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Theresa May : Eine Frau, die ihren Job macht

Theresa May, derzeit Innenministerin Großbritanniens, könnte bald Premierministerin sein. Bild: dpa

Im Rennen um die Nachfolge von David Cameron hat Theresa May gute Chancen. Sie könnte Großbritanniens nächste Premierministerin werden – obwohl sie eine „verdammt schwierige Frau“ ist.

          Genau die Hälfte der Fraktion stimmte am Dienstag für Theresa May. Seither kamen ein paar Abgeordnete dazu, die die Innenministerin in ihrer Bewerbung um das höchste Partei- und Regierungsamt unterstützen. Ihr Sieg ist damit keineswegs sicher. Heute findet die zweite Wahlrunde statt und am Ende wird feststehen, wer ihr Gegenkandidat auf der Liste sein wird, über die dann die Parteimitglieder bis zum September abstimmen. Theresa May hat einen großen Nachteil: Sie sprach sich, anders als zwei Drittel der Basis, für den Verbleib in der EU aus.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Brüssel war nie eines ihrer Lieblingsthemen. Den heftigen innerparteilichen Streit um das Verhältnis zur EU hatte sie anderen überlassen. May beförderte ihre Karriere lieber mit Sacharbeit. Sie führte das Innenministerium in den vergangenen sechs Jahren effektiv und setzte, was in diesem Ressort schwer ist, sogar ein kleines Glanzlicht. Ihr gelang die Abschiebung des Terroristen Abu Qatada, der sich, nicht zuletzt mit Hilfe des Straßburger Gerichtshof für Menschenrechte, jahrelang seiner Abschiebung hatte entziehen können.

          In dieser Phase ließ May auch Rückhalt für das Ansinnen erkennen, die Europäische Menschenrechtscharta zu kündigen. Überhaupt galt sie eher als Hardlinerin, nah am rechten Flügel der Partei. Mit ihrer Entscheidung, im Referendumswahlkampf Premierminister Cameron und die „Remain“-Seite zu unterstützen, rückte sie wieder in die Mitte zurück – ein Ort, der ihr nun in einer Nation nützt, die das Referendum gespalten hat. Gestartet war May auf der progressiven Seite der Tories. Legendär ist ihre Rede auf dem Parteitag 2002, wo sie sich mit dem Ruf der Tories als „Nasty Party“ auseinandersetzte und für ein breiteres, sozialeres Profil warb. Bis dahin hatte die unscheinbare Pfarrerstochter aus dem südenglischen Eastbourne, die wie so viele im Kabinett Cameron in Oxford studiert hatte, keine Spuren hinterlassen.

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          In der Fraktion schlägt ihr eher Respekt als Sympathie entgegen. Sie selbst betonte bei ihrer Bewerbungsrede, dass sie kein geselliger Typ sei und lieber ihren „Job macht“ als mit Kollegen beim Lunch Gerüchte auszutauschen oder in den Parlamentsbars etwas trinken zu gehen. Ihr früherer Kabinettskollege Ken Clarke bezeichnete sie am Mittwoch als „bloody difficult woman“, eine „verdammt schwierige Frau“. Er wählt sie trotzdem, weil sie gegen den Brexit war und weil er, wie so viele, glaubt, dass die Partei jetzt eine nüchterne, erfahrene Administratorin braucht, die das Land durch die Austrittsverhandlungen mit der EU steuert.

          Im persönlichen Leben hat May, die im Oktober 60 Jahre alt wird, nicht nur Glück gehabt. Kinder waren ihr und ihrem Mann nicht vergönnt, wie sie kürzlich sagte. Außerdem leidet sie unter Diabetes. Beides wird in der Schlacht um die Cameron-Nachfolge gegen sie eingesetzt. Die Arbeitsbelastung in Downing Street 10 werde sie „töten“, steckte kürzlich ein namenloser Gegner einer Zeitung. Und Andrea Leadsom, die gerade mit Michael Gove um Platz zwei auf der Liste für die Urwahl ringt, lässt gerne einfließen, dass sie als Mutter dreier Kinder Erfahrungen aus der „wirklichen Welt“ mitbringt.

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