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Hassan Nasrallah Der Verteidiger aller Muslime

Hizbullah-Führer Nasrallah kämpft um seinen Ruf. Der Schmähfilm kommt ihm da gerade recht. Doch statt mit Krieg zu drohen, fordert er Gesetze, Resolutionen und Sondergipfel.

© David E. Smith Vergrößern Scheich Hassan Nasrallah

Ein neues Gesetz solle der amerikanische Kongress verabschieden, das Europäische Parlament die Beleidigung „heiliger Religionen“ unter Strafe stellen. Das forderte Hassan Nasrallah am vergangenen Sonntag. Aber damit nicht genug: Unverzüglich zu einem Sondergipfel müsse die Organisation für Islamische Zusammenarbeit zusammenkommen, die Arabische Liga Druck auf die Vereinten Nationen ausüben, um Filmen wie „Unschuld der Muslime“ rechtlich für immer einen Riegel vorzuschieben.

Papst Benedikt XVI. befand sich noch auf dem Rückflug von Beirut nach Rom, als der Generalsekretär der libanesischen Hizbullah eine neue hehre Botschaft aus der libanesischen Hauptstadt verkündete: Zur „Verteidigung des Propheten“ müssten sich die Muslime der Welt zu einer „Bewegung“ vereinen.

Gesetze, Resolutionen und Sondergipfel waren bislang nicht die Mittel, mit denen sich der vor zwanzig Jahren an die Spitze der schiitischen „Partei Gottes“ gelangte Nasrallah einen Namen gemacht hat. Israel droht er regelmäßig mit Krieg; bis heute zählt zu den Zielen seiner Parteimiliz, den Mord am einstigen Militärchef der Hizbullah, Imad Mugnijeh, im Februar 2008 in Damaskus zu vergelten.

Der Mythos der Waffenruhe

„Die Hand, die sich nach unseren Waffen ausstreckt, werden wir abhacken“, sagte Nasrallah im Mai 2008. Stunden später rückten Hizbullah-Kämpfer in sunnitische Stadtviertel Beiruts ein, um den Versuch der Regierung, das illegal betriebene Telefonnetzwerk der Organisation zu kappen, zunichtezumachen. Die Gefechte weiteten sich auf andere Gegenden des Landes aus, Dutzende Menschen wurden getötet.

Dass der 1960 in Beirut geborene Sohn eines aus dem südlibanesischen Bazurijhe stammenden Gemüsehändlers vier Jahre später auf ganz andere Mittel zu setzen scheint, hat auch mit den Vorgängen jenes Frühjahres 2008 zu tun. Damals - bei den bewaffneten Auseinandersetzungen gegen Anhänger des späteren Ministerpräsidenten Saad Hariri - starb der Mythos, dass die Hizbullah ihre Waffen niemals gegen Libanesen erheben werde, sondern nur gegen Israel.

Als „nationaler Widerstand“ gegen die israelische Besatzung hatte sich die Hizbullah in den Jahren zuvor den Respekt von Libanons Christen, Sunniten und Drusen gleichermaßen gesichert - nicht zuletzt, weil sie mit ihrem Guerrillakrieg die 1978 einmarschierten israelischen Truppen 2000 zum Rückzug aus dem Südlibanon zwang.

Wie ein Verzweiflungsschrei

Doch der Kleinkrieg gegen das vom Westen unterstützte „14. März“-Bündnis hat Nasrallah viel Kredit gekostet. Sein Versuch, sich nun an die Spitze der Bewegung gegen den Schmähfilm zu stellen, lässt sich unter anderem darauf zurückführen. Einen Tag nach Benedikts Abreise forderte er bei einer Großkundgebung im Süden Beiruts Angehörige aller Konfessionen noch einmal auf, sich gegen die Beleidigung „heiliger Religionen und der großen Propheten Gottes, Abraham, Moses, Jesus und Mohammed“, zu wehren. Und wieder erstaunte die Wahl seiner Mittel: Internationale Abkommen und nationale Gesetzen müssten regeln, wie Vergehen gegen die Würde des Propheten und den Koran künftig geahndet werden.

Ein Zeichen der Stärke freilich sind die Äußerungen Nasrallahs nicht. Sie wirken eher wie ein Verzweiflungsschrei: Anderthalb Jahre nach Beginn der Revolution gegen Syriens Präsident Baschar al Assad hat sich sein Festhalten an der Allianz mit dem alawitischen Herrscher nicht ausgezahlt. Die rhetorischen Wendungen, mit denen er den Krieg gegen die syrische Bevölkerung immer wieder rechtfertigte, haben ihn um das Ansehen gebracht, das er selbst in den Augen vieler Sunniten im Sommer 2006 erlangte: Den Krieg gegen Israel feierte der Propagandaapparat seiner Organisation als „Sieg Gottes“ - ein Sprachspiel mit dem Namen ihres Führers; „Nasr“ heißt auf Arabisch Sieg, „Allah“ Gott.

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