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Chile Protest-Ikone

 ·  Camila Vallejo führt die Proteste in Chile mit einer kühlen und überlegten Argumentation an. Sie steht für eine Jugend, die nicht nur bessere Bildungschancen fordert, sondern sich gegen den von autoritärem Gehabe bestimmten Politikbetrieb auflehnt.

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Die Revolte der chilenischen Schüler und Studenten gegen das aus der Pinochet-Diktatur stammende Bildungssystem hat ein Gesicht – und ein hübsches dazu. Die Geographiestudentin Camila Vallejo hat sich in den vergangenen Wochen mit zahllosen öffentlichen Auftritten jedoch nicht nur wegen ihres attraktiven Äußeren als Anführerin der Proteste profiliert, sondern vor allem mit ihrer kühlen und überlegten Argumentation. Beinhart, aber nie aggressiv schmettert sie Vorbehalte der Regierung ab, wonach ein Umbau des Systems zugunsten einer größeren Verantwortung des Staates große „Unsicherheiten“ mit sich bringe und den gesamten Bildungsapparat kollabieren lasse. Es gehe gar nicht um kurzfristige Verbesserungen, sondern um eine grundsätzliche Neustrukturierung auf lange Sicht, entgegnet sie.

Sie könne nicht verstehen, warum ihre Landsleute Bildung regelrecht „kaufen“ müssten, sagt Camila Vallejo, und warum in Chile Bildung eine „private Investitition“ und ein „Konsumgut“ sein soll, da doch der Staat die Aufgabe habe, für eine jedem Individuum gemäße Ausbildung zu sorgen, es sich mithin um ein „soziales Recht“ handle. Sie zielt damit auf die vorgebliche Errungenschaft des Pinochet-Regimes, das Bildungswesen durch weitgehende Privatisierung effektiver gestaltet zu haben. Das System benachteilige Kinder aus ärmeren Bevölkerungsschichten und treibe Familien, die ihren Sprösslingen eine ihren Fähigkeiten entsprechende Ausbildung angedeihen lassen wollten und sich deshalb stark verschuldeten, in den Ruin, sagt sie. Für die Betreiber sei das private Bildungssystem zwar lukrativ, doch liefere es schlechte Qualität.

Hauptforderung freier Zugang zu Bildung

Ein freier Zugang zu den Bildungseinrichtungen und das Verbot für private Schulen, Gewinne zu machen, sind denn auch die Hauptforderungen der Studenten, deren Sprachrohr Camila Antonia Amaranta Vallejo Dowling geworden ist. Sie wurde am 28. April 1988 in Santiago geboren und begann 2006 ihr Geographiestudium an der Universidad de Chile. Schon früh suchte die Tochter von Kleinstunternehmern und früheren Mitgliedern der Kommunistischen Partei Chiles Kontakt zu linksgerichteten Gruppierungen. Sie trat schließlich der Jugendorganisation der Kommunistischen Partei bei. Mit der Wahl zur Präsidentin des Studentenverbandes der Universidad de Chile (FeCh) im November vergangenen Jahres erhielt sie institutionellen und organisatorischen Rückhalt als Kopf der Proteste, die schon die Regierungen von Piñeras Vorgängern Ricardo Lagos und Michelle Bachelet bedrängt hatten.

Inzwischen ist Camila Vallejo die Ikone jenes Teils der Jugend, der sich nicht nur bessere Bildungschancen erstreiten will, sondern sich überhaupt gegen den noch stark von autoritärem Gehabe bestimmten politischen Betrieb auflehnt. Die junge Frau mit dem markanten Nasenpiercing ist sich ihrer Attraktivität sehr wohl bewusst. Sie lässt sich nach eigenem Bekenntnis gern in Talkshows einladen; es biete sich dabei fast immer die Gelegenheit, ihre Ideen einem großen Publikum kundzutun.

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Jahrgang 1949, politischer Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in Buenos Aires.

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