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Im Gespräch: Julian Nida-Rümelin „Wir sollten den Akademisierungswahn stoppen“

 ·  Julian Nida-Rümelin, Philosoph mit SPD-Parteibuch, spricht über fehlenden Respekt vor Azubis, schwache Studenten und die gescheiterte Studienreform.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (55)
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Richard Kasulke

Warum Bewährtes verändern?

Ein Alter spricht! Dieses permanente Herumfummeln, den Frischlingen etwas Gutes zu tun, um ihre Leistungsfähigkeit noch mehr zu fördern und zu steigern, ist absurd.Eine hochentwickelte Industrie verlangt permanent nach Fachspezialisten, aber nicht nach Halbfertigprodukten, welche die Industrie, vor dem Einsatz, erst ausbilden besser nachbilden muss. Genauso ist es unsinnig imKern anzunehemn, erst mal anzufangen mit dem Studium, um dann festzustellen, ob es einem Freude, Spass, Selbstausgleich, Wohlempfinden und anderen Scheiss bereitet und macht.
Mindestens 90% aller Frischlinge wären fähig alle Berufszweige zu besetzten. Derr Wille muss vorhanden sein, sonst nichts! Zigtausende Ausbildungplätze stehe heute zur Verfügung! Wahnsinn! 1954 war ich 14. Mit 17 Facharbeiter. Mit 19 Hochfrequenztechniker. Mit 21 Handwerksmeister. mit 26 Ing.grad. Nachdiplomierung. in Dipl.Ing.FH. Hobbyphysiker. Englisch
und Russisch. Ich startete als Halbweise ohne Vater und ging 7 Jahre zur Volksschule.

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Hans henseler

Frau Ammermann, Wissenschaft um ihrer selbst willen kann und soll verwirklicht werden

durch hochtalentierte und hochmotivierte Menschen. Gausse gibt es weniger als 1 in einer Million.
Diese Ausnahmetalente zu finden und zu foerdern ist sehr wichtig. Aber mit der grossen Masse,
Leute wie ich (und vielleicht wie sie) hat das nichts zu tun. Wir benoetigen Leute, die uns
Wurst verkaufen, unsere Autos reparieren, in der Kita unsere Kleinen betreuen. Akademisierung
fuer alle fuehrt in ein Akademikerproletariat und Frust bei den allermeisten.

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Katharina Ammermann

Wissenschaft um ihrer selbst willen - Mathematik

Gerade die Mathematik ist eine enge Verwandte der Philosophie. Schon Gauss bedankte sich bei seinem Landesherren für seine großzügige Unterstützung der Mathematik um ihrer selbst willen, wie er sie erfahren hatte.

Gauss kam aus einem sehr realistischen Handwerkerhaushalt. Sein Vater hatte sehr wenig Sinn für die Begabung seines Sohnes, die er erst akzeptierte, als der Landesherr seinen Sohn finanziell unterstütze.

Es kommt einfach darauf an in und an der Massenuniversität Freiräume zu schaffen in denen Wissenschaft um ihrer selbst willen stattfinden kann.

Dazu sollte man Konzepte entwickeln.

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Stefan Gruner

Als "Philosoph"...

Als der "Philosoph", als welcher sich Herr Nida-Rümelin bezeichnet hat, haette er vielleicht mal einen Hinweis auf das Buch "La Rebelion de la Masas" seines Philosophenkollegen Ortega y Gasset geben koennen. Was heutzutage massenweise in die Universitaeten kommt, sind eben genau diese Massenmenschen, und die Tatsache dass ihnen dieser Durchbruch gelungen ist, ist Teil jenes Aufstandes von welchem Ortega y Gasset gesprochen hat. Ich sehe es immer wieder ganz deutlich an der Attituede von ganz vielen meiner Informatikstudenten mit ihrem Hass auf die Mathematik: Sie betrachten die Universitaet als eine Art von Handwerkerwerkstatt, wo sie "praktisch" Computerprogrammieren lernen wollen, und sonst nichts. Dass Informatik eine Wissenschaft ist, die sich --aehnlich wie die Physik-- in der Sprache der Mathematik artikuliert: dafuer haben die meisten Studenten gar keinen Sinn. Und die bunten Werbebroschueren der Universitaet tun das ihrige, um die Studenten in ihrer Haltung zu bestaerken.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 02.09.2013 13:14 Uhr
Katharina Ammermann

Es geht darum Ræume/Nischen zu schaffen

in denen Studierende, die nicht die Mathematik hassen, sondern sie als eine Sprache verstehen, Informatik als Wissenschaft praktizieren können.

Das geht aber nur, wenn man akseptiert, dass viele Studenten eben auch vor allem "Handwerker" sein möchten, weil sie bestrebt sind, mit ihren Kenntnissen ihren Lebensunterhalt auf dem freien Markt zu erwerben.

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Svenja Sirisee
Svenja Sirisee (Sirisee) - 02.09.2013 00:11 Uhr

... Niemand war es, Niemand ist verantwortlich, Keiner muss nicht gehen ...

... so ist das. Niemand und Keiner haben das alles gemacht und alles mit guten Absichten und Nie-Da stand dabei und betrachtete die Flipcharts.

Wer glaubt, dass irgendjemand von der ganzen Truppe einmal bekennt: Ich war es. Ich habe diesen Unsinn gemacht und ich werde mein dadurch ergaunertes Geld einem gutem Zweck stiften und Konsequenzen ziehen, der sieht sich vielleicht enttäuscht. Ich habe das nie geglaubt.

Denn es waren Niemand und Keiner und man weiss nicht, wo sie wohnen. Sogar Herr Füller ist völlig durcheinander und aus der Spur. Keine Perspektive, nirgends.

Nie-Da betrachtet derweil die Sterne und schreibt ein neues Buch, oder kauft sich einen neuen Anzug und philosophiert. Ich werde seine Bücher genauso wenig kaufen, wie ich Herrn Bofinger glaube oder Gerold Becker oder Hartmut von Hentig.

RICHTIGE Philosophen, wie Epiktet, haben dazu alles gesagt.

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Hartmut Jacques

Nida-Rümelins Erkenntnisse treffen ins Schwarze.

Hinzuzufügen wäre aber dann doch noch, dass die Grundprobleme bereits in den Schulen gelegt werden.
Man hat die Schulen mit allen möglichen Fächern überfrachtet. Eine fundierte Ausbildung findet nicht statt.
Das größte Hemmnis sind die Eltern, die sich um ihre Kinder nur sehr wenig kümmern. Mit wenig kümmern ist gemeint, man hält sie nicht zum Lernen an. Vielmehr geht es eher darum, die ach so lieben Kleinen vor der "Willkür" der Lehrer zu schützen, was diese Kleinen natürlich extrem schnell begreifen und nutzen.
An den Unis wird das dann sichtbar. Es mangelt an allen Ecken und Enden an voauszusetzendem Wissen.
Selbstverständlich kann man das nicht pauschalieren, aber diese Mängel sind immer sichtbarer, woraus sich dann auch die Abbrecherquote erklärt.
Die Uni verkommt damit zu einem eher weiteren Schulbetrieb.

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Ali Muhamedani

Ein Wischiwaschi Interview

wo bleiben die konkreten Lösungsvorschläge, Herr Nida-Rümelin? Ein Apell an die Studenten, das Studienfach zu wechseln, weil es vielleicht im ersten Semester nicht auf Anhieb klappt, ist doch keine Lösung. Die Umstellung von Schule nach Hochschule ist eine studienfachübergreifende Hürde, die alle "Erstis" nehmen müssen. Demnach müssten die meisten schon nach dem ersten Semester ihr Studium abbrechen.

Ihr Forderung nach mehr Wertschätzung für Ausbildungsberufe kann ich nachvollziehen. Was ist eine mögliche Lösung? Wieso überhaupt das schlechte Ansehen? Als Politiker sollten Sie uns darauf antworten können. Ansonsten sollten Sie selbst beherzigen, was Sie Studenten "harter" Fächer nahelegen.

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Jürgen Saibic
Jürgen Saibic (Saibic) - 01.09.2013 22:13 Uhr

Verhängnisvolle Allianz

Die Veränderungen im Bildungssystem sind das Ergebnis einer verhängnisvollen Allianz von OECD, Pearson und McKinsey!

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Christoph Rohde

Weniger "Sozialwissenschaft"

In der Tat: Wir brauchen weniger "Sozialwissenschaftler" und mehr Praktiker aus der dualen Ausbildung!

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Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 02.09.2013 15:02 Uhr
Hans Winter
Hans Winter (Tell590) - 02.09.2013 15:02 Uhr

@ T.Böhm - Vesperholen und Hofkehren - fällt dem "Azubi" ein Stein aus seiner Krone?

"Lehrjahre sind keine Herrenjahre" - wohl nie gehört, und wenn, als "menschenunwürdig" beurteilt? Schon dieses lächerlich-blöde Wortgebilde "Azubi" verrät, wes Geistes Kinder hier am Werk sind (aus der gleichen "Schule" stammt wohl der "Gröfaz"). Ich bleibe bei "Lehrling", das ist edler. Soll einer es wagen, mich zu verklagen, damit der Quatsch dieser geschraubten Kunstwörter endlich mal öffentlich diskutiert wird.

Vesperholen und Hofkehren sind kein Hinweis auf die Qualität der Ausbildung. Die kann dennoch sehr gut sein. Und wenn sie es nicht ist, bringt es auch nichts, sich über diese Nebensächlichkeiten aufzuregen, denn was nützt die Einhaltung von Verhaltensregeln, wenn die "Ausbildung" nur Mist ist?

Wenn schon, sollten sich Lehrlinge über mangelhafte Ausbildung aufregen, nicht über "Vesperholen". Es ist auffällig, daß allerorts immer mehr über Äußerlichkeiten und Nebensächlichkeiten diskutiert wird, während die wichtigen, zentralen Anliegen kaum beachtet werden.

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Thomas Böhm

Mehr Praktiker?

Bestimmen Sie das was junge Leute machen sollen, haben Sie dazu das Recht?

Wenn viele Handwerksbetriebe immer noch so grottenschlecht ausbilden würden, würden auch mehr eine Lehre machen. Aber Vesperholen und Hofkehren ist nicht so prickelnd!
Es gibt nicht nur eine tolle duale Ausbildung , sondern tlw. auch eine saumiserable.

Discounter lassen z.B. Azubis gerne stundenlang an der Scanner-Kasse sitzen oder Regale einräumen. Von der vorgeschriebenen mündlichen Unterweisung keine Spur, weil der selbst ungelernt ist.

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Ralph Burgwald

Bachelor nach 3 Jahren Regel in GB

es ist also nicht wie von Herrn Nida Rümeling behauptet, in keinem anderen Land so, dass der erste Abschluss nach drei Jahren erreicht wird. Dies gilt übrigens auch für die Elite Universitäten wie Cambridge. Es wäre mir neu, wenn man dort mit solch einem Abschluss nichts anfangen könnte.

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Christiane Wolf

Das ist die Angst vor der Masse der

Bachelor-Studenten, die verstehen wie schwachsinnig Halbbildung ist und trotzdem besser gebildet sind wie die heutigen Politiker und diese deshalb so schnell verdrängen werden.
Ein weiterer Generationenkonflikt.

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Rüdiger Kern
Rüdiger Kern (rukern) - 01.09.2013 20:53 Uhr

Fatale Einstellung

"Einige, die nach einem Semester erkennen, es reicht nicht in Mathe, sollten die Ingenieursfächer oder etwa Physik wieder verlassen". Fatal. Diese Einstellung ist Mainstream in Deutschland und von Schülern und Studenten längst verinnerlicht. Hierzulande sind allzu viele überzeugt davon, dass man für das Studium naturwissenschaftlicher Fächer eine besondere Begabung mitbringen müsse. Man trägt die Nerd-Brille, aber ein Nerd möchte man dann doch nicht sein. Unwissen in Mathematik und Physik zu zeigen ist vielen "Bildungsbürgern" nicht etwa peinlich, vielmehr wird allenthalben offen damit kokettiert.

In asiatischen Ländern ist man der Überzeugung, dass die eigene Anstrengung für den Lernerfolg entscheidend ist. Keine Naturbegabten, sondern der intensive Drang nach Wissen hat diese Länder groß gemacht. Wir hingegen legen unseren Studenten nah, bei ersten Widerständen in NaWi Fächern die Brocken wieder hinzuschmeißen. Wir entmutigen, statt zu unterstützen. Verantwortungslos und schade.

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Antworten (3) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 02.09.2013 15:24 Uhr
Hans Winter
Hans Winter (Tell590) - 02.09.2013 15:24 Uhr

Herr Kothe, auch als Dipl.-Ing. werden Sie nicht reich

Jeder halbwegs clevere Zuhälter verdient mehr, auch die meisten Bankster. Wenn einer auf Arzt oder Ingenieur studiert, nur weil er "reich" werden will, hat er seinen Beruf verfehlt. Die Patienten eines solchen Arztes können einem nur leid tun, und Ingenieure, die reich werden wollen sind dann jene, die uns solche Idiotien wie eine Energiewende mit Windrädern einreden wollen, weil ihnen schlicht der INGENIEURSGEIST fehlt, etwas Sinnvolles auf die Beine zu stellen. Sie wollen nur absahnen, was dann so "Projekte" wie das nun endlich gestorbene Desertec hervorbringt. Ja, da wurden viele Ingenieure reich - auf Kosten der Steuerzahler.

Nein, weder brauchen noch wollen wir Akademiker, die "reich" werden wollen. Wir brauchen solche, die LÖSUNGEN erarbeiten. Wenn das zu überdurchschnittlichen Einkünften führt, wunderbar! Aber anders herum ist es nur verachtenswert.

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Dr. Wolfgang Klein

@Rüdiger Kern - Da gebe ich Ihnen vollkommen Recht ...

... und diese Einstellung in Deutschland, besonders gemessen an der Leistungsbereitschaft der Asiaten, wird der Hauptgrund für den absehbaren Niedergang der deutschen und der europäischen Wirtschaft insgesamt in der Zukunft sein. Hoffentlich kommt er nicht allzuschnell, damit ich noch was von meiner Rente habe.

Nach dem gerade zu Ende gegangenen Fernseh"duell" frage ich mich schon, in was für einer Traumwelt die Deutschen leben, wenn dieses zentrale Problem noch nicht einmal ansatzweise thematisiert wird.

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Steffen Kothe

Eben Genau diese Einstellung

Ich studiere zur Zeit auch Informationstechnik und bin angehender Diplom Ingenieur. Ich persönlich habe das Verständiss für Naturwissenschaftliche Fächer und habe trotzdem eher nur ein durschnittliches Abitur abgelegt.
Für das Studium gibt es aber andere Massregeln. Aus meiner Erfahrung heraus, ist unabhängig von der Begabung jeder in der Lage Mathematik, Physik, Chemie und so weiter zu verstehen.
Es geht dabei weniger um die "Begabung", sondern viel mehr um den Willen, den Fleiß und die Motivation zum Beruf. Wenn man jetzt jeden Studenten als akadämischen Vollpfosten zur Dekoration von Arbeitsplätzen bestellt, dann sollte sich die SPD so schnell wie möglich bei den Hochschulen einschreiben.
Viel mehr wird auch vergessen um was es hier geht. Warum soll ich mich als Abiturient für einen Beruf entscheiden, der mir bei evtl abgeschlossener Ausbildung bedeutend weniger einbringt als ein Job der aus Naturwissenschaftlichen Studienfächern hervorgeht.
Mit Handwerk wird man nicht reich

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Günter Weller

Akademisierungswahn?

Solange die kleinen "Akademiker" locker das doppelte Gehalt bekommen wie die sogenannten "Facharbeiter" ist er Akademisierungswahn nicht zu stoppen, es sei denn für die Gymnasien wird wieder ein "NC" eingeführt!

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Renate Utzschmid

Richtig Analyse und falsche Polemik

Mir erscheint die Analyse von Herrn Nida-Rümelin richtig vor. Es zeigt klar auf, dass die bisherigen Ansätze - unbedingt mehr Studenten oder unbedingt weniger Studenten - zu einseitig und unausgewogenen sind.
Ich finde insbesondere das Argument überzeugend, dass Deutschland gerade auch deswegen vergleichsweise gut dasteht, weil es Facharbeiter hat.

Enttäuschend wie immer die Reaktionen der Foristen, angefangen von der kindischen Frage "Was kann ein Philosoph schon und wofür braucht man ihn." Das bestâtigt die These von Herrn Nida-Rümelin, dass es mit der Grundbildung vieler Leute nicht weit her ist. Man kann ja der Meinung sein, dass es Philosophen nicht braucht, aber eine logische, sachliche Argumentation wäre gut.

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Nadie Nessuno

Auslese

Schon vor etlichen Jahren durchliefen in Frankreich offenbar nur diejenigen eine universitäre Ingenieursausbildung, die es nicht an eine der Grandes Ecoles d’ Ingénieurs geschafft hatten.
In Italien mussten (und müssen wahrscheinlich noch) Bewerber auf gute Positionen an einem Concorso teilnehmen. Wer studiert hatte - egal was – bekam einen Startbonus für diese Prüfungen. Dottore scheint in Italien ein recht häufiger Titel zu sein.
Wenn die Unis fast jeden aufnehmen müssen, damit Deutschland auch so viele Studenten vorweisen kann wie diese Länder, findet die Auslese eben woanders statt.
So lange deutsche Fernsehsendungen erbarmungslos synchronisiert werden, haben Bewohner der untertitelnden kleineren Länder im Umkreis übrigens weiter Startvorteile. Wenn der deutsche Sprachunterricht immer noch vorwiegend für die Schüleraufbewahrung genutzt wird, können viele Deutsche auch nach mindestens 5 Jahren Unterricht nicht englisch.

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Horst Henn
Horst Henn (glufa) - 01.09.2013 18:40 Uhr

Was qualifiziert eigentlich einen Philosophen?

Aus dem Artikel kann amn erkennen, dass Herr Nida-rümelin weder in der "alten" Arbeitswelt mit ordentlichen Arbeitern und Handwerkern noch in der neuen "Wissensgesellschaft" jemals produktiv tätig war. Sehr wahrscheinlich liegen sowohl die Bewahrer der alten Strukturen als auch die Befürworter des "American Way of Life" in die Welt der Zertifikate ("N.N. wurde erfolgreich gegen Pocken geimpft - Zitat aus Clever und Smart) nicht richtig. Nachdenken sollten wir über die Veränderung der Arbeitswelt und die Bedeutung der Eliten im weltweiten Wettbewerb - auf die kommt es nämlich bei Apple, BMW, Google und auch unseren mittelständischen Firmen in Zukunft an.

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Helge  Peters
Helge Peters (Petobel) - 01.09.2013 18:37 Uhr

Technik und Naturwissenschaften

Recht hat der Mann insofern, dass es ohne eine gewisse mathematische Begabung nicht geht; ein C.F. Gauß muß es aber keinesfalls sein.
Der Anteil der Ingenieure (und Naturwissenschaftlern) am Gesamten ist in D viel zu gering. Die Technischen Fachhochschulen setzten früher einen praktischen Ausbildungsabschluss (Lehre oder 2jähriges Fachpraktikum) vor Studienaufnahme zwingend voraus. Doch diese sehr sinnvolle Forderung wurde zunehmend verwässert. Überdies streben die FH-Professoren das Promotionsrecht an, was eine weitere Vertheoretisierung nach sich zieht. Damit versiegt allmählich eine herausragende Quelle an praxisorientierten Ingenieuren mit ausreichender und ausgewogener theoretischer Basis, von denen D bis in die 1980er Jahre enorm profitierte. An den THs und TUs kann man sich an den "harten" Ingenieurfächern aber inzwischen angesichts des breiten Fächerangeborts auch mehr und mehr vorbeimogeln. Das deutsche technische brain-reservoir ist somit längerfristig am Versiegen.

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Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 02.09.2013 09:23 Uhr
c. mar
c. mar (c.mar) - 02.09.2013 09:23 Uhr

Lächerliche Anforderungen?

Sie kommen mit einem Dr. med um die Ecke und sind ernsthaft der Ansicht, dass Promotionen in den Geisteswissenschaften lächerliche Anforderungen haben? Also wirklich, der Dr. med ist ein in der Regel Witz gegenüber alle anderen akademischen Titeln. Die Inflation akademischer Grade geht vor allem in der freien Wirtschaft von statten. Das den Geisteswissenschaftlern anhängen zu wollen, ist ein Witz. Reden Sie mal mit Ihrem Hausarzt oder Anwalt.

FH-Promotionen sollen die Fachhochschulen praktisch emanzipieren von den Universitäten. Ein gewichtiger Grund ist, dass FHs aktuell gar nicht in der Lage sind, sich ihre eigenen Lehrkräfte auszubilden. Außerdem gelten neue Anforderungen an FHs, sich mehr mit Forschung zu beschäftigen, wodurch die Grenzen zwischen Uni/FH weiter aufweichen. Da steckt dann auch das eigentliche Problem. Wenn alle diie gleichen Aufträge haben, müssen auch alle die gleichen Rechte haben, weil die Unterscheidung Uni/FH dann nur noch auf dem Papier besteht.

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Dr. Wolfgang Klein

@Helge Peters - Von einem Ingenieur eines DAX-Unternehmens ...

... habe ich vor einiger Zeit die Meinung vernommen, dass Schüler keine Integralrechnung mehr lernen müssten, weil man heute schon mit besseren Taschenrechnern integrieren kann (ahem!).

Das Thema mit dem Promotionsrecht habe ich jüngst mit Kollegen (darunter eine FH-Mathematikprofessorin) diskutiert. Hier scheint es eher darum zu gehen, sehr speziell begabten FH-Studenten eine Promotion zu ermöglichen. Gedacht ist beispielsweise an Studenten, die hervorragende Software für medizintechnische Geräte entwickeln, denen aber der allgemeine theoretische Hintergrund in Mathematik/Informatik fehlt. Diese könnten dann beispielsweise einen Dr. med. erhalten, weil an diesen sowieso geringere Anforderungen als an einen MINT-Dr. gestellt werden.

Für meinen Geschmack wird das aber wie bei den lächerlichen Anforderungen an eine Promotion in Geistes- und Verwaltungswissenschaften zu einer weiteren Inflationierung und Entwertung akademischer Titel führen.

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Philipp Graf Gudenus

Lies Doktorenwahn,

in Frankreich: kein onsieur le Docteur! Spricht an von einem Docteur, so stets ein Arzt, dder zum Beispiel Hühneraugen eingreift!

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Siegfried Müller

Akademisierungswahn

Ein Philosoph der gegen die Bildung polemisiert, das verwundert schon.
Bildung kann ein Mensch, ein Staat nicht genug akkumulieren.
Wo erlangt man sie? In Schulen, mit dem Nachweis der Studienreife und letztlich auf den hohen Schulen, den Akademien.
Anstatt seinen Unsinn zu popularisieren, sollte er, ein Philosoph, dafür mit Sorge tragen für ein anspruchsvolles Abitur, und einen ebenso anspruchsvollen Studiengang und-abschluss. Die Zahl der Abiturienten und schwachen Studenten und solchen mit untauglichen Abschlüssen, vermindert sich. Es stehen ausreichend Schulabgänger als Azubis bereit. Und ach, welch ein Wunder, das Niveau im Staate steigt. Nein, nein, die Zeiten müssen vorbei sein, in denen man herrschte der Art: "Da nahm der Minister den Bischof beim Arm: Halt du sie dumm, ich halt sie arm."

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 01.09.2013 18:48 Uhr
Harald Berger
Harald Berger (Hercule) - 01.09.2013 18:48 Uhr

Ein anspruchsvolles Abitur und Studienabschlüsse

mit gutem Niveau lassen sich nunmal nicht mit steigenden Zahlen vereinbaren. Oder sehensie einen Grund, weshalb die jungen Leute besser und begabter sein sollten als sagen wir vor 50 Jahren? (Manchmal denke ich, unsere Durchschnittsbebölkerung ist eher dümmer geworden.)
Meine Erfahrung ist, dass die Anzahl der guten Studenten sich kaum verändert hat, die steigenden Studentenzahlen sind immer dadurch zustandegekommen, dass schlechte Studenten dazugekommen sind.

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Hans Winter
Hans Winter (Tell590) - 01.09.2013 17:51 Uhr

Das Bachelor-Chaos. Wie das Abiturienten-Niveau nach "hinten" verschoben wurde

Der "Bachelor" ist in in angelsächs. und lateinam. Ländern nichts anderes als der ganz einfache "Abiturient", dort gewöhnlich 17-18 Jahre alt. Es liegt wohl am immer geringeren Ausbildungsniveau der Abiturienten, daß bei uns ein Bachelor als "akademischer Grad" (allerdings der niederste) bezeichnet wird, ganz einfach weil die Universitäten die Abiturienten erst auf ein Niveau "heben" müssen, das sie in die Lage versetzt, echten akademischen Vorlesungen problemlos zu folgen und den gestellten Anforderungen gerecht zu werden. Schlußendlich wurde als weitere Zwischenstufe der bisherige "Studienabbrecher" zum "Master" mit akademischen Ehren befördert, wenn es für den Dr. oder Dipl.-Ing. nicht reichte (finanziell oder intellektuell). Und schon haben wir mit Bachelorn und Mastern eine Akademikerschwemme, die nichtsdestotrotz nur eine mit Diplomen abgesegnete Halbbildung hat, die meist zum akademischen Prekariat wird. Als "Meister" könnten sie mehr verdienen, mit weit sicherer Karriere!

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 01.09.2013 19:03 Uhr
Dr. Wolfgang Klein

@Hans Winter - Bachelor Berufsakademie

Also weder Hochschule noch Fachhochschule - gibts mittlerweile auch schon. Es geht also noch schlimmer. Jüngst gab mir mein Chef eine Bachelor-Arbeit eines solchen, mit der Bitte ich solle doch mal prüfen, ob wir daraus etwas praxistaugliches entnehmen können. Als promovierter Mathematiker bin ich es seit 30 Jahren gewohnt, dass auf meine eigene fachliche Meinung kein Wert gelegt wird. Mathematiker geben ja immer nur für Normalmenschen (Niveau Adam Riese) unverständliches Gebrabbel von sich. Eine Brufsakademie-Bachelor-Arbeit könnte aber was Praxistaugliches enthalten. Na ja, ich hab's mir dann mal angesehen. Es war ein hirnloses Zusammengeschreibsel aus Wikipedia-Funden und gängigen Büchern, ohne Gleichungen (es ging u.a. um Statistik) und dafür falsche inhaltliche Aussagen über Statistik (welche Funktion hat der begutachtende "Professor" eigentlich dabei?).

Fachhochschulen fordern jetzt schon das Promotionsrecht. Von Forderungen der Friseure habe ich (noch) nichts gehört.

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01.09.2013, 12:47 Uhr

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