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Veröffentlicht: 07.12.2014, 11:02 Uhr

Der Stille im Vatikan Ein Besuch bei Vater Benedikt

Er trägt noch immer das weiße Papstgewand. Aber die roten Schuhe hat er gegen braune Sandalen über weißen Strümpfen getauscht.

von , Vatikanstadt
© Imago Hinter großen Fenstern in hellen Räumen: Das Kloster Mater Ecclesiae ist Joseph Ratzingers neue Heimat in der Vatikanstadt

Kaum hat Vater Benedikt auf dem Sofa in seinem Wohnzimmer Platz genommen, sagt er, es sei „völliger Unsinn“, dass er sich in die Debatte der letzten Bischofssynode um die Zulassung von Geschiedenen zur Kommunion eingemischt habe. Vielmehr sei es so: „Ich versuche, so still zu sein wie nur möglich.“

Jörg Bremer Folgen:

Der 87 Jahre alte Papst-Emeritus lebt abgeschieden im Kloster Mater Ecclesiae, einem aus den neunziger Jahren stammenden und für ihn renovierten Haus. Hinter großen Fenstern, in hellen Räumen, umgeben von Rosen und Weinreben. Von seinem Wohnzimmerfenster aus sieht Vater Benedikt hinter dem frühwinterlich gefärbten Laub die Kuppel des Petersdoms.

32137261 © AFP Vergrößern Seit seinem Amtsverzicht Ende Februar 2013 ging er nur dreimal in die Öffentlichkeit

Seit seinem Amtsverzicht Ende Februar 2013 kam er nur dreimal aus dieser Klausur heraus in die Öffentlichkeit, und das auf Einladung von Nachfolger Franziskus; so neulich zur Seligsprechung von Papst Paul VI. vor dem Petersdom. Benedikt genießt die Abkehr und Ruhe. Er erscheint wieder kräftiger als beim Abschied aus dem Amt und in den Monaten danach. Im Haus braucht er keinen Stock.

Er geht zwar langsam und ein wenig gebückt; aber seine Augen blitzen, und schlagfertig antwortet er in seinem bayerisch gefärbten Tonfall. Er trägt noch immer das weiße Papstgewand, aber die roten Schuhe hat er gegen braune Ledersandalen über weißen warmen Strümpfen eingetauscht.

Er will nicht als Nebenpapst gesehen werden

Trotz seiner Abgeschiedenheit erhält der Altpapst immer wieder Besuch. Vor allem Bischöfe wollen zu ihm, aber auch sein Verleger Manuel Herder, der jederzeit zu ihm gelassen wird, alte Freunde aus Bayern – und offenbar ist Benedikt auch häufiger mit Papst Franziskus in Verbindung, als bekannt wird. Benedikt sagt dazu nur: „Wir haben einen sehr guten Kontakt.“ Er möchte seinen Nachfolger nicht in den Schatten stellen, der „doch von so starker Präsenz ist, wie ich es selbst körperlich und psychisch bei meinen schwachen Kräften nie sein konnte“.

32137260 © AFP Vergrößern „Wir haben einen sehr guten Kontakt“ - Benedikt und Papst Franziskus im September 2014

Mittlerweile sei bei den Gläubigen auch völlig klar, „wer der wahre Papst ist“, setzt Benedikt fort und bedauert, dass es ihm nicht gelang, sich auch von der Anrede her deutlicher vom regierenden Papst abzusetzen. Er habe gewollt, dass man ihn seit seinem Rücktritt „Vater Benedikt“ nennt oder „Padre Benedetto“, aber er sei damals zu schwach und müde gewesen, um das durchzusetzen. Ob man das schreiben dürfe? „Ja, machen Sie das; vielleicht hilft’s.“

Journalisten lässt Benedikt gemeinhin nicht herein, und wenn, zu Höflichkeitsbesuchen. Aber diesmal diktiert er seinem Besucher geradezu ins Blatt und bittet auch zweimal, dies und jenes nicht zu schreiben. Ihm ist wichtig, dass man draußen erfährt, dass er nicht als Nebenpapst gesehen werden will, der in Kirchendebatten womöglich sogar gegen Franziskus Position bezieht.

Die Liebe der Kirche auch für „Wiederverheiratete“

Vielleicht beharrt er so darauf, weil nun „Band vier“ seiner Gesammelten Schriften auf den Markt kommt, in dem sein Aufsatz „Zur Frage nach der Unauflöslichkeit der Ehe“ von 1972 nachgedruckt wird. Dafür hat Vater Benedikt die Schlussfolgerungen „völlig neu überarbeitet“. Im Aufsatz hatte er noch geschrieben, in bestimmten Fällen sei die Zulassung zur Kommunion von Menschen in zweiter Ehe „von der Tradition“ gedeckt. Nun beteuert Benedikt die „Unmöglichkeit“ für wiederverheiratete Geschiedene, am Abendmahl teilzunehmen.

Aber es sei doch „Unsinn“, dass er damit in die aktuelle Auseinandersetzung eingreifen wollte, sagt Vater Benedikt noch einmal. Er habe den Text schon im August, also Monate vor Beginn der Synode verfasst, und da steht „nichts Neues“ drin; nur das, was Papst Johannes Paul II. „damals“ vertrat und „ich als Präfekt der Glaubenskongregation viel drastischer schon geschrieben habe“.

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Benedikt will weiterhin nicht an der Unauflöslichkeit einer sakramental geschlossenen Ehe rütteln. Die Lehre soll unangetastet bleiben; aber ihm ist wichtig, dass den geschiedenen Wiederverheirateten in der religiösen Praxis geholfen wird, um ihnen „nicht mehr als unbedingt nötig aufzuerlegen“. Er zitiert dafür das Apostolische Schreiben „Familiaris consortio“ von Johannes Paul II. aus dem Jahr 1981, in dem eine Pastoral gefordert wird, die wiederverheiratete Geschiedene nicht ausschließt, sondern „die Liebe der Kirche wirklich spüren“ lässt.

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