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Salva Kiir : Der erste Präsident Südsudans

Salva Kiir Bild: AFP

Anfangs wurde der politisch unerfahrene General der südsudanesischen Rebellenarmee belächelt. Jetzt ist er am Ziel seiner Träume.

          Der Präsident der jüngsten Nation Afrikas, nämlich Südsudans, ist ein schweigsamer Mensch. Salva Kiir meidet öffentliche Auftritte, und Interviews gibt er nur ganz selten. Man sagt, der ehemalige Rebellengeneral Kiir sei eher ein Mann der Tat als ein Mann des Wortes.

          Thomas Scheen †

          Politischer Korrespondent für Afrika mit Sitz in Nairobi.

          Der Hüne mit dem schwarzen Vollbart und dem markanten Stetson-Hut, von dem er sich nie trennt, war einer der ersten Rebellen in Südsudan. Das war Ende der sechziger Jahre, beim sogenannten Anyanya-Aufstand, der 1972 mit dem Friedensabkommen von Addis Abeba endete. Kiir wurde wie viele andere Rebellenführer auch nach dem Friedensschluss als Unteroffizier in die sudanesische Armee übernommen, doch als der Bürgerkrieg 1983 wiederaufflammte, war Kiir erneut dabei.

          Er gehörte zusammen mit dem charismatischen John Garang zu den Gründungsmitgliedern der südsudanesischen Rebellenorganisation „Sudan People's Liberation Army“ (SPLA). Für Garang war Kiir der Mann fürs Grobe. Denn Garang hatte trotz seines Offiziersranges wenig Ahnung von Kriegsführung und vertraute auf die Erfahrungen von Kiir aus dem ersten Bürgerkrieg.

          Als Garang im August 2005 nur drei Monate nach seiner Berufung zum stellvertretenden sudanesischen Präsidenten und zum Präsidenten der autonomen Region Südsudan tödlich verunglückte, drohte der Friedensprozess zu kollabieren. Nur Kiir mit seinem immensen Einfluss auf die SPLA-Soldaten schien geeignet, die gerade erst im Entstehen begriffene autonome Region Südsudan zusammenzuhalten, was ihm auch gelang.

          Im Gegensatz zu Garang aber, der einen Verbleib Südsudans in der Republik Sudan nie ausgeschlossen hatte, ließ Kiir von Anfang an keinen Zweifel daran, dass er die Abspaltung betreiben werde. „Wir haben die Wahl zwischen einem Dasein als Menschen zweiter Klasse in einem geeinten Sudan oder einem Dasein als freie Menschen in einem eigenen Staat“, sagte er bei den Wahlen in Sudan im April vergangenen Jahres, bei denen er mit mehr als 90 Prozent der Stimmen als Präsident der autonomen Region Südsudan bestätigt wurde.

          Heute ist der anfangs als politisch unerfahren belächelte Kiir am Ziel seiner Träume. Ob unter ihm Südsudan wie versprochen zu einer echten Demokratie heranwachsen wird, bleibt abzuwarten. Kiir ist schließlich in erster Linie ein Soldat, und bislang hat das südsudanesische Kabinett mehr Ähnlichkeit mit einem Militärrat denn einer demokratischen Regierung.

          Über das Privatleben des Salva Kiir ist kaum etwas bekannt, was wohl auch mit dem über zwei Jahrzehnte durch den Kampf im Busch geprägten Geheimhaltungswahn der ehemaligen Rebellen zu tun haben mag. Seine Familie lebt seit vielen Jahren in der kenianischen Hauptstadt Nairobi, wo sie ein bescheidenes Haus bewohnt. Das wenige, was sonst noch über den privaten Salva Kiir bekannt ist, beschränkt sich auf die Region, in der er geboren wurde - Bar-el-Ghazal - und das Geburtsjahr 1951. Doch selbst das ist nicht verbürgt.

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