09.06.2012 · Die „Raben“ machen Benedikt XVI. das Leben schwer. Solange der „Vatileaks“-Skandal nicht beendet ist, treten seine seelsorgerischen Anliegen in den Hintergrund.
Von Jörg Bremer, RomRichtlinien für Lesermeinungen
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"vatikanische Sexparties" - eine diffamierende und vor allem in die Irre führende Wortwahl
Wie Ihrem eigenen Kommentar bei genauem Lesen zu entnehmen ist, Herr
Acassuso, sind an den (angeblichen) "Sexparties" keineswegs -
wie das Attribut "vatikanisch" einem flüchtigen Leser
suggeriert, Priester, Kardinäle oder gar der Papst beteiligt
gewesen.
Es waren (angeblich) Diplomaten, also nicht dem Klerus angehörende
Botschafter aus anderen Ländern.
Diplomaten sind in jedem Staat vor strafrechtlicher Verfolgung
geschützt. Es ist heuchlerisch, dem Vatikan zu unterstellen, er
unterstütze oder decke irgendwelche (ANGEBLICHEN) Machenschaften
von Botschaftern, wenn er sie nicht der Polizei übergibt.
Diplomaten können höchstens ausgewiesen werden.
Das passiert aber nur, wenn ein Fehlverhalten erwiesen ist und nicht
schon dann, wenn die Klatschpresse etwas behauptet.
Die moralische Autorität der Kirche beschädigen ist leichter,
als den - inzwischen ohnehin weitgehend orientierungslosen - Menschen
Werte zu vermitteln.
Deshalb: berechtigte Kritik - ja. Diffamierung - nein!
Im Mittelpunkt des Skandals steht natürlich die mögliche
Ermordung der damals 15-jährigen Emanuela Orlandi. Anstoß
für die neuesten Ermittlungen waren Aussagen des ehemaligen
Chef-Exorzisten (so etwas gibt es wirklich, ernannt von Paul II) Gabriel Amorth.
Amorth hatte in einem Interview mit "La Stampa"ausgesagt, der
verstorbene Vatikan-Archivar Simeone Duca habe ihm anvertraut
(vielleicht bei einer Teufelsaustreibung?), er sei damit beauftragt
gewesen, in Zusammenarbeit mit der päpstlichen Gendarmerie junge
Mädchen für vatikanische Sexpartys zu rekrutieren.
Der Zirkel soll auch Diplomaten von Botschaften im Vatikan
eingeschlossen haben, beteuert Amorth. In diesem Zusammenhang soll auch
Emanuela verschwunden sein.
Im Grunde sollte die italienische Polizei den Vatikan besetzen und nach
dem italienischen Gesetzen versuchen die Wahrheit über die
Ereignisse herauszufinden. Päpste und Kardinäle sollten dem
Gesetz unterworfen sein wie alle anderen Normalsterblichen auch.
Gesetzesbrecher im päbstlichen Umfeld verharmlosend mit
"Raben" zu titulieren.
Straftäter sollten umgehend u. durch kompetente Stellen verfolgt
werden. Ob das die jahrtausendalte u. gegen Verbesserungen resisente
Vatikanorganisation gewährleisten kann, ist fraglich.
So bleibt uns nur die Hoffnung, dass der Heilige Vater seine
Gespräche mit Gott bald wieder unbelauscht u. unkopiert aufnehmen
kann.
Die Geheimhaltung der Gespräche mit den Gläubigen
erübrigt sich, denn der Kontakt zu ihnen ist leider abgerissen.
Es ist das Heil uns kommen her ..
Von Gnad und lauter Güte
Die Werk, die helfen nimmermehr,
Sie mögen nicht behüten.
Der Glaub sieht Jesum Christum an,
Der hat gnug für uns all getan,
Er ist der Mittler worden.
Nun, der Papst kann geistige wie geistliche Kraft auch in der
Rabenaffaire nicht zuletzt aus diesem Choral schöpfen –
selbst wenn sein Autor, Paul Speratus, als abtrünniger Priester und
späterer Reformationsanhänger aus Benedikts Sicht
womöglich auch zu den Raben gehört.
"Gottlob - wir wissen den RECHTEN Weg zur Seligkeit...!"
Jaja, Herr Rechtsteiner, ich weiß, ich weiß - die Katholiken
denken, sie könnten mittels "Werkgerechtigkeit" in den
Himmel kommen ... und sie dürfen auch nie und nimmer direkt zu Gott
/Jesus/dem Heiligen Geist beten - sondern sie müssen immer den
Umweg über den Papst oder einen Priester machen. Ach ja - und
über Maria. Und außerdem beten sie Maria an. Und die Heiligen
auch. Und "Magie"-gläubig sind sie.
Liebes Lottchen ... !
Ich kenne diese Vorurteile alle so gut, weil ich selber mal evangelisch
war.
Wäre es nicht schön, wenn wir Christen über die
wirklichen Unterschiede in der Glaubensauffassung (Realpräsenz,
Ämter etc) in geschwisterlicher Liebe diskutieren und Gottes Willen
suchen könnten, statt irgendwelche unsinnigen Vorurteile zu
pflegen...?
Die Zeiten sind doch schwer genug. Jesus hat gebetet: "Ich will,
daß sie eins sind." Was für ein Bild geben wir Christen
ab?
Uns eint doch viel mehr als uns trennt.
100 Tage Untersuchungshaft - ja das ist Vatikanstaat
Ist das nicht ein wenig viel Aufmerksamkeit.....
...um den letzten undemokratischen Feudalstaat Europas?
.
Die Beschreibung im Artikel könnte wortgleich mit jeweils -50
Jahren versetztem Datum über die letzten 1.500 Jahre
Kirchengeschichte berichten. Auch wenn sie vor A.D. 1800 etwas blutiiger
gewesen wäre.
.
Lasst die alten Leute doch in RUHE! Die sollen ihre Spielchen spielen
und friedlich oder wie angedeutet unfriedlich aussterben.
.
Kopfschüttelnde Greusse
Sikasuu
.
Ps. Es ist immer wieder erhellend wie christlich und brüderlich
gerade die Kurie mit einander umgeht. :-((
@ Herrn Burghauser (Ergänzung)
Natürlich bleibt ein getauftes Kind aus Sicht der Kirche katholisch. Aber niemand ist gezwungen, sich diese Sicht zu eigen zu machen.
@ Herrn Burghauser
Nun gut, die Unschuldsvermutung gilt natürlich, aber eine
Untersuchungshaft zur Beweissicherung ist ja nun in einem Rechtsstaat
nicht ungewöhnlich. - Ich denke übrigens, dass nicht nur der
Dalai Lama bescheiden auftritt (obwohl ich ihn in einer
französischen Dokumentation gegen tibetische
"Dissidenten" schon anders gesehen habe). Das tut auch der
Papst. Aber die Katholische Kirche zu kritisieren ist einfach angesagter.
Wahrscheinlich bin ich so kompromisslos, weil die Kritik an dem Papst
oft so zeitgeistig-trivial ist oder einfach auf schlichter Unkenntnis
beruht (die meisten, die ihn z. B. als Großinquisitor beschimpfen,
kennen noch nicht einmal den Unterschied zwischen Römischer und
Spanischer Inquisition).
@Frau Holtmann
Warum so kompromisslos im Ton? Und warum dann die Taufe Neugeborener, die diese wehrlosen Geschöpfe mir nix dir nix auf ewig (bitte im Kirchenrecht nachlesen!!) zu Katholiken macht? Und warum bezeichnen Sie den Kammerdiener als "Straftäter". Gilt in diesem "Staat" nicht die Unschuldsvermutung? Im Gegensatz zum eher bescheiden auftretenden Dalai Lama hat ihr Staatsoberhaupt sich völkerrechtlich gleich doppelt abgesichert (Heiliger Stuhl).
@ Herrn Burghauser
Wen meinen Sie denn mit "einfache Bürger", die
eingekerkert werden können? Den Straftäter, der mit den
Dokumenten des Papstes Geld verdient hat? - Und überlassen Sie es
doch bitte den Katholiken, wie sie ihre Kirche organisiert sehen wollen.
Das dürfte Ihrer demokratischen Grundhaltung doch nicht
zuwiderlaufen. Schließlich ist niemand gezwungen, der Katholischen
Kirche anzugehören.
Und wenn Sie meinen, der "Vatikan" dürfe eigentlich kein
Staat sein, wenden Sie sich bitte an die Vereinten Nationen. Vielleicht
sehen die das so wie Sie. Vielleicht bringen Sie es dann auch zur
Sprache, dass der Anspruch des Dalai Lama, Oberhaupt der tibetischen
Regierung zu sein, ebenfalls völlig absurd ist.
@ Herrn Meier
Es ist schon erstaunlich, wie Sie den Begriff "alte Leute"
verwenden, fast schon eine Umschreibung für
"Schwachsinnige". Na, immerhin wollen Sie sie in Ruhe lassen.
Wahlmonarchie ohne Wahlrecht
Es ist aber eher fragwürdig und seltsam, dass in dieser Wahlmonarchie nur einigen Wenigen (Kardinälen) das Wahlrecht zusteht. Schlimm ist aber die Tatsache, dass einfache Bürger dieses "Staates" auch eingekerkert werden können und werden. Das sollte den Mitgliedern dieser Religionsgemeinschaft zu denken geben. Die Inanspruchnahme brachialer weltlicher Macht sollte den Verkündern der Botschaft Jesu eigentlich verboten sein. Das Geschehen dort entlarvt m.E. den Papst und die Mitglieder der Kurie als machtverliebte Egomanen.
Nun, das sehen die Katholiken der Welt anders,
und von denen gibt es ja dann doch einige. In der Weltkirche
erfährt der Papst große Anerkennung.
Darüber hinaus scheinen Sie dem Thema ja auch ein wenig
Aufmerksamkeit zu schenken. Aus welchem Grund schreiben Sie sonst einen Kommentar.
Und zu Ihrer Information: Eine Wahlmonarchie ist schon etwas anderes als
ein "Feudalstaat" und der Kammerdiener des Papstes gehört
nicht zur Kurie.
Nun kann man lange nach Schuld und anderem Dingen suchen. Traurige
Tatsache ist das wohl jeder große Mann oder jede große Frau
Verrat zu befürchten hat, selbst Jesus wurde durch Judas verraten.
Aber auch andere. Mahatma Ghandi genauso wie Nelson Mandela und viele
viele andere.
Was tun? "Deutschland pro Papa" hat eine Postkartenaktion ins
Leben gerufen (DIE WELT + REUTERS berichteten) und das "Vatikan
Magazin" ruft zum Gebet auf. Ich denke diesen Aufrufen kann ein
jeder Mensch der an Gott glaubt folgen, ob nun Katholik oder nicht. Denn
Verrat kann jeden treffen (wie ich, obwohl nun wirklich kein
großer Mann, aus eigenster Erfahrung weiß).
Jörg Bremer Jahrgang 1952, politischer Korrespondent für Italien und den Vatikan mit Sitz in Rom.
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