit für die Sicherheit der Kernenergie ist. Die fehlt nicht nur in Russland, sondern anscheinend auch in Frankreich.
Kein deutsches Energieunternehmen würde es wagen, seine Abfälle auf diese Weise zu „entsorgen“. Von der hiesigen Öffentlichkeit wird dieses Verantwortungsbewusstsein leider nicht gewürdigt. Die wird erst Ruhe geben, wenn Atomkraftwerke nur noch dort betrieben werden, wo sich über solches „laissez-faire“ niemand aufregt.