http://www.faz.net/-gpf-z534

Ronald D. Asmus gestorben : Ein liberaler Falke

  • Aktualisiert am

Ronald D. Asmus Bild: picture-alliance / ZB

Ronald D. Asmus gehörte zu den Architekten der Europapolitik Amerikas. Der Sohn deutscher Einwanderer kämpfte leidenschaftlich für die Erweiterung der Nato nach Osten und ins Baltikum.

          Er war ein Knotenpunkt im Gewebe der transatlantischen Beziehungen, einer, dem das Verhältnis der Vereinigten Staaten zu Europa nicht nur Beruf und Berufung war, sondern Herzensangelegenheit. Ronald D. Asmus, den alle Welt nur Ron nannte, war von kräftiger Gestalt, klug, witzig und einer sympathisch ausladenden Präsenz.

          Das Motto, das Präsident Clinton seiner Europapolitik nach dem Ende des Kalten Kriegs gab - ein geeintes, demokratisches Europa zu schaffen, das in Frieden mit sich selbst lebt -, stammte in gewisser Weise von ihm. Es beschreibt besser als jede andere Formel die Hoffnungen und Ziele, die sich Asmus für Europa und damit für die amerikanische Europapolitik nach der Zeitenwende gesetzt hatte.

          In der zweiten Regierung Clinton stieg Asmus bis zum stellvertretenden Abteilungsleiter für Europa im State Department auf. Leidenschaftlich kämpfte er für die Erweiterung der Nato, wie er überhaupt in den neunziger Jahren des vergangenen und dann im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts im „alten“ Westen unbeirrt für die Anliegen der Mittel- und Osteuropäer und um Verständnis für deren Eigenheiten warb, auch, was nicht einfach ist, für die der Länder des Südkaukaus. Im russisch-georgischen Konflikt stand er auf der Seite der Kaukasus-Republik; ein Büchlein über den „kleinen Krieg, der die Welt erschütterte“, zeugt von seiner Sympathie.

          Im Jahre 2002 wurde der ehemalige Diplomat „Transatlantic Fellow“ beim German Marshall Fund in Washington; später wurde er dessen Büroleiter in Brüssel. Asmus hatte großen Anteil daran, dass der „GMF“ seine Aktivitäten in den vergangen Jahren ausgeweitet hat.

          Am vergangenen Samstag verlor Ronald D. Asmus, geboren 1958 in Milwaukee als Sohn deutscher Einwanderer, im Alter von 53 Jahren seinen langen Kampf gegen den Krebs. Er gehörte zur Spezies „liberaler Falke“, war akademisch hervorragend ausgebildet, Architekt einer starken und großen atlantischen Gemeinschaft, vernetzt wie wenige andere in seinem Gewerbe. Viele in Mittel- und Osteuropa schulden ihm großen Dank - und nicht nur dort.

          Weitere Themen

          Ist das Freundschaft oder Verrat?

          Georgien und Russland : Ist das Freundschaft oder Verrat?

          In Russland wird Georgien romantisch verklärt, seit es Teil des Zarenreiches wurde. Doch das Land am Kaukasus war in dieser Beziehung von Anfang an unglücklich. Es will seit langem eigene Wege gehen – und wird immer wieder gewaltsam zurückgehalten.

          Gute Laune bei CSU und Freien Wählern Video-Seite öffnen

          Koalitionsverhandlungen : Gute Laune bei CSU und Freien Wählern

          CSU und Freie Wähler machen nach Angaben von Ministerpräsident Markus Söder und Freie Wähler-Chef Hubert Aiwanger bei ihren Koalitionsverhandlungen in Bayern rasche Fortschritte. Das Bündnis solle noch im Oktober stehen.

          Auf offener Flucht enteignet

          Syrer im Libanon : Auf offener Flucht enteignet

          Die syrischen Flüchtlinge sind vollends in der Zwickmühle: In der Fremde werden sie geduldet oder gedemütigt, und wenn sie einmal zurückkehren sollten, droht ihnen zu Hause die Enteignung.

          Ermittlungen, bis es keine Fragen mehr gibt Video-Seite öffnen

          Fall Khashoggi : Ermittlungen, bis es keine Fragen mehr gibt

          Der türkische Präsident Erdogan hat Saudi-Arabien vorgeworfen, Khashoggis Mord geplant zu haben. Die Türkei werde die Ermittlungen noch nicht abschließen, bevor nicht alle Fragen beantwortet seien.

          Topmeldungen

          Italienische Fernsehpolitik : Wer macht hier Fehler?

          Ein Dorn im Auge der Partei: Matteo Salvinis Lega versucht den Auftritt von Riaces Bürgermeister Mimmo Lucano im italienischen Fernsehen zu verhindern
          Nun auch ein ehemaliger HSV-Trainer: Ballbesitzanhänger Christian Titz

          Fußball-Kommentar : Beliebt beim HSV, aber nicht erfolgreich

          Die Trennung von Trainer Christian Titz beim HSV nach nur einem guten halben Jahr ist nachvollziehbar und verständlich. Auch das Tempo, in dem schnell ein Nachfolger präsentiert wurde, ist richtig. Ein Kommentar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.