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Porträt Saddam Hussein Zwischen Gewalt und Größenwahn

14.12.2003 ·  „Papa Saddam sieht alles“, hieß es im Irak, als Saddam Hussein noch mit brutaler Gewalt herrschte. Der Sohn einer Kleinbauernfamilie sorgte jahrzehntelang für Angst und Schrecken - auch nach seinem Sturz im April.

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Saddam Hussein hat sich in den mehr als zwei Jahrzehnten seiner Herrschaft im Irak den Ruf eines rücksichtslosen Gewaltmenschen erworben, der keine Freunde hat. Beobachter attestierten ihm einen Hang zum Größenwahn und den brennenden Wunsch, als bedeutender Führer in die Geschichte einzugehen.

Sein übergroßes Ego und das, was er für seine „Ehre“ hielt, war ihm dabei wichtiger als das Wohlergehen seiner Landsleute, die er mit öffentlich zur Schau gestellter Grausamkeit in Schach hielt. Nach seinem Verschwinden im April 2003 wurde er für einige seiner Anhänger zu einer Art mystischer Figur. Andere ehemalige Getreue warfen ihm dagegen Feigheit und Verrat vor.

Leben in einer Scheinwelt

Saddam Hussein hat sein Land kaum verlassen und lebte in den letzten Jahren seiner Macht in einer Art Scheinwelt. Er umgab sich mit unterwürfigen Militärs und Politikern, die auch nicht die geringste Kritik an seinem brutalen Führungsstil wagten. Denn wer dem Despoten eine schlechte Nachricht überbrachte, riskierte sein Leben.

Aus Angst vor Attentaten legte sich Saddam Hussein im Laufe seiner Amtszeit Doppelgänger zu, die ihn bei öffentlichen Auftritten vertreten mußten. Der Personenkult nahm immer groteskere Züge an. Sein idealisiertes Porträt durfte vor keinem öffentlichen Gebäude fehlen. Staatskünstler sorgten für einen ständigen Nachschub an Saddam-Büsten, Statuen und Lobliedern. Die Menschen im Irak zitterten so sehr vor ihrem „Führer“ und hatten den staatlich verordneten Saddam-Kult so verinnerlicht, daß sie zum Teil sogar dann vor seinem Bild salutierten, wenn sie sich unbeobachtet glaubten. „Papa Saddam sieht alles“, wurde den Kindern schon in der Schule beigebracht.

Geboren wurde Saddam offiziell am 28. April 1937 in einem Dorf nahe der Stadt Takrit, aus der auch der in der islamischen Welt als Held verehrte Saladin stammt. Mit dem Kurden, der einst die Kreuzfahrer aus Jerusalem vertrieben hatte, verglich sich Saddam, dessen Name „der Standhafte“, bedeutet, gerne. Saddam, der aus einer Kleinbauernfamilie stammt und in seiner Jugend viel Prügel bezogen haben soll, wurde schon als Schüler Mitglied der damals noch illegalen sozialistischen Baath-Partei. Bereits als Jugendlicher soll er seinen ersten Auftragsmord begangen haben.

Exekutionen bei bloßem Verdacht

1959 beteiligte er sich an einem Attentat auf General Kassam, das jedoch mißlang. Mit der Machtübernahme der Baath-Partei in den 60er Jahren begann auch der Aufstieg von Saddam Hussein, der Gegner mit gnadenloser Härte aus dem Weg räumte und gelegentlich wegen des bloßen Verdachts der Illoyalität die Exekution eines Parteigenossen anordnete. Zunächst pflegten er und seine sozialistische Regierungspartei noch gute Beziehungen zur Sowjetunion, die auch wesentlich zur Aufrüstung des Iraks beitrug.
Im Laufe des Irak-Iran-Krieges (1980 bis 1988) suchte er jedoch zunehmend die Nähe Washingtons. Mit Hilfe der arabischen Öl- Monarchien und des amerikanischen Geheimdienstes, der dem Irak Satellitenbilder von iranischen Stellungen zur Verfügung stellte, gelang es Saddam letztlich, die Oberhand zu behalten. Auf beiden Seiten gab es Hunderttausende Tote.

Doch nach der irakischen Invasion in Kuwait 1990 wendete sich das Blatt. Die westliche Welt, die in den 80er Jahren gegen die Giftgasangriffe auf die Kurden in der nordirakischen Stadt Halabdscha nur schwach protestiert hatte, erklärte ihn zum „Irren von Bagdad“ und vertrieb seine Truppen 1991 aus Kuwait.

Doch bis Bagdad stießen die Alliierten nicht vor. Stattdessen sahen sie zu, wie Saddam einen Aufstand der Schiiten und Kurden niederschlug. Die nach seinem Sturz im Irak entdeckten Massengräber, in denen auch die Leichen von Frauen und Kindern gefunden wurden, zeigen auf grausame Art und Weise, wie hoch der Preis war, den die Aufständischen bezahlten.

In den 90er Jahren konnte Saddam Hussein, dessen Volk unter dem UN-Embargo verarmte, seine Macht im Inneren festigen. Angesichts des amerikanischen Truppenaufmarschs am Golf entschloß er sich im Herbst 2002, die UN-Waffeninspekteure wieder ins Land zu lassen. Als er merkte, daß dies einen amerikanisch-britischen Angriff zum Sturz seines Regimes nicht verhindern würde, forderte er Armee und Milizen zum „Heiligen Krieg“ gegen die Amerikaner auf.

Am 9. April 2003, als die amerikanische Marineinfanterie Bagdad endgültig einnahm, zeigt sich Saddam Hussein ein letztes Mal öffentlich. Dann verschwand er. Bis zu seiner Verhaftung.

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