25.01.2009 · Papst Benedikt XVI. hat die Exkommunikation von vier Bischöfen der rechtskonservativen "Priesterbruderschaft Pius X." zurückgenommen. Das teilte der Vatikan am Samstag offiziell mit einem Dekret der Bischofskongregation mit.
Papst Benedikt XVI. hat die Exkommunikation von vier Bischöfen der rechtskonservativen „Priesterbruderschaft Pius X.“ zurückgenommen. Das teilte der Vatikan am Samstag offiziell mit einem Dekret der Bischofskongregation mit. Papst Benedikt XVI. habe die Aufhebung der Kirchenstrafe veranlasst, um die Beziehungen zu der Bruderschaft zu „intensivieren“, heißt es darin. Die Wiedereingliederung solle ein „Zeichen zur Förderung der Einheit der Kirche“ und zur Überwindung des „Skandals der Spaltung“ sein. Die Entscheidung des Papstes führte zu Diskussionen innerhalb der katholischen Kirche wegen der darin vermuteten kirchenpolitischen Ausrichtung Benedikts XVI. und zu heftiger Kritik in aller Welt. Grund dafür sind unter anderem die Ansichten eines der Bischöfe, des Engländers Richard Williamson, über den Holocaust. In einem Gespräch mit dem schwedischen Fernsehen hatte der zum Katholizismus konvertierte frühere Anglikaner aus London etwa bezweifelt, dass in den Gaskammern des „Dritten Reichs“ Juden ermordet worden seien. Der Vatikan-Sprecher Lombardi äußerte dazu, die Rücknahme der Exkommunikation habe „nicht das Geringste“ mit den persönlichen politischen Ansichten eines Betroffenen zu tun.
Mit der kirchenrechtlichen Entscheidung nimmt Benedikt ein Schisma innerhalb der Kirche zurück, an dessen Unvermeidbarkeit im Vatikan immer stärker gezweifelt wurde. Der französische Erzbischof Lefebvre (1905 bis 1991) hatte sich gegen einige Einsichten und Neuerungen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962 bis 1965) gestellt, vor allem gegen die Liturgiereform mit der Abschaffung des alten (Tridentinischen) Ritus. Er beharrte darauf, gleichsam vorkonziliar katholisch sein zu dürfen, und fand dafür mit der Zeit einige 100 000 Anhänger in aller Welt, mit dem Zentrum im schweizerischen Econe (Wallis) und der Gründung der Priesterbruderschaft. Als Lefebvre am 30. Juni 1988 vier Priester - Bernard Fellay, Bernard Tissier de Mallerais, Richard Williamson und Alfonso de Gallareta - ohne Auftrag des Papstes zu Bischöfen weihte, wurde er exkommuniziert. Da diese Bischofsweihe zwar unerlaubt, aber nicht ungültig war, entstand dadurch eine apostolische Hierarchie neben der römisch-katholischen. Dies wollte der Vatikan unter fast allen Umständen wieder rückgängig machen. Seit Jahren war damit in der römischen Kurie die Kommission „Ecclesia Dei“ (Kirche Gottes) zuständig.
Bernard Fellay stellte am 15. Dezember 2008, auch im Namen der anderen drei Bischöfe, das offizielle Ersuchen nach Rücknahme der Exkommunikation und Wiedereingliederung in die Gemeinschaft der Kirche. Darin bekräftigten die vier: „Wir sind fest bestimmt in unserem Willen, katholisch zu bleiben und alle unsere Kräfte in den Dienst der Kirche Unseres Herrn Jesus Christus zu stellen, die die römisch-katholische Kirche ist. Wir nehmen ihre Lehren mit kindlichem Geist an. Wir glauben fest an den Primat Petri (des Papstes) und seine Vorrechte; deshalb lässt uns die gegenwärtige Lage sehr leiden.“ Benedikt habe beschlossen, so hieß es jetzt in dem vatikanischen Dekret, die kirchenrechtliche Situation der Bischöfe zu überdenken; er begegne deren „Unbehagen“ mit „väterlicher Einfühlsamkeit“. Er glaube zudem ihren Versicherungen, mit den römischen Autoritäten ernsthaft über die bestehenden Differenzen reden zu wollen.