Home
http://www.faz.net/-gqa-747cf
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Obamas Wahlkampfmanager Stratege Jim Messina

Seit 2010 leitete Jim Messina von Chicago aus die Kampagne für Obamas Wiederwahl. Mit massig „Bodentruppen“ und Fernsehclips sorgte er für Obamas Sieg in den wahlentscheidenden „Swing States“.

© ddp/AP/Charles Rex Arboga Vergrößern 2008 stieß Jim Messina zum Team Obama

Zweifel haben ihn offenbar niemals beschlichen. Wann immer Jim Messina mit Zahlen und Trends konfrontiert wurde, die auf eine Aufholjagd, gar einen Vorsprung des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney hindeuten sollten, erwiderte er: „Wir werden es am Wahltag sehen. Jemand wird recht haben, und jemand wird sich täuschen. Ich glaube, wir werden recht haben.“ Jim Messina, Manager der Wahlkampagne für Obamas Wiederwahl, hat recht gehabt. Am meisten hat er seinen eigenen Zahlen vertraut: In Ohio, so rechnete er vor, verfüge das Team Obama über 123 Wahlkampfbüros, Romney bringe es nur auf 40; in Colorado sei das Verhältnis 59 Büros für Obama und 15 für Romney.

Matthias Rüb Folgen:    

Zwar konzedierte Messina, dass Romneys Leute eine bessere Organisation aufgebaut hätten, als es dem Wahlkampfstab des republikanischen Kandidaten John McCain vor vier Jahren gelungen sei. Die Masse der „Bodentruppen“ aber werde schließlich den Unterschied ausmachen. Tatsächlich dürfte die bessere Organisation der „Wahlkampf-Infanterie“ in den besonders umkämpften Staaten den Ausschlag für Obama gegeben haben. Romney konnte nur einen der „Schlachtfeldstaaten“, die vor vier Jahren vom Lager der Republikaner an jenes der Demokraten gefallen waren, für die Partei zurückerobern: North Carolina. In den anderen schmolz zwar der Vorsprung der Demokraten, aber die „Feuermauer“ hielt. So wie es Messina vorausgesagt hatte.

Mit einer umfangreichen „Heuschrecken“-Kampagne

Jim Messina, Jahrgang 1969, wurde in Denver in Colorado geboren und wuchs in Boise in Idaho auf. Er studierte Politologie an der Universität von Montana. 1993 versuchte er sich erstmals als Wahlkampfmanager und verhalf dem Bürgermeister von Missoula in Montana zur Wiederwahl. 1995 kam er als Mitarbeiter des demokratischen Senators Max Baucus nach Washington, dessen Wahlkampf zur erfolgreichen Wiederwahl von 2002 Messina leitete. Zimperlich war Messina schon damals nicht: den republikanischen Herausforderer von Senator Baucus stellte er in einem Wahlwerbeclip unterschwellig als Homosexuellen dar.

Mehr zum Thema

2008 stieß Messina zum Team Obama und stieg bald zum Stellvertreter von Wahlkampfmanager David Axelrod auf. Nach dem Wahlsieg Obamas wurde Messina im Januar 2009 stellvertretender Stabschef im Weißen Haus, kehrte aber zwei Jahre später nach Chicago zurück und leitete von dort aus die Kampagne für Obamas Wiederwahl. Messina setzte nicht nur die „Bodentruppen“ zur Mobilisierung der Wähler frühzeitig in Marsch und stationierte sie in ungezählten Feldquartieren. Er sorgte auch mit einer umfangreichen Kampagne von Fernsehclips dafür, dass das Image von Mitt Romney als einem herzlosen „Heuschrecken“-Kapitalisten ohne Verständnis für die Sorgen der kleinen Leute tief ins Bewusstsein von ungezählten potentiellen Wählern sickerte. Und als es in Ohio und Virginia, Colorado und Iowa, Wisconsin und Pennsylvania ums Ganze ging, waren diese Wähler für Obama zur Stelle.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Obamas Gegner im Senat Ich bin die Vooooorsitzende!

Im amerikanischen Senat sind die Vorsitzenden der Ausschüsse mächtige Leute. Wenn sich Präsident Barack Obama an diesem Dienstag mit seiner Rede zur Lage der Nation an den Kongress wendet, wird er sehen: Alte Feinde rosten nicht. Mehr Von Andreas Ross, Washington

19.01.2015, 19:30 Uhr | Politik
Lebensgefährliches Virus Obama begegnet Ebola-Panik mit aufklärender Ansprache

Ruhig und sachlich wendet sich der amerikanische Präsident Obama in einer Ansprache zum Thema Ebola an seine Bürger und Wähler. Wenn man sich von der Wissenschaft, und nicht von der Angst, leiten lasse, könne ein Ausbruch in den USA verhindert werden, ist eine seiner Kernbotschaften. Obama hat mittlerweile einen Ebola-Sonderbeauftragten ernannt. Mehr

18.10.2014, 16:01 Uhr | Politik
Einladung an Netanjahu Kampfansagen an das Weiße Haus

Für die Republikaner ist die Haltung von Präsident Obama gegenüber Islamisten und Iran zu weich. Deshalb laden sie den israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu in den Kongress ein. Der Präsident will ihn nicht sehen. Mehr Von Andreas Ross, Washington, Hans-Christian Rößler, Jerusalem

22.01.2015, 19:40 Uhr | Politik
Kongresswahlen am Dienstag Trübe Wahlaussichten für Obama

Die Demokraten von Barack Obama könnten Umfragen zufolge bei den amerikanischen Kongresswahlen am Dienstag auch die Mehrheit im Senat verlieren. Dann müsste der Präsident bis zum Rest seiner zweiten Amtszeit mit republikanischen Mehrheiten in beiden Häusern des Kongresses regieren. Mehr

03.11.2014, 14:21 Uhr | Politik
Präsidentenwahl 2016 Mitt Romney verzichtet auf Kandidatur

Nach einigen Wochen, in denen er rastlos durch Amerika reiste, hat sich Mitt Romney gegen eine dritte Kandidatur für das Weiße Haus entschieden. Er will einem anderen Kandidaten Platz machen - aber wem? Mehr Von Andreas Ross, Washington

30.01.2015, 17:52 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 07.11.2012, 20:29 Uhr

Verfolgt im Internet

Von Martin Gropp

Die neuen Nutzungsbedingungen bescheren Facebook so manchen Abschied. Allerdings: Bei kostenfreien Diensten ist der Nutzer das Produkt. Aufgeklärte Netzbürger sollten das wissen. Mehr 7