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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Barack Obama Schwarz aus Weiß

 ·  Amerikas Ahnenforscher haben eine Lücke geschlossen, die manch Schwarzer seit langem beklagt. Ihnen war Barack Obama zu afrikanisch. Nun steht fest, dass er auch amerikanische Sklaven in seinem Stammbaum hat.

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© AP Lange nach John Bunch: Obama mit seiner Mutter

Dieser Stammbaum trägt viele Früchte. Seit sich die Ahnenforscher des ersten schwarzen Präsidenten Amerikas angenommen haben, werden immer neue bekannte Verwandte Barack Obamas entdeckt. Das Investitionsgenie Warren Buffett ist dank eines gemeinsamen irischen Vorfahren ein entfernter Vetter des Präsidenten.

Womöglich erklärt die gemeinsame Blutlinie, warum Buffett die Forderung Obamas unterstützt, Milliardäre wie Buffett und Millionäre wie Obama höher zu besteuern. Allerdings ist Obama nach Überzeugung der Genealogen auch mit dem früheren Vizepräsidenten Dick Cheney und der einstigen Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin entfernt verwandt, ohne dass weltanschauliche Gemeinsamkeiten mit diesen Republikanern bekanntgeworden wären.

Der allererste Sklave in Amerika

Die jüngste Entdeckung namhafter Ahnenforscher schließt nun eine Lücke, die manch Schwarzer seit langem beklagt. Gewiss, Obama ist der erste „African American“, der ins Weiße Haus gewählt wurde. Aber in gewisser Hinsicht ist er zu afrikanisch: Obamas Vater stammte aus Kenia und kam als Student nach Hawaii, wo er Obamas Mutter, die Weiße Stanley Ann Durham aus Kansas, kennen lernte. Demnach ist Barack Obama kein Nachfahr der versklavten Schwarzen in Amerika, deren Ausbeutung und Leiden, deren Vitalität und Produktivität gleichermaßen prägend für die amerikanische Geschichte waren.

Die jüngsten Forschungsergebnisse aus Salt Lake City in Utah stellen Obama nun aber doch in eine Reihe mit dem Bürgerrechtler Martin Luther King, den früheren Außenministern Colin Powell und Condoleezza Rice oder den Sportgrößen Jesse Owens und Muhammad Ali: als Nachkomme eines versklavten Schwarzer in Amerika, genauer: des allerersten Sklaven in Amerika.

John Punch war um das Jahr 1640 aus Westafrika nach Virginia gebracht worden, wo er als sogenannter Schuldknecht die Kosten für die Passage in die Neue Welt abzuarbeiten hatte. Er riss aus, wurde aber kurz nach seiner Flucht in Maryland gefasst, nach Virginia zurückgebracht und dort von einem Richter zu lebenslangem Sklaventum verurteilt. Punch gilt als „erster Sklave“ Amerikas, der lange vor dem Beginn des organisierten Sklavenhandels in die Westliche Hemisphäre versklavt wurde.

John Bunchs elfter Urenkel

Punch hat nach Überzeugung der Ahnenforscher mit einer Weißen mehrere Kinder gezeugt, die wie ihre Mutter den Status als „Freie“ genossen und deshalb Land erwerben durften. Bei einem urkundlich nachgewiesenen Farmer „John Bunch III“ handelt es sich nach Überzeugung der Genealogen um den Enkel von John Punch (die Schreibweise von Namen war seinerzeit noch nicht standardisiert), und dessen Kinder heirateten in weitere weiße Familien ein.

Dokumente und Erbgut-Analysen lassen eine direkte Abstammungslinie von John Bunch III. zu Obamas Mutter Stanley Ann Durham erkennen, die 1995 starb. Demnach wäre Amerikas erster schwarzer Präsident zwar der Sohn einer weißen Mutter, zugleich aber der elfte Urenkel des ersten schwarzen Sklaven Amerikas.

Die renommierte Ahnenforscherin Elizabeth Shown Mills hat die jetzt vom Internetportal Ancestry.com veröffentlichten Daten überprüft und versichert, die Untersuchung mit dem überraschenden Ergebnis genüge „höchsten Standards“. Zwar könne genealogische Forschung über Personen, die vor Hunderten Jahren lebten, nie eindeutig die Abstammung von einer Person beweisen.

Ein typischer Abschnitt der Erbinformation, ein sogenannter DNA-Marker, weise aber auf Punch als direkten Vorfahren Obamas hin. Der Genealoge Joseph Shumway von Ancestry.com zeigte sich entzückt, dass „zwei der historisch bedeutsamsten Afro-Amerikaner in der Geschichte unseres Landes direkt verwandt sind“. Das Weiße Haus äußerte sich zunächst nicht.

Auch bei der Erforschung des Stammbaums von „First Lady“ Michelle Obama waren die Ahnenforscher 2008 auf erstaunliche Befunde gestoßen - etwa auf einen irischen Vorfahren. Michelle Obama sprach seinerzeit die weisen Worte, aus unseren Stammbäumen erwachse „die wichtige Botschaft, dass wir auf dieser Reise alle miteinander verbunden sind“.

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Jahrgang 1962, politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

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