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Präsidentenwahl in Prag : Ein Fremdkörper

Darf einer wie Karel Schwarzenberg tschechischer Präsident werden? Das Kartell, das über Posten, Pfründen und Mythen wacht, versucht ihn mit aller Macht zu verhindern.

          Darf jemand Präsident der Tschechischen Republik werden, der einen Akzent hat? Dessen Frau kein Tschechisch spricht? Der in der dunklen Zeit ins Exil ging, während wahre Tschechen an der Moldau heldenhaften Widerstand gegen das kommunistische Regime leisteten, zum Beispiel im Prognostischen Institut der Akademie der Wissenschaften? Natürlich nicht, warnten das scheidende tschechische Staatsoberhaupt Klaus und seine Frau Livia (!) ihr Volk, als ein seltsamer Kandidat auf unerklärliche Weise, nämlich gegen ihren Wunsch, in die Endrunde der tschechischen Präsidentenwahl gelangte. Und was tut dieser Karel Schwarzenberg, amtierender Außenminister und früherer Kanzler des Präsidenten Havel? Er bestätigt die schlimmsten Befürchtungen des Präsidentenpaares: Er vergreift sich an Beneš und dessen Dekreten. Das werde er ihm „nie verzeihen“, sagt Klaus über den Kandidaten, dessen Einzug in die Burg er um jeden Preis verhindern will.

          Szenen aus Prag oder eher aus der Ukraine?

          Man reibt sich die Augen: Tatsächlich Szenen aus Prag? Oder doch eher aus der Ukraine? Der Kampf darum, wer nächstes Staatsoberhaupt wird, hat nichts mehr von dem „Samtenen“, auf das die Tschechen so stolz waren. Es ist ja auch Gefahr in Verzug: Der 75 Jahre alte Schwarzenberg stört die Kreise einer von Klaus bis Zeman reichenden Politikerkaste, die es gewohnt war, Posten, Einfluss und noch manches andere in der Republik unter sich aufteilen zu können; schon Havel war in diesem alle ideologischen Gegensätze überbrückenden System ein Fremdkörper. Bekämpft wird Schwarzenberg aber auch, weil er an nationalen Mythen und Glaubenssätzen rüttelt wie eben dem, dass die Vertreibung der Sudetendeutschen nach dem Krieg notwendig und gerecht gewesen sei.

          Dieses Ausscheren aus dem Konsens jedenfalls der politischen Elite brachte dem „Fürsten“ nun auch eine weitere Empfehlung ein, ihn nicht zu wählen. Der ehemalige Ministerpräsident Fischer, bürgerlicher Kandidat aus der ersten Runde, kritisierte Schwarzenberg scharf dafür, Beneš mit Kriegsverbrechern verglichen und damit dem Ruf der Tschechischen Republik in der Welt geschadet zu haben. Nach Lage der Dinge könnte die Welt in der Frage, wer den Ruf der Tschechischen Republik anlässlich dieser Präsidentenwahl am meisten beschädigt hat, allerdings auch zu einem anderen Schluss kommen.

          Quelle: F.A.Z.

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