Home
http://www.faz.net/-gpf-723rk
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Ekmeleddin Ihsanoglu Globaler Akteur

Die Organisation Islamische Konferenz (OIC) hat Syrien aus ihren Reihen suspendiert. Der weltgewandte Generalsekretär Ihsanoglu hat aus der OIC, die 57 Staaten vertritt, einen globalen Akteur der muslimischen Welt gemacht.

© AFP Ekmeleddin Ihsanoglu, Generalsekretär der „Organisation für islamische Zusammenarbeit“ (OIC)

Zu einem außerordentlichen Gipfeltreffen hat der Generalsekretär der „Organisation für islamische Zusammenarbeit“ (OIC) nach Mekka eingeladen. Von den 57 Mitgliedstaaten fehlt aber einer: Syrien. Vor neun Monaten hatte die Arabische Liga Syriens Mitgliedschaft suspendiert; nun folgt der (nach den Vereinten Nationen) zweitgrößte Zusammenschluss von Staaten. Der vertritt 1,5 Milliarden Muslime und will Syrien nicht mehr in seinen Reihen haben.

Mehr zum Thema

Rainer Hermann Folgen:

Die OIC ist keine religiöse Organisation, sondern ein politischer Zusammenschluss der Staaten mit überwiegend muslimischer Bevölkerung. Er war 1969 gegründet worden, hatte aber lange ein Schattendasein geführt. Erst Ihsanoglu machte aus ihm einen globalen Akteur aus der muslimischen Welt. Seine Vorgänger als Generalsekretäre kamen aus Niger, Senegal, Pakistan und Malaysia, Tunesien und Marokko. Sie waren ernannt worden und blass geblieben.

Im Juni 2004 setzte sich der Türke Ihsanoglu in der ersten Wahl eines Generalsekretärs durch. Er sollte sich als ein Glücksgriff für die OIC erweisen. Denn dem 1943 in Kairo Geborenen sind die arabische Welt und die Türkei gleichermaßen vertraut, als Wissenschaftler hatte er sich mit der Geschichte der Wissenschaften in der islamischen Welt beschäftigt, leicht bewegt er sich zwischen den Kulturen hin und her.

Chemiker und Wissenschaftshistoriker

Zunächst hat der osmanische Gentleman in Kairo Chemie studiert, 1970 siedelte er in die Türkei über, wo er an der Universität Ankara mit einer Arbeit über organische Chemie promoviert wurde. Dann forschte er an der Universität Exeter. Nach der Rückkehr in die Türkei tauchte er immer tiefer in die Erforschung der Wissenschaftsgeschichte in der islamischen Welt ein. 1980 berief ihn die „Organisation der islamischen Konferenz“, wie die OIC damals noch hieß, als Direktor an das in Istanbul gegründete „Forschungszentrum für islamische Geschichte, Kunst und Kultur“ (Ircica). Seine Forschungen wurden mit 16 Ehrendoktoraten aus der islamischen Welt, Europa und Nordamerika belohnt.

Von 2005 an baute der weltgewandte und vielsprachige Chemiker und Wissenschaftshistoriker die OIC zu einer aktiven und modernen Institution aus. Er ließ einen Hinweis auf die Menschenrechte in die Charta aufnehmen, ein auf zehn Jahre angelegtes Aktionsprogramm zielt auf die Förderung des Dialogs zwischen den Kulturen und die Bekämpfung des Terrorismus. Sein Wirtschaftsprogramm setzt sich zum Ziel, dass die Mitgliedstaaten 20 Prozent ihres Handels untereinander abwickeln.

Ihsanoglu und Ban Ki-moon © AFP Vergrößern Echte Wertschätzung: Ekmeleddin Ihsanoglu und UN-Generalsekretär Ban Ki-moon Anfang Juni in Saudi-Arabien

Zudem gibt es keinen Konflikt in der islamischen Welt, in den er seit 2005 nicht als stiller Vermittler eingegriffen hätte. Um das Profil der OIC zu schärfen, hat er deren Namen im vergangenen Jahr in „Organisation für islamische Zusammenarbeit“ umbenennen lassen.

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki-moon, schätzt die OIC als „strategischen und entscheidenden Partner der Vereinten Nationen“. Denn sie spiele bei der Lösung vieler Probleme eine bedeutende Rolle.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Islamischer Staat Ein Kalifat des Krieges

Vor einem Jahr zeigte sich des Anführer des Islamischen Staats erstmals in der Öffentlichkeit. Inzwischen herrscht er über ein Gebiet, das größer ist als Großbritannien. Und er gewinnt weiter an Stärke. Mehr Von Rainer Hermann

04.07.2015, 11:35 Uhr | Politik
Kampf gegen IS Türkei holt Soldaten von Syrien zurück

Die Türkei hat mit Militärfahrzeugen Dutzende ihrer eigenen Soldaten von Syrien in ihr Heimatland zurückgebracht. Bei dem Einsatz habe es keine Zusammenstöße mit der Extremistenmiliz Islamischer Staat gegeben. Mehr

22.02.2015, 14:07 Uhr | Politik
Terror im Alleingang Das Muster des IS

Ein einzelner Mann, eine Waffe und der Wille zum Töten Ungläubiger: Mehr braucht es nicht, um Schrecken zu verbreiten und den Terror des Islamischen Staats allein fortzuführen. Auch die jüngsten Anschläge demonstrieren: Der IS wird zum terroristischen Massenphänomen. Mehr Von Markus Wehner

27.06.2015, 22:26 Uhr | Politik
UN-Generalsekretär Ban Ki-moon Flüchtlingslager Jarmuk gleicht Todeslager

Ban Ki-moon hat mit Blick auf die Lage im von der radikalislamistischen Miliz Islamischer Staat (IS) eingenommenen Flüchtlingscamp Jarmuk in Syrien an die internationale Gemeinschaft appelliert. Wir dürfen nicht einfach danebenstehen und zusehen, wie sich ein Massaker entfaltet", sagte der UN-Generalsekretär am Donnerstag. Mehr

10.04.2015, 10:55 Uhr | Politik
IS-Terroranschläge Verfassungsschutz sieht Verbindungen zwischen Lyon und Sousse

Verfassungsschutz-Chef Maaßen sieht einen klaren Zusammenhang zwischen den jüngsten Terroranschlägen in Tunesien und Frankreich. Die Regierung in Tunis geht davon aus, dass der Attentäter Helfer gehabt hat. Mehr

29.06.2015, 10:27 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 14.08.2012, 14:22 Uhr

Abitur ohne Wert

Von Heike Schmoll

Die Kultusminister müssen handeln: Es gibt keine Vergleichbarkeit bei der Hochschulreife. Mehr 19 39