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Oliver Junk Die Überraschung in Goslar

12.09.2011 ·  Ausgerechnet in der Heimat des SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel wird ein CSU-Mitglied zum Oberbürgermeister gewählt.

Von Robert von Lucius
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Überraschungen und auch Kuriositäten kann die Kommunalwahl in Niedersachsen zur Genüge bieten: ein 91 Jahre alter Bürgermeister, der sich aus Rücksicht auf seine Frau nach 50 Jahren nicht mehr bewarb; und ein Niederländer, der in Nordhorn einen Wahlsieg um 56 Stimmen verpasste - er wäre der Erste in der EU gewesen, der als Bürgermeister nicht den Pass seines Gastlandes besitzt.

Die Wahl in Goslar ragt da heraus. In der alten Kaiserpfalz, die mit dem Erzbergwerk Rammelsberg, der Altstadt und dem Oberharzer Wasserregal ein Weltkulturerbe ist, wurde mit Oliver Junk ein 35 Jahre altes CSU-Mitglied Oberbürgermeister, das vor vier Monaten dort niemand kannte. Seine Wahl sehen die einen als Symbol für Politikverdrossenheit oder dafür, dass Kommunalwahlen eben eigenen Gesetzen gehorchen, die anderen als Beleg dafür, dass Bürger nicht leicht vergessen. Oder dass sich ein unkonventioneller Wahlkampf lohnt.

Bindungen zur Region hatte der promovierte Rechtsanwalt, Wirtschaftsjurist und Mitinhaber eines Luftfahrtunternehmens allenfalls durch seine Frau, die im Südharz geboren wurde, und, seit Juli, durch eine Ferienwohnung. Der CDU, die ihn offiziell als Einzelbewerber in Goslar aufstellte, gehörte er immerhin in Schüler- und frühen Studententagen in Marburg an. Verankert ist der gebürtige Frankfurter in Franken seit dem Wechsel des Studienortes nach Bayreuth. Schon seine Dissertation befasste sich mit der bayerischen Verfassung. Lebenslauf, vielfältiges unternehmerisches Engagement und seine politische Arbeit - seit drei Jahren Fraktionsvorsitzender der CSU im Stadtrat, zudem seit Mai deren Kreisvorsitzender - belegen einen Tatendrang, der die Goslarer überzeugt haben mag.

Zwei Dinge kamen hinzu. Er setzte im Wahlkampf in einer von Bevölkerungsschwund und Abwanderung geprägten Region auf die Jugend. Jedem, der sich in sozialen Netzwerken wie Facebook tummelt, diente er sich als „Freund“ an, was nicht alle goutierten. Zudem tauchte er überall auf, dank seiner markanten Brille hatte das Wiedererkennungswert. Er spielte bei den Großplakaten mit Wortwitz: „Goslar wird Junk“ (junk heißt auf Englisch Gerümpel oder Schund). Die Goslarer CDU stieß auf ihn durch eine bundesweite Suche.

Alle Parteien scheuten ortsgebundene Kandidaten, weil der vorige Oberbürgermeister Henning Binnewies (SPD) dank seines Sonnenköniggehabes selbst von der eigenen Partei abgelehnt und dann von der Bevölkerung abgewählt wurde. Die SPD stellte daher keinen eigenen Kandidaten auf, sondern sich - wie die Grünen - hinter den früheren FDP-Umweltstaatssekretär Christian Eberl. Dieser ist im Harz bekannt und angesehen - ihm schadete aber, dass er mit der SPD zusammenarbeitete. So scheiterte Eberl mit nur 24,5 Prozent. Junk gewann in der Heimatstadt des SPD-Vorsitzenden Gabriel mit 45 Prozent gegen vier Mitbewerber. Noch ist unklar, was er, der in Bayreuth mehr parteiintern als nach außen auffiel, anstrebt - jedenfalls aber „einen Neuanfang, eine neue politische Kultur, ein neues Miteinander“.

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Jahrgang 1949, politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

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