11.03.2007 · Niemand glaubt, dass Jacques Chirac heute Abend in einer Fernsehansprache eine weitere Präsidentschaftskandidatur ankündigt. Sein Gesundheitszustand lässt dies gar nicht zu. Stattdessen wartet Frankreich gebannt darauf, welchen Kandidaten er als seinen Nachfolger empfehlen wird.
Von Michaela Wiegel, ParisAuf einen Großen Zapfenstreich in Berlin wird Jacques Chirac verzichten müssen. Das hat die französische Mittagszeitung „Le Monde“ herausgefunden, die sich einen angemessenen Abschied für den französischen Staatspräsidenten nach zwölf Jahren im Amt ausmalte. Chirac zieht sich in Etappen von der Macht zurück. Heute Abend will er zunächst seinen Landsleuten in einer Radio- und Fernsehansprache mit Marseillaise-Tönen beziehungsweise neben der Trikoloreflagge seine Entscheidung über die Möglichkeit einer weiteren Präsidentschaftskandidatur mitteilen.
Die Verfassung der V. Republik erlaubt auch nach der Verkürzung der Amtszeit von sieben auf fünf Jahre dem Präsidenten eine unbegrenzte Zahl von Mandaten. Aber niemand rechnet ernsthaft damit, dass der 78 Jahre alte Chirac, der seit einem Hirnschlag im September 2005 strikt auf seine Gesundheit achten muss, eine neue Kandidatur in Erwägung ziehen könnte.
Keine Bilanz, aber ein Ausblick
Seine Berater haben schon ziemlich genau angekündigt, was von der aufgezeichneten Ansprache zu erwarten ist: Keine Bilanz, aber doch sehr persönliche Worte des Staatspräsidenten an die Franzosen zum Ende seines Mandates, und ein Ausblick auf die Welt von morgen. In einer zweiten Etappe, das hat der Elysée-Palast durchblicken lassen, will der Staatspräsident bekunden, wer sich von den Präsidentschaftskandidaten auf seine Unterstützung berufen kann.
Nicolas Sarkozy, der UMP-Kandidat, wird also noch auf den Segen des Hausherrn im Elysée-Palast warten müssen, das hat er selbst jüngst in einer Fernsehsendung zu verstehen gegeben. „Wenn er mich unterstützt, dann wäre das ein wichtiges politisches Ereignis. Wenn er mit seiner Erfahrung sagt, dass ich ihm am fähigsten erscheine, Frankreichs Geschicke zu leiten, dann hat das Gewicht“, sagte Sarkozy am Sonntag im „Journal du Dimanche“.
Reisen nach Moskau und Washington
Seine letzten Mandatswochen will Chirac offenbar nicht als Wahlkämpfer für sein Lager, sondern als Reisender nutzen. Sowohl der russische Präsident Putin als auch der amerikanische Präsident Bush haben Chirac eingeladen. Von den europäischen Partnern wird sich der Gipfelveteran Chirac beim Gipfeltreffen zum 50. Jahrestag der Römischen Verträge verabschieden können. „Ich bin betrübt, dass ich vielleicht nicht alles gemacht habe, was ich hätte machen sollen“, sagte Chirac in Brüssel im Rückblick auf den im Referendum abgelehnten europäischen Verfassungsvertrag.