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Fritz Kuhn Fischers Fritz

Im Januar wird Fritz Kuhn eine Stadt übernehmen, die sich nach dem langen Streit über Stuttgart 21 nach einem Versöhner sehnt. Doch der „Oberrealo“ kann auch schneidend sein. Einfach nur Sieger zu sein, reicht ihm nicht.

© dpa Vergrößern Fritz Kuhn fehlt die „Saukuttel“ - also die Fähigkeit, fast alles wegzustecken

Fritz Kuhn kann schneidend sein. Als er am Sonntagabend in den großen Ratssaal des Stuttgarter Rathauses kommt, sagt er zunächst, dass er ein Bürgermeister für alle sein wolle. Dann lässt es sich der künftige Oberbürgermeister der sechstgrößten Stadt Deutschlands aber nicht nehmen, ein paar kritische Worte an die CDU zu adressieren: Die Schmähkampagne der CDU habe der Wähler nicht belohnt. Am Montagmittag wiederholt er seine Belehrungen in Richtung der Verlierer noch einmal: „Die Atmung für das moderne großstädtische Lebensgefühl ist bei der CDU verklebt.“

Rüdiger Soldt Folgen:  

Kuhn reicht es nicht, einfach nur Sieger zu sein. Ihm fehlt vielleicht die „Saukuttel“ - so nennen die Schwaben einen Menschen, der in der Lage ist, fast alles wegzustecken. Das war bislang nicht Kuhns Stärke. Aber im Alter von 57 Jahren kann man noch lernen, zumal ja das lebenslange Lernen seit dreißig Jahren zu den besseren Eigenschaften grüner Politiker gehört. Am 7. Januar wird Kuhn eine Stadt übernehmen, deren Finanzen solide sind, die sich aber nach dem fortwährenden Streit über Stuttgart 21 nach einem Versöhner sehnt und manchmal eigentlich einen Psychotherapeuten brauchte.

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Kuhns politisches Leben begann bei den Jungsozialisten. Er wuchs in Memmingen auf. Der Vater war sudetendeutscher Flüchtling, arbeitete nach dem Krieg als Zivilbeamter bei der Bundeswehr. Die Mutter stammte aus einer schwäbischen Gastwirtsfamilie. Seine Eltern erzogen ihn katholisch, er trat mit 16 Jahren aus der Kirche aus. Als junger Mann engagierte sich der drahtige, ehrgeizige und mit einem scharfen Verstand ausgestattete Kuhn bei den Jungsozialisten. Doch kurze Zeit später gehörte er zu den Mitgründern der Grünen. Kuhn störte der kernenergiefreundliche Kurs der SPD. „Wir fragten unsere Eltern nach der Verantwortung für den Nationalsozialismus, ich wollte nicht für Atomkraftwerke verantwortlich gemacht werden“, hat er kürzlich gesagt.

Als „Oberrealo“ im Landtag

Kuhn machte 1974 das Abitur und war wohl zu jung und zu rational, um sich in kommunistische Splittergruppen zu verirren. Er studierte Germanistik und Philosophie in München und Tübingen. Von 1984 bis 1988 gehörte er als „Oberrealo“ dem baden-württembergischen Landtag an und war auch Fraktionsvorsitzender. Es folgte ein Intermezzo als Linguistik-Professor. 1992 kehrte Kuhn in den Landtag zurück. Als 1996 Rezzo Schlauch für die Grünen in Stuttgart fast die Oberbürgermeisterwahl gewonnen hätte, war Kuhn dessen Berater.

Als „Fischers Fritz“ spielte er als Bundestagsabgeordneter, Bundes- und Fraktionsvorsitzender seiner Partei eine maßgebliche Rolle in Berlin. Im jetzigen Wahlkampf war Kuhn der einzige politische Profi. Mit seiner Familie hat der gute Skifahrer und Tischtennisspieler lange in der schön gelegenen einstigen Daimler-Arbeitersiedlung Luginsland gewohnt. Er ist mit der Schulbuchlektorin und Linguistin Waltraud Ulshöfer verheiratet. Für seine Frau und seine beiden Söhne stellt er das Handy am Wochenende ab. Er kocht dann für Familie und Freunde eine hervorragende Pasta mit Zitronensugo.

Quelle: F.A.Z.

 
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