Es ist keine Übertreibung, die Präsidentenwahlen in Nigeria als richtungweisend für den ganzen Kontinent zu bezeichnen. Schließlich schickt sich das Land der notorischen Militärputsche an, den Übergang von einer zivilen Regierung auf eine andere zu vollziehen.
In den vier Jahrzehnten seit der Unabhängigkeit von Großbritannien haben 28 Jahre lang die Militärs das Land mehr geknechtet als gesteuert, und die vorübergehenden Phasen ziviler Regierung wurden bislang noch immer von einem Militärputsch beendet. Insofern findet derzeit eine Premiere in Nigeria statt, und sollte sie gelingen, wird Nigeria seine gewichtige Rolle in Afrika doppelt aufwiegen können. An diese Wahlen allerdings die westliche Meßlatte von "frei und fair" anzulegen widerspricht der nigerianischen Wirklichkeit, wo Politik Geschäft im wahrsten Sinne des Wortes ist. Diese Wahlen sind ein Anfang, mehr nicht.
Und das Ergebnis ist längst ausgekungelt. Obasanjo wird trotz seiner lausigen Bilanz als Präsident bestätigt werden, weil er im Vergleich zu seinem wichtigsten Gegenkandidaten Buhari, der von den Muslimen unterstützt wird, als das geringere Übel gilt. Zudem hat er die Zustimmung des Auslands, insbesondere der in Nigeria stark engagierten Vereinigten Staaten, denen - wie auch den Europäern - mehr an Stabilität als an tiefgreifenden demokratischen Reformen gelegen ist.
Fraglich ist aber, ob Obasanjo in seiner zweiten und letzten Amtszeit endlich die Reformen anpackt, die er schon 1999 angekündigt hatte: die endemische Korruption zu bekämpfen und die religiösen Brandstifter im muslimischen Norden Nigerias durch wirtschaftliche Reformen mundtot zu machen. Richtig spannend wird die Demokratie in Nigeria ohnehin erst bei den Wahlen 2007, wenn die Clique der Generäle hoffentlich von der politischen Bühne verschwunden sein wird.