03.08.2011 · Kaum jemand spricht Erwin Teufel ab, seine Aufgabe als Ministerpräsident von Baden-Württemberg gut, teils sogar mit Bravour gelöst zu haben. Er selbst würde so etwas von sich nicht sagen - er ist bescheiden.
Von Volker ZastrowEin gutes Jahr ist es jetzt her, dass Bundeskanzlerin Merkel die „schwäbische Hausfrau“ zur Autorität erhob. „Sie hätte uns eine Lebensweisheit gesagt: Man kann nicht auf Dauer über seine Verhältnisse leben.“ Jetzt ist die schwäbische Hausfrau wieder da. Nun ja, nicht die Hausfrau – es handelt sich um den ehemaligen Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Erwin Teufel.
Als der 2005 von seinem Nachfolger Günther Oettinger und dessen Gefolgsleuten aus dem Amt getrieben wurde, war Teufel – nach 14 Jahren – der damals dienstälteste Ministerpräsident. Es sagt schon viel, wenn man sich vor Augen hält, dass er seine politische Laufbahn als jüngster Bürgermeister der Bundesrepublik mit 25 Jahren in Spaichingen gestartet hatte, 1964. Dazwischen war er Landtagsabgeordneter und Staatssekretär in den verschiedensten – stets bedeutsamen – Ressorts, und wiederum 13 Jahre Fraktionsvorsitzender der CDU im Stuttgarter Landtag. Einer übrigens sehr selbstbewussten und selbständigen Fraktion gegenüber einem nicht weniger selbstbewussten Ministerpräsidenten, Teufels Amtsvorgänger Lothar Späth.
Teufel folgte ihm in schwerere Zeiten: Zum ersten Mal in der Nachkriegsgeschichte sanken die Steuereinnahmen, und zehn Jahre lang änderte sich das nicht. Das bedeutete stark veränderte Bedingungen für politisches Handeln, schwierigere natürlich – und kaum jemand spricht Teufel ab, seine Aufgabe gut, teils sogar mit Bravour gelöst zu haben. Außerdem könnte er von sich sagen, dass in seinen Jahren die CDU in Baden-Württemberg nach dem Späth zuzurechnenden schlechten Start bei jeder Landtagswahl nur hinzugewonnen hat. Heute ist sie in der Opposition.
Tag für Tag fuhr er mit der Bahn in die Villa Reitzenstein
Aber Teufel würde so etwas von sich nicht sagen. Er ist bescheiden. Wer seine Lebensführung kennt, weiß das. Tag für Tag fuhr er als Ministerpräsident morgens mit der Bahn zur Arbeit, von Spaichingen nach Stuttgart. Unterwegs stieg die Sekretärin zu – „Fräulein Troje“, schwäbisch klingt das wie „Freund Treue“ – und dann wurde erst einmal die Post erledigt, im Zugabteil. Abends fuhr Teufel zurück nach Hause. Wenn er ausnahmsweise mal in Stuttgart nächtigen musste, wählte er dafür nicht die Villa Reitzenstein, sondern ein Zimmerchen im Schwesternwohnheim.
Und fleißig ist der Mann! „Wisset se, I bin schier unbegrenzt belaschtbar – wenn I eins nach dem andern mach.“ Viele Jahre lang hatte jeder Tag für ihn 18 Arbeitsstunden, ungelogen. Ein Handy hat er bis heute nicht. „Man kann ein Land nicht vom Autotelefon regieren“ – auch so einer seiner Sätze. Wer früher einen Termin bei ihm wollte, musste oft länger warten als beim Bundeskanzler, aber nur, weil Teufel sich für jeden Besucher eine Stunde Zeit nahm. Schließlich, sagt er, habe er den Leuten ja erst einmal zuhören müssen. Und das tut er noch heute, landauf, landab. Er kommt ja selbst von unten, ein Bauernkind, eines von acht. Wenn er von „einfachen Leuten“ spricht, von „Bodenhaftung“, vom inneren „Kompass“, drischt er kein leeres Stroh.
18-Stunden-Tag???
Georg Müller (muellergeorg)
- 06.08.2011, 20:15 Uhr
Ich mochte ihn sehr...
Jürgen Riemenschneider (Theriemie)
- 05.08.2011, 20:31 Uhr
... aber er kennt nur Mittelstand und verkennt darüber viele Probleme
Fritz Garbor (Staffelberg2)
- 04.08.2011, 23:41 Uhr
Herr Teufel und er selbst
Emil Andabak (Emil.Andabak)
- 04.08.2011, 13:17 Uhr
Die schwäbische Hausfrau
Jürgen Wenz (satyrffm)
- 04.08.2011, 11:26 Uhr
Volker Zastrow Jahrgang 1958, verantwortlicher Redakteur für Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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