http://www.faz.net/-gpf-8049x

AfD-Vizechef im Porträt : Die drei Leben des Alexander Gauland

Alexander Gauland. Sein Vater nannte ihn nach dem russischen Zaren Alexander I. Bild: Stefan Thomas Kroeger/Laif

Erst war er in der CDU ein diskreter Mann im Hintergrund. Dann wurde er ein Publizist, den auch die Linken lobten. Seit zwei Jahren ist er Vizechef der AfD. Hat ihn das verändert?

          Alexander Gauland hat vom heutigen Russland eigentlich keine Ahnung. Ob Wladimir Putin dort autoritär regiert oder nicht, interessiert ihn nicht. Er will sich dort auch nicht groß umtun. Zwei Einladungen des russischen Parlaments, nach Moskau zu reisen, hat der Vizechef der Alternative für Deutschland (AfD) dankend abgelehnt. Klar, Land und Leute näher kennenzulernen würde ihn schon reizen. Aber er will sich nicht politisch einspannen lassen. Gauland ist seit jeher für Deutschlands Mitgliedschaft in der Nato, für die Westbindung. Und mit Putin hat er eigentlich nichts am Hut. Einen Spruch wie „Putin, hilf!“, der bei einer Pegida-Demonstration zu lesen war, findet er absurd. Das alles ist erstaunlich für einen Mann, der als ein großer Putin-Versteher gilt. Und der im Wahlkampf nicht zuletzt dafür von den AfD-Anhängern gefeiert wurde, dass er seine Sympathie für Russland zum Thema machte.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Wie kann man das verstehen? Gauland erklärt es in seinem Lieblingsrestaurant in Potsdam bei Kalbsleber und Roséwein ganz einfach. Stimmungen zu erkennen und zu nutzen ist die Aufgabe eines Politikers. Dass er, Alexander Gauland, das kann, macht ihn ein bisschen stolz. Denn der Mann, der gerade 74 Jahre alt wurde, hat erst vor zwei Jahren ein neues Leben angefangen: sein Leben in der AfD.

          Zurück zu Russland. Es ist nicht so, dass Gauland dazu nichts einfällt. Der Mann ist schließlich klug und belesen, Geschichte interessiert den Juristen brennend. Er sagt dazu Dinge wie, dass der Westen Russland seit dem Ende der Sowjetunion schlecht behandelt, ja gedemütigt hat. Und dass Putin nun wieder das Reich einsammle, das Russland verloren hat. Zwar will er die Annexion der Krim nicht rechtfertigen – zumindest nicht aus völkerrechtlicher Sicht –, aber es gebe Leute, die sagen, dass die Krim schon immer russisch gewesen sei. Und dass Nikita Chruschtschow die Krim ja 1954 besoffen der Ukrainischen Sowjetrepublik zugeschlagen habe.

          Eine deutsche Außenpolitik wie vor 1914

          In einem außenpolitischen Grundsatzpapier der AfD hat Gauland geschrieben, dass Moskau die Loslösung des heiligen Kiew, die mit einer Abspaltung von Köln oder Aachen im Falle Deutschlands zu vergleichen sei, nie verwunden habe. Aber das alles klingt nicht richtig nach Gauland. Die Russen seien wichtig, damit die Amerikaner nicht über die Stränge schlagen – das kommt der Sache schon näher. Und: Die Leute wünschten sich endlich wieder eine eigenständige, eben eine deutsche Außenpolitik. Deswegen komme er mit seinen Reden von der Rückbesinnung auf Bismarck so gut an, werde sogar in Bayern gefeiert. Jetzt sind wir beim echten Gauland angekommen.

          Der Brandenburger AfD-Chef wünscht sich eine deutsche Außenpolitik, die wieder an die Zeit vor 1914 anknüpft. Und in dieser Hinsicht ist Russland für ihn wichtig, als Rückversicherung dafür, dass eine solche Außenpolitik möglich ist. Gauland hat einige biographische Bezüge zu Russland, allerdings nicht durchweg positive. 1941 in Chemnitz geboren, musste er in der DDR-Schule acht Jahre lang Russisch lernen und hat es – anders als die Bundeskanzlerin, aber genau wie die meisten DDR-Bürger – doch nicht gelernt. Nach dem Gymnasium, mit achtzehn, floh er in den Westen. Seine antisowjetische Grundschulung hatte er zuvor durch die Auslandssendungen der BBC erhalten. Den Vater, einen von den Nazis frühpensionierten Polizeipräsidenten, hatte die sowjetische Geheimpolizei nach dem Krieg verhaftet, aber nicht nach Sibirien geschickt, angeblich, weil er zu alt war. Dabei hatte Gauland senior, einst Kommandant der Festung Königstein, immer etwas übrig gehabt für die Russen, hatte sogar seinen Sohn nach dem russischen Zaren Alexander I. genannt. Der Vater war zeitweise an den sächsischen Königshof kommandiert worden, hatte dort auch bei Bällen getanzt. Und er hatte dem Sohn beigebracht, dass es für Preußen immer gut gewesen sei, mit Russland an einem Strang zu ziehen, und schlecht, mit ihm Krieg zu führen. Gauland war immer ein borussischer Konservativer, er zählt all die Schlachten auf, in denen Preußen und Russland Seite an Seite standen. Das ist seine Russland-Nähe.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Das Handy im Studium: Notwendiges Lerngerät oder lästige Ablenkung?

          Streitgespräch : Handys raus?

          Haben Smartphones, Laptops und Tablets etwas in Vorlesungen und Meetings zu suchen? Die Professoren Miloš Vec und Jürgen Handke sind darüber diametral anderer Meinung. Wir haben sie an einen Tisch geholt – und es gab Streit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.