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Stiftungsgründung : Achtung, Wladimir kommt!

Enge Weggefährten: Wladimir Jakunin und Wladimir Putin Bild: dpa

Putins Vertrauter Wladimir Jakunin gründet in Berlin ein Politik-Institut. Es ist der Anfang eines hochfliegenden Plans, mit dem der Kreml die politische Meinung im Westen drehen will.

          Am Freitag wird in Berlins Mitte eine neue politische Stiftung gegründet: das Forschungsinstitut „Dialog der Zivilisationen“. Die Grußworte sprechen mehr oder weniger bekannte Ehemalige, so der einstige Botschafter in Moskau Hans-Friedrich von Ploetz, der General a. D. Harald Kujat, einst Vorsitzender des Nato-Militärausschusses, und Viktor Subkow, ehemals russischer Ministerpräsident.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Die Hauptperson des Tages aber wird der Mann sein, der das Institut ins Leben gerufen hat und es auch finanziert: Wladimir Jakunin, enger Weggefährte von Wladimir Putin. Der Institutsgründer kennt den heutigen russischen Präsidenten seit vielen Jahren aus St. Petersburg, vormals Leningrad, er war in den neunziger Jahren Mitglied der mittlerweile berühmten Datschenkooperative „Osero“, deren Mitglieder unter Putin in höchste Kreise der russischen Wirtschaft und Politik aufstiegen.

          Putin hat Jakunin nicht fallenlassen

          Nach eigenen Angaben hat Jakunin 22 Jahre für den sowjetischen Geheimdienst gearbeitet; es heißt, zuletzt als ranghoher General des Auslandsgeheimdienstes SWR. Von 2005 an war er zehn Jahre lang Chef der Russischen Eisenbahnen. Dass er diesen Posten im vergangenen Jahr verlassen musste, hat viele überrascht. Manche sahen den Grund für die Abberufung darin, dass die Russischen Eisenbahnen weiter defizitär arbeiteten, Jakunin hingegen immer reicher wurde.

          War zehn Jahre lang Chef der Russischen Eisenbahnen: Wladimir Jakunin

          Aber ein Ehemaliger ist Jakunin dennoch nicht, Putin hat ihn nicht fallenlassen. Sein Betätigungsfeld ist weit, und dazu gehört auch die Ideologie. Schon lange betreibt der extrem konservative Mann Stiftungen und setzt sich auf diese Weise für eine orthodoxe Staatsideologie und einen imperialen russischen Nationalismus ein. In Berlin erregte er vor zwei Jahren Aufsehen, als er bei einer Veranstaltung sagte, Menschen, die beim Eurovision Song Contest für den österreichischen bärtigen Travestiekünstler Conchita Wurst gestimmt hätten, besäßen „eine abnorme Psychologie“.

          Er verteidigte das russische Gesetz, das Zurschaustellung von Homosexualität verbietet, denn Kinder bis 16 Jahre seien sexuell noch nicht orientiert und müssten daher davor geschützt werden. Und er geißelte die „antirussische Hysterie“ im Westen, wo sich ein „vulgärer Ethnofaschismus“ breitmache und „bärtige Frauen“ etwas mit Demokratie zu tun haben sollten.

          Eine Gegenzivilisation zur amerikanischen entwerfen

          Nun hat sich der 67 Jahre alte bartlose Jakunin, der den Untergang des Westens auch in einem Buch beschrieben hat, viel vorgenommen. So viel, dass es sich nur um einen Chefauftrag aus dem Kreml handeln kann. Bisher hat der Putin-Vertraute die internationale Stiftung „Dialog der Zivilisationen“ von Wien aus geleitet. Hauptaufgabe des Instituts in der österreichischen Hauptstadt war die Organisation eines jährlichen Treffens auf der griechischen Insel Rhodos. Dorthin wurden möglichst namhafte Persönlichkeiten aus aller Welt eingeladen, aus China, Iran, Pakistan, Indien, auch aus Europa. Allein die Amerikaner waren unterrepräsentiert.

          Das Ziel war denn auch, im Dialog der Zivilisationen mehr oder weniger direkt eine Gegenzivilisation zur amerikanischen zu entwerfen. Vor zwei Jahren schlug der Präsident der Tschechischen Republik Miloš Zeman auf Rhodos vor, die Ukraine solle sich mit einer „Finnlandisierung“ abfinden, also der Unterordnung unter Russlands Hegemonialanspruch, wie es Finnland zu Sowjetzeiten mehr oder minder tun musste. Obwohl Jakunins Stiftung versuchte, das Rhodos-Forum international zu vermarkten, blieb die Resonanz überschaubar. Das soll der Umzug nach Berlin samt Neugründung ändern.

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