http://www.faz.net/-gpf-763ux
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 28.01.2013, 15:18 Uhr

Frankreichs Generalstabschef Guillaud Der Koordinator

Admiral Édouard Guillaud leitet und koordiniert den Kampfeinsatz der französischen Streitkräfte in Mali. In der Öffentlichkeit tritt er selten auf.

© AFP Kriegserfahren: Édouard Guillaud

Die Franzosen kennen Édouard Guillaud nur aus dem Fernsehen, wenn er am Nationalfeiertag in einem Militärfahrzeug die Truppen am Triumphbogen abfährt. Aber vermutlich achten sie selbst da mehr auf den Präsidenten, der ihnen zuwinkt, während Admiral Guillaud neben dem Staatsoberhaupt strammsteht. Der Generalstabschef der französischen Armee überragt den Präsidenten um zwei Köpfe, hierarchisch ist er ihm, dem „Chef des armées“, jedoch untergeordnet. Für François Hollande leitet und koordiniert er den Kampfeinsatz der französischen Streitkräfte in Mali. Nur selten tritt er dabei an die Öffentlichkeit und überlässt es lieber dem Verteidigungsminister, die Erfolge (oder Fehlschläge) an der afrikanischen Front zu kommentieren.

Guillaud hat früh gelernt, sich vor den Medien in Acht zu nehmen. Sein Vater, der Journalist Jean-Louis Guillaud, wirkte als Kommunikationsberater Präsident Pompidous und leitete den Fernsehsender TF1 und die Nachrichtenagentur AFP. Seit er als kleiner Junge ein Buch über den Freibeuter Jean Bart gelesen hat, der als Held der königlichen Marine unter Sonnenkönig Louis XIV. endete, wollte Édouard Guillaud zur Marine. Das erzählt er zumindest, wenn er auf seine Laufbahn zurückblickt.

Kommandeur des „Charles de Gaulle“

Nach den Lehrjahren an der École Navale sammelt er Erfahrungen in Übersee (Papeete) und Untersee (auf den U-Booten „L’Indomptable“ und „Le Redoutable“). Er ließ sich zum Informatikfachmann ausbilden, was ihm erlaubte, das Computersystem für den Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ mit auszuarbeiten.

Als der nukleargesteuerte Flugzeugträger endlich zu Wasser gelassen wird, übernimmt Guillaud das Kommando. Als Kommandeur des „Charles de Gaulle“ muss er die Spottkampagne ertragen, die ausbricht, als der Flugzeugträger eine Pannenserie erleidet. Es kann ihm nicht gefallen, dass der „Charles de Gaulle“ jetzt für den Truppen- und Materialnachschub in Mali ausfällt, weil er in Toulon für notwendige Instandsetzungsarbeiten auf Reede liegt.

In der Heimat seiner Vorfahren, im Contentin am Ärmelkanal, wirkte Guillaud mehrere Jahre als Marinepräfekt. 2006 holte sich Jacques Chirac ihn in den Elyséepalast als persönlichen Stabschef. Nicolas Sarkozy beförderte ihn zum Admiral und ernannte ihn im Februar 2010 zum Generalstabschef der Armee. Es ist erst das zweite Mal in der Geschichte der V. Republik, dass ein Admiral diesen Posten übertragen bekommt. Doch die Kritiker, die Guillaud mangelnde Kriegserfahrung vorhielten, sind inzwischen verstummt. Denn für Präsident Sarkozy leitete der Generalstabschef gleich zwei Kampfeinsätze, in der Elfenbeinküste und in Libyen. Die Operation „Serval“ in Mali koordiniert er von Paris aus. Es heißt, dass Hollande Guillauds reservierte, stets höfliche, aber bestimmte Art schätzt und seinem Urteil vertraut. Guillauds drei Kinder haben indes alle eine andere Karriere als die militärische gewählt.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Anschlag in Nizza Die Hölle in der Bucht der Engel

Das Grauen kommt nicht völlig unerwartet nach Nizza, denn seit langem gilt die Stadt als Hochburg von Dschihadisten. Getan wurde bisher wenig. Und die Rituale der Regierung für die Zeit danach sind auch schon einstudiert. Mehr Von Michaela Wiegel, Paris

15.07.2016, 18:48 Uhr | Politik
Paris Frankreich feiert sich selbst am Nationalfeiertag

Der französische Präsident und zahlreiche Gäste sahen dabei zu, wie rund 3000 Soldatinnen und Soldaten der französischen Streitkräfte den Champs-Élysées im Herzen Paris heruntermarschierten. Mehr

14.07.2016, 19:44 Uhr | Gesellschaft
Anschlag in Nizza Offenbar mindestens drei Deutsche unter den Opfern

Am französischen Nationalfeiertag ist in Nizza ein Lastwagen in eine Menschenmenge gerast. Mindestens 84 Menschen wurden dabei getötet. Der mutmaßliche Täter soll Franzose mit tunesischen Wurzeln sein. Mehr

15.07.2016, 13:24 Uhr | Politik
Terror in Nizza Ausnahmezustand und Staatstrauer in Frankreich

Nach dem schweren Anschlag zum Nationalfeiertag soll in Frankreich der Ausnahmezustand um weitere drei Monate verlängert werden. Präsident François Hollande will den Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat in Syrien und im Irak verstärken, obwohl sich der IS zunächst nicht zu dem Blutbad von Nizza mit mindestens 84 Toten bekannte. Mehr

15.07.2016, 18:07 Uhr | Politik
Türkei Warum der Putsch scheiterte

Die türkische Geschichte ist reich an erfolgreichen Coups der Armee. Diesmal machten die Putschisten aber eine Menge Fehler. Deshalb konnte ihr Versuch nur scheitern. Mehr Von Rainer Hermann

16.07.2016, 18:13 Uhr | Politik