31.03.2012 · Sebastian Nerz ist schon fast ein Jahr der Bundesvorsitzende der jungen Partei. Wie viel Macht er hat und was er mit ihr anstellen will, ist noch nicht ganz klar.
Von Eckart Lohse, BerlinRichtlinien für Lesermeinungen
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Die Aussage von Nerz, zu ESM / EFSF etc keine Meinung zu haben, wundert mich ziemlich. Auf dem erst vor wenigen Monaten durchgeführten Bundesparteitag in Offenbach haben die Piraten der ganzen Euro-Rettung eine klare Absage erteilt. Zur Abstimmung standen zwei Alternativanträge, die sich nur im Ausmaß der Euro-Rettungs-Kritik unterschieden. Zwar ist der etwas weniger kritische Antrag beschlossen worden, aber daraus abzuleiten, die Piraten hätten zu ESM / EFSF etc keine Meinung, erscheint schon abenteuerlich. Vielleicht kommt da bei Nerz doch der ehemalige CDU-Mann und eine vorsichtige Anbiederung an die ehemalige Partei durch !???
Die Mühen der Ebenen ertragen - oder Avanti Dilettanti?
Nerz scheint gerne zu denken. Bedacht. Sehr sympathisch. Wählbar.
Gegenbeispiel: Gestern konnte ich fassungslos verfolgen, wie ein
(gewählter!) Berliner Pirat per Twitter Fragen zum Sozialhaushalt
auf seine Follower niederprasseln ließ („Bafög -
Länderhaushalte o. Bundeshaushalte?“ „Wo im
Bundeshaushalt find ich die Rente?“). Ich dachte erst, das sei ein
elaborierter, verfrühter Aprilscherz, aber er meinte es wohl ernst.
„Crowdsourcing“, weil er zur eigenen Recherche & Nutzung
einschlägiger Quellen zu, tja ... was eigentlich war?
Wird er morgen auf der Grundlage der Daten, die ihm das Publikum
zugerufen hat, etwas Staatstragendes sagen/schreiben (lassen)? Schon mal
von Google gehört?
Wenn Oma Kasulzke derlei nicht weiß (und das zugibt) -
verzeihlich. Wenn aber ein Mandatsträger die Wählerschaft auf
diesem Niveau seine Fleißarbeit erledigen lässt, wird mir
unwohl. Ich hoffe, da rücken bis 2013 mehr Leute à la Nerz
nach, die nicht so laut mit ihrer Ahnungslosigkeit kokettieren.
Eckart Lohse Jahrgang 1963, Leiter des Büros der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.
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