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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Zum 70. Geburtstag von Horst Köhler Ein Fachmann

Horst Köhler war ein beliebter Bundespräsident. Er dehnte die Kompetenzen des Amtes weiter aus als seine Vorgänger und Nachfolger. Bis heute leuchtet sein Rücktritt niemandem wirklich ein.

© Laurence Chaperon / Roba Press Vergrößern Horst Köhler: Ein Jahr nach seinem Rücktritt in Berlin

Das Ausscheiden Horst Köhlers aus dem Amt des Bundespräsidenten gehört immer noch zu den im Kern ungeklärten Kapiteln der Zeitgeschichte der Bundesrepublik Deutschland. Sein Rücktritt am 31. Mai 2010, einem an sich sonnigen Tag, kam - soweit das überschaubar ist - für alle Wichtigen im politischen Berlin überraschend: für Regierung und Opposition, für Parteien und Landesregierungen, für Wissende und Besserwissende.

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Zwar soll es an jenem Montag vereinzelt noch Versuche gegeben haben, Köhler umzustimmen - mit dem Argument etwa, er werde sonst auf immer mit dem Ruf zu kämpfen haben, das höchste Amt im Staate weggeworfen zu haben wie weiland Oskar Lafontaine den SPD-Vorsitz. Doch kamen derlei Versuche zu spät: Köhler war entschlossen. Seine Entscheidung hatte er da auch schon zu vielen mitgeteilt.

Mehr als seine beiden Nachfolger stand Köhler - von seiner beruflichen Vorbildung her - als Bundespräsident für die Themen der Zeit: die Krise der Finanzmärkte, die Krise des Euro, die aus beiden folgenden Ungewissheiten für die Nationen und die Kontinente. Für sich selbst hatte er ein Thema gewählt, welches zur Agenda wurde: eine gute Zukunft und Entwicklung Afrikas und vor allem, was dies an Belastungen für die Industrienationen mit sich bringen muss. Noch heute spricht er darüber, dass hier im Norden nicht so weitergewirtschaftet werden dürfe wie bisher. Köhler pflegt nicht als Moralist aufzutreten. Eigentlich ist er Fachmann.

Kein lockeres „Alles wird gut“

Köhler war Staatssekretär im Bundesfinanzministerium gewesen. Er hatte zu jenen deutschen Spitzenbeamten gezählt, die 1990 die Währungs- und Wirtschaftsunion zwischen beiden deutschen Staaten aushandelten; er war „Sherpa“ Helmut Kohls bei internationalen Wirtschaftsgipfeln; den Maastrichter Vertrag, der die Grundlagen der neuen gemeinsamen Währung schuf, hatte er deutscherseits mit ausgehandelt; er war Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes; er wurde Chef des Internationalen Währungsfonds.

Seine Erfahrungen und seine Kenntnisse aber mögen es ihm erschwert haben, auf lockere Weise ein „Alles wird gut“ zu verkörpern. „Auch muss klar werden, was sich im reichen Norden ändern muss“, hat Köhler jüngst, in den Berliner Räumlichkeiten der Kreditanstalt für Wiederaufbau, der deutschen Staatsbank also, geäußert.

Wäre Horst Köhler noch im Amt, wäre Christian Wulff (wahrscheinlich) noch Ministerpräsident in Niedersachsen, Joachim Gauck weiterhin ein erfolgreicher Vortragsreisender, und Angela Merkel müsste sich nicht nachsagen lassen, als Bundeskanzlerin bei der Auswahl „ihrer“ Bundespräsidenten-Kandidaten keine glückliche Hand gehabt zu haben. Die Leute wären mit Köhler auch zufrieden - so wie sie es damals in jenem Frühjahr gewesen waren.

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