Home
http://www.faz.net/-gpf-79729
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Barack Obama Freudloser Präsident

Weil der inspirierende Wahlkämpfer Barack Obama als Präsident noch immer nicht hinter das Geheimnis effektiven Regierens gekommen ist, muss er sich nun als Krisenmanager in eigener Sache bewähren.

© dpa Die Zeiten waren schon einmal einfacher für Barack Obama

Im vergangenen November ist Barack Obama als Präsident der Vereinigten Staaten wiedergewählt worden, der erste Nichtweiße im Weißen Haus. Der Erfolg fiel lange nicht so eindrucksvoll aus wie 2008: Damals hatte sein republikanischer Gegner nicht die Spur einer Chance. Aber zu einer Nervenprobe wurde die Wahlnacht vor einem halben Jahr auch nicht. Obama steht am Beginn seiner zweiten Amtszeit - und erlebt freudlose Tage.

Klaus-Dieter Frankenberger Folgen:

Es ist jetzt einiges zusammengekommen, was an seinem Nimbus zehrt und was die Opposition als Einladung versteht, bildlich gesprochen, die Hunde loszulassen: Die Steuerbehörde hat konservative Stiftungen und Organisationen schikaniert; Journalisten einer Nachrichtenagentur wurden bespitzelt; und seit Monaten wird die Regierung mit dem Vorwurf traktiert, sie haben zu verschleiern versucht, dass die vier Amerikaner, die am 11. September 2012, vor der Präsidentenwahl also, ihr Leben verloren, einem Terroranschlag zum Opfer fielen. Obama verfolgte zunächst passiv, wie sich die Gewitterwolken aufluden; als sie sich zum Sturm verbanden, reagierte er, indem er, zum Beispiel, den Chef der Steuerbehörde zum Rücktritt zwang.

Mehr zum Thema

Der Opposition ist das natürlich nicht genug, und auch die Kommentatoren stimmen hysterisch erste Abgesänge auf Barack Obama an - er hat neulich eine peinliche Abstimmungsniederlage hinsichtlich der Verschärfung des Waffenrecht erlitten - und ziehen dramatische Vergleiche. Tatsächlich haben alle Vorgänger, die in jüngerer Zeit wiedergewählt wurden, Bekanntschaft mit dem „Fluch der zweiten Amtszeit“ gemacht: Reagan, Clinton, Bush der Jüngere und natürlich Nixon, der die Watergate-Affäre politisch nicht überstand. In der Regel hatten sie sich die Kalamitäten selbst zuzuschreiben - was man bisher weiß, trifft das für Obama so nicht zu. Unkende Andeutungen über ein Amtsenthebungsverfahren sind deswegen frivol.

Dabei müsste der Friedensnobelpreisträger (war da mal was?) seine sieben Sinne für andere Dinge zusammennehmen: für den syrischen Bürgerkrieg, den Konflikt mit Iran, für Afghanistan, wo es einen eklatanten Mangel an strategischer Aufmerksamkeit gibt. Und so weiter. Aber weil die Innenpolitik nach wie vor auf Konfrontation gepolt ist, weil er, der inspirierende Wahlkämpfer, hinter das Geheimnis effektiven Regierens noch immer nicht gekommen ist, muss er sich als Krisenmanager in eigener Sache bewähren.

Barack Obama © AP Vergrößern Der amerikanische Präsident Barack Obama: „Fluch der zweiten Amtszeit“

In gewisser Weise ist Obama Enigma geblieben. Seine Reden begeistern Millionen Menschen, aber persönlich geht von ihm keine Wärme aus: Jovial ist er nicht, er zieht die abgehobene Distanz vor. Er hat Humor, kann sich, wie viele amerikanische Politiker, lustig über sich selbst machen, aber es fällt ihm schwer, den Draht zu anderen zu finden.

Mitte Juni wird er nach Berlin kommen, zu den Deutschen, die in der Mehrheit seine Fans geblieben sind. Wo Obama, der wenige Tage vor dem Bauer der Mauer am 4. August 1961 geboren wurde, reden wird, steht noch nicht fest. Für ein, zwei Tage wird er gerne der „Berliner Präsident“ sein.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Vereinigte Staaten und Kuba Neustart der diplomatischen Beziehungen

Nach über 50 Jahren wollen die Vereinigten Staaten und Kuba wieder Botschafter austauschen. Auch einen persönlichen Besuch von Barack Obama in Havanna schließt das Weiße Haus nicht aus. Mehr

01.07.2015, 03:09 Uhr | Politik
Fifa-Skandal Blatter kündigt Überraschungen an

Der wiedergewählte Fifa-Präsident will das Image des Fußballweltverbandes aufpolieren. Laut einem Medienbericht stehen im Korruptionsskandal unterdessen weitere Festnahmen bevor. Am Freitag hat sich Blatter seine fünfte Amtszeit gesichert. Mehr

30.05.2015, 10:34 Uhr | Sport
Amerika und Kuba Befreiung von der Vergangenheit

Mit der Wiedereröffnung der amerikanischen Botschaft in Havanna normalisieren sich die diplomatischen Beziehungen der ehemaligen Feinde. Heftige Kritik kommt von den Republikanern. Sie werfen Obama Vermächtnis-Shopping vor. Mehr Von Andreas Ross, Washington

01.07.2015, 18:37 Uhr | Politik
Nach Nemzow-Mord Obama: Menschenrechtslage in Russland wird schlechter

Die Ermordung des Kreml-Kritikers Boris Nemzow belegt nach den Worten des amerikanischen Präsidenten Barack Obama, dass sich die Menschenrechtslage in Russland immer mehr verschlechtert. Mehr

03.03.2015, 12:30 Uhr | Politik
Massaker von Charleston Der lange Schatten der Flagge

Barack Obama schimpft auf die Waffenlobby. Doch noch heftiger wird nach dem Massaker von Charleston über ein altes Symbol gestritten: die Konföderierten-Flagge. Vor allem Präsidentschaftskandidaten der Republikaner fällt es schwer, sich zu positionieren. Mehr Von Andreas Ross, Washington

22.06.2015, 17:30 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 17.05.2013, 22:27 Uhr

Griechenlands Entscheidung

Von Carsten Knop

Was ihre Entscheidung konkret bedeutet, wissen weder die Griechen noch der Rest Europas. Sicher ist: Das Einigungsprojekt wird an der griechischen Frage nicht scheitern. Mehr 17