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Katarina Barley : Eine selbstbewusste Nachfolgerin

Katarina Barley hat einen Lebenslauf, wie man ihn in der Politik nur noch selten findet. Bild: dpa

Als Katarina Barley das Angebot bekam, neue Generalsekretärin der SPD zu werden, musste sie erst einmal überlegen. Nach einem Gespräch mit ihrer Familie wird sie sich nun mit Ehrfurcht, aber nicht zu viel Demut dem Amt widmen.

          Katarina Barley bekundet Ehrfurcht: Als Sigmar Gabriel ihr am Freitag anbot, Yasmin Fahimis Nachfolgerin als SPD-Generalsekretärin zu werden, sei das ein wenig so gewesen wie der Moment, in dem Barack Obama erfuhr, dass er den Friedensnobelpreis erhalte: „Wow!“ Ihre Zusage erteilte sie in einem zweiten Gespräch am Sonntag. Dass Barley das Amt als Ehre empfindet, bedeutet nicht, dass sie mit zu viel Demut an die künftige Rolle herangeht, für die sie am Montag von Präsidium und Vorstand einstimmig nominiert wurde. Auf den Umstand angesprochen, dass der Parteivorsitzende mit ihren beiden Vorgängerinnen nicht eben harmonierte, erwidert die 46 Jahre alte bisherige Justitiarin der Bundestagsfraktion: Sie kenne Gabriel nicht erst seit gestern, beide seien sehr unterschiedlich, doch möge sie „Menschen mit Profil“. Barley beschreibt sich als sachlichen Menschen, der zwar auch die Abteilung Attacke beherrsche, aber nur, wenn es geboten sei.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Nach ihrer Rolle im Bundestagswahlkampf gefragt, setzt sie ein selbstbewusstes Gesicht auf und verweist auf das Statut der Partei: Die Generalsekretärin habe die Wahlkampfleitung, sagt sie, fügt aber hinzu, es werde „mit Sicherheit keine One-Woman-Show“. Die folgende Präzisierung Gabriels trifft den Kern, der das künftige Verhältnis der beiden bestimmen wird: Er erwarte sich nicht die Kopie früherer Wahlkämpfe, sondern, dass Barley einen anderen Blick auf den Wahlkampf haben werde - „und auch einen anderen Blick von einigen Menschen zulässt, die ja auch kluge Ideen haben“. Und: Daneben blieben viele andere Aufgaben. Soll heißen: Barley wird ein Wahlkampfmanager zur Seite gestellt.

          Gabriel hebt bei der Präsentation der künftigen Generalsekretärin, die auf dem Bundesparteitag im Dezember gewählt werden soll, hervor, dass er froh sei, mit Barley jemanden mit einem beruflichen Werdegang gefunden zu haben, der heute nicht mehr allzu oft den Weg in die Politik finde. Trotz ihres frühen politischen Engagements – die gebürtige Kölnerin trat 1994 der SPD bei – wurde die Politik erst spät zu ihrem Beruf: Nach dem Abitur studierte die Tochter eines Briten und einer Deutschen Jura in Marburg und Paris und wurde mit einer Arbeit über das Kommunalwahlrecht für EU-Ausländer promoviert.

          Sie war in einer Hamburger Großkanzlei als Anwältin tätig, bevor sie das Angebot erhielt, als wissenschaftliche Mitarbeiterin ans Bundesverfassungsgericht zu wechseln. Es folgten Tätigkeiten als Richterin, die sie nach Trier führten. Dort engagierte sie sich kommunalpolitisch für die SPD. Die Kreisvorsitzende wurde für die Bundestagswahl 2013 als Direktkandidatin aufgestellt und schaffte über die rheinland-pfälzische Landesliste den Sprung nach Berlin. Wie Fahimi und Andrea Nahles gehört auch Barley zur (gemäßigten) Parteilinken.

          In Paris erwarb sie nicht nur das „Diplôme de droit français“, sondern traf auch ihren späteren Ehemann, mit dem sie zwei Söhne hat. Mit ihrer Familie besprach sie das Angebot Gabriels, das ihr Leben, wie sie sagt, umkrempeln wird.

          Quelle: F.A.Z.

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