Barack Obama: Freudloser Präsident - Porträts & Personalien - FAZ
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Barack Obama : Freudloser Präsident

Die Zeiten waren schon einmal einfacher für Barack Obama Bild: dpa

Weil der inspirierende Wahlkämpfer Barack Obama als Präsident noch immer nicht hinter das Geheimnis effektiven Regierens gekommen ist, muss er sich nun als Krisenmanager in eigener Sache bewähren.

          Im vergangenen November ist Barack Obama als Präsident der Vereinigten Staaten wiedergewählt worden, der erste Nichtweiße im Weißen Haus. Der Erfolg fiel lange nicht so eindrucksvoll aus wie 2008: Damals hatte sein republikanischer Gegner nicht die Spur einer Chance. Aber zu einer Nervenprobe wurde die Wahlnacht vor einem halben Jahr auch nicht. Obama steht am Beginn seiner zweiten Amtszeit - und erlebt freudlose Tage.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

          Es ist jetzt einiges zusammengekommen, was an seinem Nimbus zehrt und was die Opposition als Einladung versteht, bildlich gesprochen, die Hunde loszulassen: Die Steuerbehörde hat konservative Stiftungen und Organisationen schikaniert; Journalisten einer Nachrichtenagentur wurden bespitzelt; und seit Monaten wird die Regierung mit dem Vorwurf traktiert, sie haben zu verschleiern versucht, dass die vier Amerikaner, die am 11. September 2012, vor der Präsidentenwahl also, ihr Leben verloren, einem Terroranschlag zum Opfer fielen. Obama verfolgte zunächst passiv, wie sich die Gewitterwolken aufluden; als sie sich zum Sturm verbanden, reagierte er, indem er, zum Beispiel, den Chef der Steuerbehörde zum Rücktritt zwang.

          Der Opposition ist das natürlich nicht genug, und auch die Kommentatoren stimmen hysterisch erste Abgesänge auf Barack Obama an - er hat neulich eine peinliche Abstimmungsniederlage hinsichtlich der Verschärfung des Waffenrecht erlitten - und ziehen dramatische Vergleiche. Tatsächlich haben alle Vorgänger, die in jüngerer Zeit wiedergewählt wurden, Bekanntschaft mit dem „Fluch der zweiten Amtszeit“ gemacht: Reagan, Clinton, Bush der Jüngere und natürlich Nixon, der die Watergate-Affäre politisch nicht überstand. In der Regel hatten sie sich die Kalamitäten selbst zuzuschreiben - was man bisher weiß, trifft das für Obama so nicht zu. Unkende Andeutungen über ein Amtsenthebungsverfahren sind deswegen frivol.

          Dabei müsste der Friedensnobelpreisträger (war da mal was?) seine sieben Sinne für andere Dinge zusammennehmen: für den syrischen Bürgerkrieg, den Konflikt mit Iran, für Afghanistan, wo es einen eklatanten Mangel an strategischer Aufmerksamkeit gibt. Und so weiter. Aber weil die Innenpolitik nach wie vor auf Konfrontation gepolt ist, weil er, der inspirierende Wahlkämpfer, hinter das Geheimnis effektiven Regierens noch immer nicht gekommen ist, muss er sich als Krisenmanager in eigener Sache bewähren.

          Der amerikanische Präsident Barack Obama: „Fluch der zweiten Amtszeit“

          In gewisser Weise ist Obama Enigma geblieben. Seine Reden begeistern Millionen Menschen, aber persönlich geht von ihm keine Wärme aus: Jovial ist er nicht, er zieht die abgehobene Distanz vor. Er hat Humor, kann sich, wie viele amerikanische Politiker, lustig über sich selbst machen, aber es fällt ihm schwer, den Draht zu anderen zu finden.

          Mitte Juni wird er nach Berlin kommen, zu den Deutschen, die in der Mehrheit seine Fans geblieben sind. Wo Obama, der wenige Tage vor dem Bauer der Mauer am 4. August 1961 geboren wurde, reden wird, steht noch nicht fest. Für ein, zwei Tage wird er gerne der „Berliner Präsident“ sein.

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