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Frankreichs Generalstabschef Guillaud : Der Koordinator

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Kriegserfahren: Édouard Guillaud Bild: AFP

Admiral Édouard Guillaud leitet und koordiniert den Kampfeinsatz der französischen Streitkräfte in Mali. In der Öffentlichkeit tritt er selten auf.

          Die Franzosen kennen Édouard Guillaud nur aus dem Fernsehen, wenn er am Nationalfeiertag in einem Militärfahrzeug die Truppen am Triumphbogen abfährt. Aber vermutlich achten sie selbst da mehr auf den Präsidenten, der ihnen zuwinkt, während Admiral Guillaud neben dem Staatsoberhaupt strammsteht. Der Generalstabschef der französischen Armee überragt den Präsidenten um zwei Köpfe, hierarchisch ist er ihm, dem „Chef des armées“, jedoch untergeordnet. Für François Hollande leitet und koordiniert er den Kampfeinsatz der französischen Streitkräfte in Mali. Nur selten tritt er dabei an die Öffentlichkeit und überlässt es lieber dem Verteidigungsminister, die Erfolge (oder Fehlschläge) an der afrikanischen Front zu kommentieren.

          Guillaud hat früh gelernt, sich vor den Medien in Acht zu nehmen. Sein Vater, der Journalist Jean-Louis Guillaud, wirkte als Kommunikationsberater Präsident Pompidous und leitete den Fernsehsender TF1 und die Nachrichtenagentur AFP. Seit er als kleiner Junge ein Buch über den Freibeuter Jean Bart gelesen hat, der als Held der königlichen Marine unter Sonnenkönig Louis XIV. endete, wollte Édouard Guillaud zur Marine. Das erzählt er zumindest, wenn er auf seine Laufbahn zurückblickt.

          Kommandeur des „Charles de Gaulle“

          Nach den Lehrjahren an der École Navale sammelt er Erfahrungen in Übersee (Papeete) und Untersee (auf den U-Booten „L’Indomptable“ und „Le Redoutable“). Er ließ sich zum Informatikfachmann ausbilden, was ihm erlaubte, das Computersystem für den Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ mit auszuarbeiten.

          Als der nukleargesteuerte Flugzeugträger endlich zu Wasser gelassen wird, übernimmt Guillaud das Kommando. Als Kommandeur des „Charles de Gaulle“ muss er die Spottkampagne ertragen, die ausbricht, als der Flugzeugträger eine Pannenserie erleidet. Es kann ihm nicht gefallen, dass der „Charles de Gaulle“ jetzt für den Truppen- und Materialnachschub in Mali ausfällt, weil er in Toulon für notwendige Instandsetzungsarbeiten auf Reede liegt.

          In der Heimat seiner Vorfahren, im Contentin am Ärmelkanal, wirkte Guillaud mehrere Jahre als Marinepräfekt. 2006 holte sich Jacques Chirac ihn in den Elyséepalast als persönlichen Stabschef. Nicolas Sarkozy beförderte ihn zum Admiral und ernannte ihn im Februar 2010 zum Generalstabschef der Armee. Es ist erst das zweite Mal in der Geschichte der V. Republik, dass ein Admiral diesen Posten übertragen bekommt. Doch die Kritiker, die Guillaud mangelnde Kriegserfahrung vorhielten, sind inzwischen verstummt. Denn für Präsident Sarkozy leitete der Generalstabschef gleich zwei Kampfeinsätze, in der Elfenbeinküste und in Libyen. Die Operation „Serval“ in Mali koordiniert er von Paris aus. Es heißt, dass Hollande Guillauds reservierte, stets höfliche, aber bestimmte Art schätzt und seinem Urteil vertraut. Guillauds drei Kinder haben indes alle eine andere Karriere als die militärische gewählt.

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