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James Bond Der ideale Brite

Seit 50 Jahren dient James Bond der Queen und ist für England Identifikationsfigur, Hoffnungsmacher und Volkserzieher in einem. Demnächst auch wieder in Ihrem Kino.

© David Smith Vergrößern

Als James Bond in diesem Sommer im Amtszimmer von Königin Elisabeth II. gefilmt wurde, kam dies einer Enttarnung historischen Ausmaßes nahe. „Good evening, Mr. Bond“, sagte die leibhaftige Queen und folgte ihm bereitwillig aus der Tür. Wenig später setzte Bond, der zur Zeit als Daniel Craig auftritt, die Monarchin, die nun eine Puppe geworden war, live mit dem Fallschirm im Londoner Olympiastadion ab - als Höhepunkt der Eröffnungsfeier. Viele Millionen Fernsehzuschauer in aller Welt rieben sich die Augen: Wer war nun echter: die Queen oder Bond? Vermutlich Bond.

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Gerüchte waren ja schon länger im Umlauf gewesen. Sie gründeten nicht zuletzt auf einem Zweifel: Wie kann ein Volk, das sich etwas auf seinen Pragmatismus einbildet, einen Repräsentanten hervorbringen, der der Phantasie eines Schriftstellers entsprungen sein soll? Seit Winston Churchill gab es wohl keinen Briten mehr, der das Bild des Königreichs so stark geprägt hat - das von sich selbst und das in der Welt. Unter den Instrumenten britischer softpower nimmt James Bond eine einsame Sonderstellung ein.

Identifikationsfigur, Hoffnungsmacher, Volkserzieher

Er ist unterhaltsamer als die BBC, gebildeter als der „Economist“, langlebiger als die Beatles - und egalitärer als das Königshaus. Bond schlüpfte zunächst in die Rolle eines schottischen Arbeiterkindes (Tarnname: Sean Connery), dann in die eines australischen Models (George Lazenby), bevor er zum ersten mal richtig englisch wurde (Roger Moore), nur um sich später in einen Waliser zu verwandeln (Timothy Dalton), der dann durch einen Iren ersetzt wurde (Pierce Brosnan), bis er schließlich als Daniel Craig abermals im englischen Gewand an die Öffentlichkeit trat. Nur Amerikaner wollte Bond nie sein.

Seine Wandelbarkeit, sein geniales Verwirrspiel mit der Öffentlichkeit, versetzte 007 in die Lage, durch alle Wechselläufe hindurch das Ansehen des Landes auf zeitgemäße Weise zu mehren. Ohne Bond wäre der Kalte Krieg weniger elegant gewonnen worden, ohne ihn wüsste heute niemand mehr, dass auf der Insel einst großartige Sportwagen gebaut wurden, ohne ihn hätte sich der Eindruck festgesetzt, die Briten verstünden nichts von gutem Essen und schönen Frauen. Bond verrichtete aber auch, was man in seiner Heimat groundwork nennt. Indem er vorlebte, dass loyale Staatsbeamte zumindest bei außerordentlichen Leistungen mit einem flamboyanten, kosmopolitischen Alltag belohnt werden, lockte er ganze Generationen kreativer Studienabgänger in den tristen Dienst ihrer Majestät.

Bond war Identifikationsfigur, Hoffnungsmacher, Volkserzieher. In der schweren Nachkriegszeit - zum ersten mal tauchte Bond 1953 in einem Roman von Ian Fleming auf - festigte er den Glauben an ein besseres Leben und appellierte durch schieres Vorbild an die Wiederbelebung alter Stärken. In dem Spiegel, den er den Briten vorhielt, sahen sie viel schlanker und sonnengebräunter aus als sie es waren. Bis heute ist das so. „Wir genießen Bond immer noch“, schrieb Steven Bayley unlängst in der „Times“ und fuhr fort: „Weil er Qualitäten hat, die wir verloren haben - oder, ehrlich gesagt, die meisten von uns nie hatten.“

So prüde sind wir gar nicht

Als Bond vor fünfzig Jahren zum ersten mal als Filmheld auftrat („007 jagt Dr. No“), war das Empire fast vollständig verloren, aber in 007 überlebte die zivilisatorische Überlegenheit der britischen Nation. Aristokraten und Pseudo-Aristokraten anderer Länder waren erst im Reinen mit sich, wenn sie, wie Bonds Gegenspieler Blofeld in „Im Auftrag ihrer Majestät“, den Stempel eines britischen Ahnenforschers erhielten - auch in diese Rolle schlüpfte Bond. Im selben Film wurde ihm mit Lippenstift eine Zimmernummer auf den Schenkel unter seinem Schottenrock gekritzelt, und er folgte dem Angebot in angemessenem zeitlichen Abstand. Da wusste Großbritannien: So prüde, wie alle meinen, sind wir gar nicht.

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