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McAllisters Nachfolger Stephan Weil, ein freundlicher Zahlenfürst

 ·  SPD-Spitzenkandidat Weil muss seinen Dienstsitz nur ein paar Straßenzüge verlegen, wenn er die Nachfolge von Ministerpräsident McAllister antritt. Schon als Oberbürgermeister von Hannover erlebte er, dass es die SPD mit den Grünen in Niedersachsen nicht immer leicht hat.

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© Lüdecke, Matthias Vergrößern Verbindlich im Ton, klar im Ziel: Stephan Weil

Dass die SPD es mit den Grünen, mit denen sie Niedersachsen regieren will, nicht immer leicht hat, weiß Stephan Weil. In Sitzungen und Verhandlungen mit den Grünen im Stadtrat von Hannover erlebte er hinreichend Extravaganzen und geheime Absprachen. In vier oder fünf Wochen will er seine erste Kabinettssitzung leiten und dabei genau so vorgehen wie sonst - verbindlich im Ton, klar im Ziel.

Seinen Dienstsitz muss der bisherige Oberbürgermeister von Hannover vom Rathaus nur um wenige Straßenzüge weiter in die Staatskanzlei verlegen. Übung in zahlreichen Gremien hat Stephan Weil, der auch überregional vernetzt ist. So war er Sprecher der Gemeinschaft Sozialdemokratischer Kommunalpolitiker sowie Präsident des Verbandes Kommunaler Unternehmen. Seine Erfahrung als „überzeugter Kommunalo“ will er in seiner neuen Aufgabe nicht vergessen, wenn es um eine solide Finanzausstattung der Kommunen geht oder um Regionalreformen. Beides zählt zu seinen Zielen im neuen Amt.

Zwei Erfahrungswelten

Der künftige Ministerpräsident stützt sich auf zwei Erfahrungswelten. Zum einen ist das die juristische. Er war Richter, Rechtsanwalt, Staatsanwalt, Ministerialrat im Justizministerium: mehr geht kaum. Zum anderen ist er in der Welt der Zahlen zu Hause. Seine frühere Neigung, mit ihnen zu jonglieren und bisweilen langatmig über sie zu dozieren, hat er überwunden. Den Zugang zu Zahlen gewann Weil in seinen Jahren als hannoverscher Stadtkämmerer. In diesem Amt drang er stets auf Sparsamkeit. Seine Partei schlug ihn daraufhin vor sieben Jahren als Nachfolger des nahezu legendären Oberbürgermeisters Herbert Schmalstieg vor.

Hannover ist aus tief verankerter Tradition sozialdemokratisch. So ist es wahrscheinlich, dass der bisherige SPD-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Stefan Schostok, Weil im Herbst im Amt des Oberbürgermeisters nachfolgt. Gewählt werden soll das neue Stadtoberhaupt parallel zur Bundestagswahl. Die Oberbürgermeisterwahl könnte indes spannend werden, falls die CDU ihre bisherige Sozialministerin Aygül Özkan aufstellt. Frau Özkan könnte insbesondere Frauen und Zuwanderer als Wähler gewinnen. Sie verlor am Sonntag ihr Landtagsdmandat und steht nun ohne politisches Amt da.

Freundlicher Umgang mit McAllister

Lange hatte der 54 Jahre alte Weil den Ruf eines spröden Gesprächspartners. Das hat sich verändert. Im großen wie im kleinen Kreis gibt er sich locker. So kommt Weil auch mit dem bisherigen Ministerpräsidenten und CDU-Landesvorsitzender David McAllister freundlich aus. Sie schätzen sich wechselseitig und schlagen sich auch mal auf die Schulter, was McAllister vom Typ her leichter fällt als Weil.

Ohne Emotionen ist Weil, der viel liest und seine Ruhe bei Langläufen und in der Familie findet, indes nicht. Das entdeckt man, wenn man ihm bei Erzählungen zuhört, wie er als Jugendlicher seinen Weg zur Sozialdemokratie fand. Er berichtet dann, wie sehr ihm an einem fürsorglichen, aktiven Staat liegt. Dabei hatte es Weil, Sohn eines gutbürgerlichen Akademikerpaares, selber leicht.

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