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Proteste : Iranische Tragödie

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Die wichtigste Galionsfigur der iranischen Demonstranten, Mir Hussein Mussawi, hat wissen lassen, er sei „zum Martyrium bereit“ - nicht zum ersten Mal. Vieles spricht dafür, dass die Polarisierung der Gesellschaft sich im neuen Jahr verschärfen wird.

          Die Islamische Republik Iran nimmt ihre schwere Krise - es ist die tiefste seit ihrer Proklamierung vor mehr als dreißig Jahren - mit in das neue Jahr. Die wichtigste Galionsfigur der Demonstranten, „Oppositionsführer“ Mir Hussein Mussawi, hat wissen lassen, er sei „zum Martyrium bereit“ - nicht zum ersten Mal. Darin steckt auch eine für Schiiten nicht untypische Theatralik. Sie passt jedenfalls zu den religiösen Trauerfeierlichkeiten, die gerade gefeiert wurden, als die jüngste Demonstrationswelle losbrach.

          Mussawis Neffe Ali Mussawi ist schon zum Märtyrer geworden - Opfer der sogenannten Sicherheitskräfte. Mussawi rechnet möglicherweise damit, dass man ihn gefangennehmen, aburteilen und hinrichten könnte. Selbst die Hardliner des Regimes werden vor einem solchen Schritt allerdings vorläufig noch zurückschrecken, ist doch Mussawi ein „islamischer Revolutionär“ der ersten Stunde, welcher der Islamischen Republik und ihrem Gründer Ajatollah Chomeini lange Zeit an vorderster Front gedient hat. Aber wenn es ums Ganze ginge, um Sein oder Nichtsein des Systems, könnten sie versucht sein, ein Exempel zu statuieren. Forderungen nach der Todesstrafe für die „Anstifter“ der Demonstrationen sind laut geworden.

          Seit der umstrittenen Präsidentenwahl vom Juni hat Iran sich verändert. Nichts wird mehr so sein wie zuvor, denn alle Mittel der Einschüchterung und Repression haben die „Opposition“ nicht mundtot machen können. Nun lässt Präsident Ahmadineschad, dessen Anhang so gering nicht ist, wie manche vermuten mögen, seinerseits demonstrieren. Vieles spricht dafür, dass die Polarisierung der Gesellschaft sich im neuen Jahr verschärfen wird. Ein Ausweg aus der iranischen Tragödie zeichnet sich gegenwärtig nicht ab. Viele Iraner sind der Gewalt überdrüssig, eine neue, vielleicht sogar blutige Revolution wünscht deshalb kaum jemand. Die immer mächtiger werdenden Revolutionsgarden (Pasdaran) und auch das Militär werden so schnell nicht klein beigeben. Die Iraner sind freilich seit alters her auch als Meister des Kompromisses, der kleinen und leisen Schritte bekannt. So ist nicht ausgeschlossen, dass man sich doch noch aufeinander zu bewegen wird. Wahrscheinlicher ist aber, dass die jüngsten Aschura-Unruhen nicht die letzten gewesen sein werden.

          Quelle: F.A.Z.

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