10.10.2008 · Nach einer Reihe halbgarer Entscheidungen bewahrt Martti Ahtisaari das Nobelkomitee davor, den Friedensnobelpreis zu einer Wald-und-Wiesen-Ehrung verkommen zu lassen. Denn zur Friedenstiftung gehört mehr als Umweltschutz, Menschenrechtspolitik oder das Bohren noch so tiefer Brunnen.
Von Jasper von AltenbockumDie nobelsten Missionen sind mitunter die gescheiterten. Unter allen Friedensmissionen, die Martti Ahtisaari im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte übernommen hat, ist sicherlich sein Einsatz im Kosovo aus Sicht der Europäer diejenige, die nobelpreiswürdig ist. Ahtisaari konnte zwar seinen Plan für eine bedingte Souveränität der Provinz in Moskau und Belgrad nicht durchsetzen. Doch den Kosovo-Albanern hatte er schon 1999 einen unschätzbaren Dienst erwiesen, als die Nato gegen deren Vertreibung Krieg führte und seine Vermittlung einen Friedensplan hervorbrachte, der den Keim kosovarischer Unabhängigkeit in sich trug.
Das Osloer Nobelkomitee – es sitzt in Oslo, weil Schweden und Norwegen zu Zeiten Alfred Nobels noch ein Reich waren, bis die Norweger dann ihre volle Souveränität erkämpften – zählt noch viele andere diplomatische Leistungen des Preisträgers auf. Doch es ist diese gemischte Kosovo-Bilanz, die der Entscheidung einen politischen Schliff gibt – und indirekt auch auf kriegerische Konflikte wie den in Georgien zielt.
Aus dem Schatten sowjetischer Hegemonie
Dass die Preisverleihung dennoch nicht als Affront gegen Russland zu verstehen ist, liegt an ebenjenen Gründen, warum Ahtisaari ein so gefragter Mann war und ist: Sein Land stand damals wie heute außerhalb der Nato, unterhält traditionell beste Kontakte nach Moskau, ist Mitglied der EU und verfolgt die amerikanische Politik mit geopolitisch gebotener Distanz, aber nicht ohne Wohlwollen. Unter den Varianten außenpolitischer Neutralität ist das nicht die schlechteste Mischung. Als finnischer Staatspräsident setzte sich Ahtisaari allerdings dafür ein, dass sich die finnische Außenpolitik aus dem langen Schatten sowjetischer Hegemonialherrschaft löste.
Nach einer Reihe von halbgaren Entscheidungen – zuletzt die Verleihung des Friedensnobelpreises an Al Gore und andere Klimaheroen – bewahrt Ahtisaari das norwegische Gremium aber auch davor, den Preis zu einer Wald-und-Wiesen-Ehrung verkommen zu lassen. Das Kosovo und Georgien - von anderen aktuellen Kriegsgebieten nicht zu reden - zeigen, dass zur Friedenstiftung mehr gehört als Umweltschutz, Menschenrechtspolitik oder das Bohren noch so tiefer Brunnen. War es das und nicht falsche Vorsicht, was die Norweger davon abhielt, den Preis nach China zu vergeben? Wollen wir es hoffen. Denn das Heulen chinesischer Hunde zeigt, dass sie getroffen worden wären.
Verdient
Mathis Ebeling (mathise)
- 10.10.2008, 20:37 Uhr
Nicht nobel, sondern nichtssagend!
Wilhelm Friedrich (WillyF)
- 11.10.2008, 01:41 Uhr
Wald-und-Wiesenehrung
Rüdiger Schüler (schueler3)
- 12.10.2008, 13:20 Uhr