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Fünf Jahre nach dem Rücktritt Blairs Reichtum

 ·  Sondergesandter, Regierungsberater, Autor und Redner - fünf Jahre nach seinem Rücktritt ist Tony Blair immer noch vollbeschäftigt. Was treibt den früheren britischen Premierminister um?

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© AFP Sondergesandter, Regierungsberater, Autor und Redner: Tony Blair

Früher wurde Tony Blair für sein mediales Geschick gerühmt, zu dem auch „timing“ gehörte. Doch fünf Jahre nach seinem Rücktritt ist der frühere britische Premierminister etwas aus der Übung geraten, jedenfalls fehlt ihm das Glück. Nach einer langen Phase öffentlicher Zurückhaltung hatte Blair in der vergangenen Woche einen wahren Interview-Hagel auf die Briten niedergehen lassen - doch der ging unter in dem Gewitter, das der jüngste Skandal um die Barclays Bank hervorrief.

Dabei hatte Blair durchaus etwas zu sagen. Im Mittelpunkt seiner Presse-Offensive stand nicht die erwartete Jubiläumsbilanz seiner Amtszeit (1997 bis 2007), sondern eine aktuelle Doppelbotschaft: Seht her, alle eure Vorwürfe sind haltlos, und ja - ich habe noch immer Lust auf ein hohes politisches Amt.

Nicht alles, was man in jüngerer Zeit über Blair lesen konnte, schien eines „elder statesman“ würdig. Seine Rolle als Sondergesandter des Nahost-Quartetts wird von dem Verdacht begleitet, er nutze sie für Geschäftsinteressen. Die amerikanische Investmentbank JP Morgan, von der Blair jährlich drei Millionen Euro kassieren soll, berät unter anderem die British Gas Group, die wiederum an einem Gasfeld in Gaza interessiert ist. Auch bei den Regierungen von Kasachstan und Kuweit steht Blair als Berater auf der Gehaltsliste, ebenso bei einer Schweizer Versicherung.

Neunzig Minuten Blair für 250.000 Euro

Zusammen mit sonstigen Einkünften seiner „Tony Blair Associates“, Bucherlösen und Redner-Honoraren (neunzig Minuten Blair kosten bis zu 250.000 Euro) wird sein Jahreseinkommen auf 25 Millionen Euro geschätzt - das wäre mehr, als der nun zurückgetretene Barclays-Chef Bob Diamond, Britanniens bestbezahlter Banker, verdiente.

Die Annahme, es könne bei so vielen Verwendungen zu Interessenkonflikten kommen, weist Blair als „lächerlich“ zurück. Vorbehalte gegenüber seiner Steuermoral empören ihn ebenso; der Fiskus erhalte genau die Hälfte seiner Einnahmen, versichert er. Auch den Neidern, die seine Aufenthalte in Luxus-Suiten und den ansehnlichen Immobilienbesitz thematisieren, fährt er in die Parade: „Diese Vorstellung, ich wolle ein Milliardär mit einer Yacht sein... Ich will das nicht! Ich werde nie Teil der Superreichen sein“, beteuerte er in der Wochenendbeilage der „Financial Times“.

Blair verteidigt seine lukrative Vollbeschäftigung in einem Duktus, der an den „mitfühlenden Kapitalismus“ des „Dritten Weges“ erinnert: „Die Absicht ist nicht, Geld zu verdienen, sondern, einen Unterschied zu machen“, sagt er mit Verweis auf seine zahlreichen Wohltätigkeitsinitiativen (eine kümmert sich um Afrika, eine andere um den Religionsdialog), für die er zum Teil sogar sein privates Flugzeug einsetze.

Wehmut ob der verpassten Chance

Dennoch sinnt Blair mit Wehmut der verpassten Chance nach, Ratspräsident der Europäischen Union zu werden. Als er vor drei Jahren für das Amt im Gespräch war, hätte er mit einer Kampagne für sich und seine Europapolitik werben sollen, sagt er. „Ich hätte den Job angenommen, wenn er mir angeboten worden wäre.“ Auch über den Posten des Weltbankchefs hätte er nachgedacht. Seinen vermutlich größten Traum aber vertraute er dem „Evening Standard“ an. Auf die Frage, ob er noch einmal Premierminister werden würde, antwortete Blair: „Sicher, aber das ist nicht sehr wahrscheinlich.“

Nicht sehr wahrscheinlich ist weniger als abwegig, und zumindest der „Independent“ fühlte sich angespornt, über „Die zweite Ankunft des Tony Blair“ zu schreiben. Unter einer Datumszeile aus dem (Wahl-)Jahr 2015 vollzog die Zeitung nach, wie Blair seine spektakuläre Wiederkehr in die Downing Street gelingen konnte: Nach dem Herzinfarkt eines Labour-Abgeordneten rückt Blair ins Unterhaus nach und erdrückt Labour-Chef Ed Miliband mit seiner schieren Präsenz.

Dann führt ein gutes Wahlergebnis die Liberaldemokraten - Britanniens Königsmacher - in die Spaltung: Ein Flügel verweigert die Rückkehr in die Koalition mit den Konservativen, der andere will nicht mit Miliband zusammenarbeiten. Übrig bleibt nur der Kompromisskandidat, der schon im historischen Sommer 2012 - und das ist wieder ein verbürgter Auftritt - in der BBC daran erinnerte: „Zuallererst bin ich ein Diener des Staates.“

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Jahrgang 1965, politischer Korrespondent in London.

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