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Imran Khan Pakistans „guter Populist“

Anhänger sehen in dem früheren Cricketstar Imran Khan so etwas wie einen pakistanischen „Erdogan“ - einen „guten Populisten“. Mit einem Protestzug gegen amerikanische Drohnenangriffe wollte er nun auch seine Popularität in den Stammesgebieten steigern.

© AFP Vergrößern Imran Khan inszeniert sich als Vorkämpfer gegen die amerikanische Regierung.

Monatelang hatte Imran Khan angekündigt, einen Protestzug gegen die amerikanischen Drohnenangriffe in den pakistanischen Stammesgebieten anzuführen. Selbst Morddrohungen einiger Islamisten, die ihn als Teil des verhassten politischen Establishments sehen, hielten ihn nicht von seinem Plan ab. Dass ihm nun von der anderen Seite - der Regierung in Islamabad - der Übertritt nach Südwasiristan (offiziell aus Sicherheitsgründen) verwehrt wurde, macht seinen Medien-Coup erst komplett: Imran Khan, der neue Stern am pakistanischen Oppositionshimmel, lässt die Verhältnisse tanzen.

Jochen Buchsteiner Folgen:

In Pakistan herrscht Vorwahlkampf, und Imran Khan weiß, dass sich mit kaum einem Thema mehr mediale Aufmerksamkeit erzielen lässt als mit einer großangelegten Anti-Drohnen-Kundgebung. Bekannt ist der frühere Kapitän der Cricketnationalmannschaft im ganzen Land. Aber seine Partei, die „Pakistan Tehrik-i-Insaaf“ (PTI), hat bislang nur im Punjab Zulauf. Mit der Protestaktion in den Stammesgebieten hat der ehrgeizige Politiker den Bekanntheitsgrad seiner Bewegung zweifellos steigern können.

Anhänger sehen in Khan so etwas wie einen pakistanischen Erdogan, einen „guten Populisten“, der mit einer halb islamischen, halb demokratischen Sammlungsbewegung einen dritten Weg beschreitet und das Land zu neuem Ansehen führen wird. Vor allem in den Großstädten fliegen ihm die Sympathien zu. Frustriert von den korrupten Praktiken aller Regierungen, ob ziviler oder militärischer Natur, möchten vor allem junge Leute daran glauben, dass die Vetternwirtschaft unter Imran Khan aufhören wird.

File photo shows an MQ-1B Predator from the 46th Expeditionary Reconnaissance Squadron taking off from Balad Air Base in Iraq © Reuters Vergrößern Kaum ein Thema polarisiert Pakistan mehr als die amerikanische Drohnenangriffe.

Während das Militär auffällig wohlwollend schweigt, wissen die etablierten Parteien nicht so recht, wie sie mit dem Volkstribun umgehen sollen. Fazlur Rahman, das Gesicht des parlamentarischen Islamismus in Pakistan, bezeichnet Khan abwechselnd als Taliban und als Freund des Westens. Die regierende Pakistanische Volkspartei (PPP) verfolgte Khans Treiben lange Zeit mit versteckter Sympathie, weil er die Machtbasis der oppositionellen Muslimliga im Punjab schleifte. Inzwischen haben beide großen Parteien namhafte Politiker an Khans PTI verloren.

Der politische Schwung ist auf Khans Seite, an einen Wahlsieg glaubt bislang nur eine Minderheit. Viele Pakistaner, vor allem auf dem Land, bleiben dem traditionellen Klientelismus und damit den etablierten Parteien verhaftet. Nachdenklichere Wähler dürften sich fragen, was sie von Khan zu erwarten haben, wenn der oppositionelle Budenzauber einmal politischem Alltag gewichen ist. Sie sehen einen Mann, der lange als Sinnbild des aufgeklärten säkularen Pakistaners galt und - nach seiner Rückkehr aus London, wo er mit einer Britin verheiratet war - immer frommer, auch immer antiwestlicher geworden ist. Nun inszeniert sich Khan als Vorkämpfer gegen die amerikanische Regierung. Die Anti-Drohnen-Mission sei auch ohne Grenzübertritt nach Südwasiristan ein Erfolg: „Der Protest hat die Welt erreicht“, und er selbst verbucht einen politischen Etappensieg.


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Quelle: F.A.Z.

 
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