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Camerons Chef-Berater Der Dirigent

 ·  Bei Jeremy Heywood läuft die britische Tagespolitik zusammen. Nie wurde er gewählt, und doch wird ihm eine bislang unerreichte Machtfülle zugeschrieben. Besonders wenig Sympathie bringen ihm die EU-Kritiker entgegen.

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„Ist Jeremy Heywood Britanniens mächtigster Mann?“, fragte der „Daily Telegraph“ unlängst. Diesen Eindruck vermitteln nicht zuletzt Minister, die sich vom einflussreichsten Staatsbeamten kontrolliert und gesteuert fühlen. Heywood dirigiert nicht von außen, etwa als höchster Richter oder oberster Rechnungsprüfer, sondern aus dem Machtzentrum. Sein Schreibtisch steht in Downing Street 10, und auf diesem läuft alle Tagespolitik zusammen. Als hätte er damit nicht genug zu tun, übertrug ihm Premierminister Cameron nun auch noch die Koordination der politisch sensiblen Kampagne für den Verbleib Schottlands im Königreich.

Über die Macht des „cabinet secretary“ ist immer viel geschrieben worden. Das liegt am Amt und seinen Befugnissen. Der Kabinettssekretär sitzt bei jeder Kabinettssitzung neben dem Regierungschef, er wacht sogar über die Kabinettsdisziplin. Im Fall Jeremy Heywood kommen persönliche Besonderheiten hinzu. Er verbindet ausgeprägten Gestaltungswillen mit hoher Effizienz - und verfügt, nach Erfahrungen mit mittlerweile drei Premierministern über viel Herrschaftswissen.

Ausgebildet an den Universitäten Oxford, London School of Economics und Harvard, wurde der Wirtschaftsfachmann mit 30 persönlicher Referent des konservativen Schatzkanzlers Norman Lamont. Nach dem Regierungswechsel diente er Schatzkanzler Gordon Brown, bis ihn Premierminister Tony Blair in der selben Funktion in die Downing Street 10 holte. Von dort wechselte er für fünf Jahre zur Bank Morgan Stanley, um dann Blairs Nachfolger Gordon Brown in dessen letzten beiden Amtsjahren zu dienen. Im vergangenen Herbst machte ihn dann David Cameron zu seinem Chef-Berater.

Viel Einfluss, aber nie gewählt

Obwohl die Zuständigkeiten des Amtes verringert wurden - der Kabinettssekretär ist heute nicht mehr für den gesamten Beamtenapparat der Regierung zuständig -, wird dem erst 50 Jahre alten Heywood eine bislang unerreichte Machtfülle zugeschrieben. Ein früherer Stratege aus Downing Street drückte das so aus: „Hätten wir eine geschriebene Verfassung, stünde darin in etwa: Abgesehen von der Tatsache, dass Jeremy Heywood immer im Zentrum der Macht sein wird, sind wir freie und gleiche Bürger.“

Minister und andere Politiker kommentieren mit Erstaunen, manche auch mit Unbehagen oder Neid, dass jemand, der nie gewählt wurde, so viel Einfluss auf das politische Geschäft nehmen kann. Heywoods Einschätzung werde automatisch zur Linie des Premierministers, lautet die Klage derer, die darunter schon gelitten haben. Besonders wenig Sympathie bringen ihm die EU-Kritiker entgegen. In seinem Amtszimmer steht eine Büste von Mahatma Gandhi.

Der stets diskret auftretende Kabinettssekretär wirkt nahezu unangreifbar. Mehr als 2000 Euro rechnet er jeden Monat für seine Dienstfahrten mit Chauffeur ab - ein Kostenpunkt, der kürzlich die Boulevardpresse erregte. Aber es genügte eine geschäftsmäßige Bemerkung von Heywoods Sprecher, um die Sache von Tisch zu fegen: Der „cabinet secretary“ müsse eben auch im Auto für das Königreich arbeiten.

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