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Lakhdar Brahimi Lehrmeister der Krisenvermittlung

 ·  Der neue UN-Sondergesandte Lakhdar Brahimi bezeichnet sich selbst als „verrückt“, weil er sich die Aufgabe aufhalst, im Syrien-Konflikt zu vermitteln. Der 78 Jahre alte Algerier scheint für die „unmögliche Mission“ aber geradezu prädestiniert.

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Lakhdar Brahimi hat zu viel Erfahrung mit Kriegen und Krisen, als dass er sich in den Syrien-Konflikt stürzen würde, ohne erst die großen Mächte zu ermahnen. Wenn sie wirklich wollten, dass er die Aufgabe des UN-Vermittlers übernehme, sagte der 78 Jahre alte Algerier, dann müssten sie ihn auch unterstützen. „Sonst gibt es gar keine Aufgabe.“ Brahimi hat zu viel Erfahrung, als dass er wirklich glaubte, damit den UN-Sicherheitsrat beeindrucken zu können, wo Russen und Chinesen das syrische Regime beschützen und westliche Staaten dessen Gegner unterstützen.

Sein Vertrauter Kofi Annan, der sich an Syrien die Zähne ausbiss, hatte von einer „unmöglichen Mission“ gesprochen. Brahimi nennt sich selbst „verrückt“, weil er sie sich trotzdem aufhalst.

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Neben solcher Koketterie treibt den Diplomaten mit Hang zu klaren Worten wohl ein gewisser Idealismus in die Schlacht. Sein Lebenslauf scheint ihn für die Mission zu prädestinieren. Als Student lehnte sich Brahimi selbst gegen die Obrigkeit auf - damals war es die Kolonialmacht Frankreich, die ihm heute Wahlheimat ist.

Mit Anfang 20 hatte er schon etliche wichtige Staatschefs getroffen, um sie für den algerischen Unabhängigkeitskampf einzunehmen. Als der gewonnen war, stieg der Anhänger des ägyptischen Generals Nasser im diplomatischen Dienst auf. In den achtziger Jahren war er stellvertretender Generalsekretär der Arabischen Liga, für die er nun auch in Syrien vermitteln soll. Damals trug er zum Ende des libanesischen Bürgerkriegs bei. Seitdem ist Brahimi auch Syrien-Fachmann.

Kardinalfehler und Kriegsverlierer

Nur knapp zwei Jahre war er algerischer Außenminister, bis er für die UN Krisenmanagement zwischen Südafrika und Haiti betrieb. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 wurde Brahimi Afghanistan-Gesandter.

Was eine Spaltung des Sicherheitsrats für einen UN-Gesandten bedeutet, lernte er wenig später im Irak. In beiden Fällen hat er es später als Kardinalfehler bezeichnet, dass die Kriegsverlierer - Taliban und Anhänger Saddam Husseins - nicht früh genug an den Verhandlungstisch geholt wurden. Brahimis Tochter Reem, die zwei Geschwister hat, berichtete während des Irakkriegs für CNN aus Bagdad. Nach ihrer Hochzeit 2004 ist Brahimi Schwiegervater eines jordanischen Prinzen.

„Sieben Todsünden der Krisenvermittlung“

Der Idealist Brahimi gibt sich gern realistisch. Als UN-Generalsekretär hatte Annan ihn damit betraut, Lehren aus den gescheiterten Friedensmissionen von Ruanda bis Bosnien zu ziehen. Der Brahimi-Bericht von 2000 ist noch heute maßgebliches Kompendium für die Planer von Blauhelm-Einsätzen.

Scheinbar banale Lehren wie die, dass die UN keinen Frieden sichern können, den es nicht gibt, oder dass die Welt beim Wiederaufbau von Staaten nur „leichte Fußspuren“ hinterlassen dürfe, verkündet Brahimi seither auf vielen Podien. Unlängst hat er eine Studie mitverfasst, welche die „sieben Todsünden der Krisenvermittlung“ auflistet: Ignoranz, Arroganz, Parteilichkeit, Machtlosigkeit, Hast, Unflexibilität, falsche Versprechungen. Einen schnellen Erfolg im unübersichtlichen Syrien mag der Gesandte der zerstrittenen Staatengemeinschaft nicht versprechen.

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