http://www.faz.net/-gpf-7qhrs

Thomas Geisel : Der Radschläger

Glückwunsch von der Ministerpräsidentin: Hannelore Kraft umarmt Thomas Geisel (beide SPD) Bild: dpa

Als Thomas Geisel sich entschloss, für die SPD bei der Oberbürgermeisterwahl in Düsseldorf anzutreten, galt er selbst Parteifreunden als Zählkandidat. Geisel ließ sich davon nicht beirren und gewann auf seine Art die Herzen der Rheinländer.

          Als Thomas Geisel sich entschloss, für die SPD bei der Oberbürgermeisterwahl in Düsseldorf anzutreten, galt er selbst Parteifreunden als Zählkandidat. Seit 1999 hatten die Sozialdemokraten in Düsseldorf keine Chance mehr. Joachim Erwin (CDU), der ruhelose Erneuerer und Sanierer, entwickelte sich rasch zum unbezwingbaren Gegner. Nach dessen Tod im Jahr 2008 triumphierte dann Dirk Elbers (CDU) mit beinahe 60 Prozent. Der am 26. Oktober 1963 in der württembergischen Kleinstadt Ellwangen geborene Geisel ließ sich davon nicht beirren.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Gut ein Jahr lang tourte er durch die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt, absolvierte 2500 Termine. Einer wird Geisel besonders in Erinnerung bleiben. Es war der Jahresempfang der Karnevalsgesellschaft „KG Düsseldorfer Radschläger“. Als der Moderator auf der Bühne fragte, ob jemand ein Rad schlagen könne, kam aus dem Publikum die Antwort, Geisel, der Bodenturner und Marathonläufer ist, sei dazu in der Lage. Tatsächlich schlug Geisel dann ein sehr schönes Rad. Und weil der Radschläger das Düsseldorfer Symbol schlechthin ist, gelang es dem Schwaben Geisel ganz spielend, sich in die Herzen der Rheinländer hinein zu turnen. Im Wahlkampf konnte sich Geisel selbstbewusst auf einer Version seiner Großplakate Rad schlagend als „frische Kraft“ präsentieren, ohne dass das aufgesetzt gewirkt hätte.

          Wahlkampf mit einem Radschlag: Thomas Geisel schlug so den Konkurrenten Dirk Elbers (CDU)
          Wahlkampf mit einem Radschlag: Thomas Geisel schlug so den Konkurrenten Dirk Elbers (CDU) : Bild: dpa

          Thomas Geisel ist in einem politischen Haus aufgewachsen. Sein Vater Alfred Geisel war 24 Jahre lang Abgeordneter für die SPD im baden-württembergischen Landtag. Ein politisches Amt aber strebte Geisel junior zunächst nicht an. Er studierte Rechts- und Politikwissenschaften in Freiburg und Genf. Sein Politikstudium schloss er 1988 an der Georgetown Universität in Washington ab, seine erste juristische Staatsprüfung folgte 1990 in Freiburg. Danach ging Geisel noch einmal nach Amerika, um in Harvard Wirtschafts- und Verwaltungswissenschaften zu studieren.

          Vor seinem juristischen Referendariat war Geisel als persönlicher Referent des damaligen SPD-Bundesgeschäftsführers Karlheinz Blessing tätig. Nach der großen juristischen Staatsprüfung wurde er Referent und dann Abteilungsleiter bei der Treuhandanstalt.

          1998 entfernte sich Geisel noch weiter von der Politik, als er Manager eines amerikanischen Energieunternehmens wurde. Zuletzt war Geisel beim Unternehmen Eon für die Aushandlung langfristiger Gasbezugsverträge zuständig. Im April vor einem Jahr schied er aus dem Konzern aus und beschloss, noch einmal etwas ganz Neues zu beginnen – diesmal in der Politik.

          Wahlsieger in Düsseldorf und künftig dort Oberbürgermeister: Thomas Geisel (SPD) feiert den Erfolg mit seiner Ehefrau Vera
          Wahlsieger in Düsseldorf und künftig dort Oberbürgermeister: Thomas Geisel (SPD) feiert den Erfolg mit seiner Ehefrau Vera : Bild: dpa

          Thomas Geisel kennt das Düsseldorfer Stadtgefühl aus seinem eigenem Erleben. Er wohnt mit seinen fünf Töchtern und seiner Ehefrau Vera in einer Wohnung im Stadtteil Pempelfort. Eines seiner zentralen Versprechen im Wahlkampf war, sich um bezahlbaren Wohnraum zu kümmern. Die Verwirklichung dieses Versprechens wird schwierig werden, gerade weil Düsseldorf so erfolgreich und dynamisch ist. Rund 3000 Einwohner gewinnt die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt jedes Jahr hinzu, und die Mieten steigen unaufhörlich.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Ich war am Ende nur noch ein Wrack Video-Seite öffnen

          Video-Serie „Frankfurt & ich“ : Ich war am Ende nur noch ein Wrack

          Seit über zehn Jahren ist Thomas Adam trocken und erzählt auf Stadtführungen durch sein ehemaliges „Sauf- und Bettelgebiet“ seine Geschichte von der Straße. FAZ.NET hat Adam für die Video-Serie „Frankfurt & ich“ begleitet.

          „Die CSU hat ein Trauma“

          Erwin Huber im Gespräch : „Die CSU hat ein Trauma“

          Als Parteivorsitzender bildete Erwin Huber mit Günter Beckstein das erste CSU-Führungstandem. Im FAZ.NET-Interview verrät er, was er über das Duo Söder/Seehofer und über eine Rückkehr von Karl-Theodor zu Guttenberg denkt.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Wirklich so schlimm? Nein! Der Psychiater Christian Dogs sagt, die Deutschen sind nicht so krank, wie seine Zunft es ihnen einreden möchte.

          Psychiater Christian Dogs : „Rennt nicht sofort zum Therapeuten!“

          Wie krank sind die Deutschen? Auf jeden Fall weniger krank, als Therapeuten es ihnen einreden wollen. Ein Gespräch mit dem Psychiater Christian Dogs über das Geschäft mit der eingebildeten Depression, die tristen Ehen von Managern und die lahme Generation Y.

          Erwin Huber im Gespräch : „Die CSU hat ein Trauma“

          Als Parteivorsitzender bildete Erwin Huber mit Günter Beckstein das erste CSU-Führungstandem. Im FAZ.NET-Interview verrät er, was er über das Duo Söder/Seehofer und über eine Rückkehr von Karl-Theodor zu Guttenberg denkt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.