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Merkels Beraterin : Ganz nah dran

Büroleiterin Beate Baumann mit Regierungssprecher Steffen Seibert Bild: ddp images/dapd/Oliver Lang

Beate Baumann ist seit Jahren Merkels wichtigste Beraterin. Ihre Büros liegen fast nebeneinander, ihr Kontakt ist eng. Ist die Kanzlerin auf Reisen, wird mehrmals täglich telefoniert. Freundinnen sind die beiden aber nicht.

          Sollte sich der Wähler im Herbst entscheiden, die Kanzlerschaft von Angela Merkel um weitere vier Jahre zu verlängern, so weiß er nicht genau, was auf ihn zukommt. Das gilt inhaltlich, weil das Papier von Parteiprogrammen geduldig ist und die Union nicht weiß, mit welchem Koalitionspartner sie sich einig werden muss. Das gilt aber auch personell, weil unklar ist, wer an der Seite von Merkel das Land regieren wird.

          Eckart Lohse

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Eine Personalie steht nach menschlichem Ermessen aber fest: Beate Baumann wird weiterhin mit der Kanzlerin die Geschicke Deutschlands lenken. Jeder Bundeskanzler hat einen engen Kreis von Menschen um sich herum, denen er vertraut. Das heißt: Er kann sich darauf verlassen, dass sie nichts von dem Besprochenen gegen ihn verwenden. Manche dieser Menschen gehen, neue kommen im Laufe einer Kanzlerschaft. Doch einer pflegt durchzuhalten, vom ersten bis zum letzten Tag. Häufig sind das Frauen.

          Für Helmut Kohl war das seine Büroleiterin Juliane Weber, für Kanzler Gerhard Schröder in nämlicher Funktion Sigrid Krampitz. Das Büro von Angela Merkel leitet Beate Baumann. Sie tut das nicht erst, seitdem dieses Büro im Kanzleramt liegt. Schon Mitte der Neunziger führte sie das Büro der Ministerin Merkel. Baumann blieb an Merkels Seite, als diese die Partei führte und die Fraktion. Ihr Kontakt ist eng. Ist die Kanzlerin auf Reisen, wird telefoniert, oft mehrmals täglich.

          Türen stehen häufig offen

          Beate Baumann ist mehr für Angela Merkel als Weber und Krampitz für deren Vorgänger. Sie ist politische Begleiterin, Beraterin, ein Warnsystem. Der Unterschied zur Funktion von Sigrid Krampitz lässt sich schon an der Lage der Büros der beiden im Kanzleramt leicht ablesen. Schröders Büroleiterin hatte ihres eine Etage unter dem Regierungschef, in der nordwestlichen Ecke des großen Hauses.

          Da ist man schon ein, zwei Minuten unterwegs, den Weg macht man nicht für den kurzen Zuruf, die Absprache zwischen den Türpfosten. Baumann sitzt dagegen wie die Kanzlerin in der siebten Etage an der Südseite des Amtes. Die Büros der beiden Frauen sind nur durch zwei Sekretariate und das Zimmer des stellvertretenden Büroleiters getrennt. Die Türen, auch die von Merkels Büro, stehen häufig offen. Nicht nur Beate Baumann ist rasch bei Merkel. Auch umgekehrt kommt es vor, dass die Chefin im deutlich kleineren Zimmer ihrer Vertrauten auftaucht. Von einem „Trampelpfad“ zwischen beiden Räumen spricht einer, der mit den Örtlichkeiten vertraut ist.

          Die 1963 geborene Frau aus Osnabrück studierte Philologie, trat in den achtziger Jahren der Jungen Union bei und kam 1992 auf Empfehlung von Christian Wulff zur stellvertretenden Bundesvorsitzenden der CDU nach Bonn, um ihr zuzuarbeiten. Bevor die beiden sich kennenlernten, hatte Beate Baumann nur ein vages Bild von der Frau aus Ostdeutschland, die so rasch zur Bundesministerin aufstieg. Es setzte sich aus zwei Teilen zusammen. Erstens hatte Wulff ihr von Merkel vorgeschwärmt.

          Baumann kann schweigen

          Dem gefiel es, dass diese anders war als die meisten in der westdeutschen CDU. Zweitens konnte Baumann Ende 1991 miterleben, wie Merkel mit dem Versuch scheiterte, sich gegen den westdeutschen CDU-Mann Ulf Fink im Ringen um den brandenburgischen CDU-Vorsitz durchzusetzen. Das war auf einem Parteitag in Kyritz, vom Volksmund Kyritz an der Knatter genannt. Wer, wie Baumann, diese krachende Niederlage mit 67 zu 121 Stimmen und Merkels fassungslose Reaktion mit ansehen konnte, wusste: Die Frau braucht jemanden, der sie durch die Minenfelder der von Männern beherrschten CDU lotst.

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