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Porträt Merkels Forscher

21.11.2005 ·  Er ist ein angesehener Mann, den man nur selten in der Öffentlichkeit sieht. Dabei ist Joachim Sauer, der Mann der künftigen Kanzlerin, durchaus nicht schüchtern. Er mag nur nicht den öffentlichen Auftritt und die damit verbundene Inszenierung.

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Er ist ein angesehener Mann, den man nur selten in der Öffentlichkeit sieht. Dabei ist Joachim Sauer durchaus nicht schüchtern. Er mag nur nicht den öffentlichen Auftritt und die damit verbundene Inszenierung. Strikt hält er sich an seinen Grundsatz: Keine Gespräche mit Journalisten, die "nicht durch meine Tätigkeit als Hochschullehrer und Forscher, sondern durch die politische Tätigkeit meiner Frau motiviert sind".

Sauer will als Wissenschaftler wahrgenommen werden, nicht als Ehemann Angela Merkels. Und so entzieht sich der Professor für Chemie, der an der Humboldt-Universität in Berlin-Adlershof lehrt und forscht, beharrlich dem Drängen der Medien, etwas über sein Privatleben preiszugeben. Seine Person stehe in keinem Verhältnis zur politischen Arbeit seiner Frau und sei deshalb für die Öffentlichkeit auch nicht interessant.

Fachmann auf dem Gebiet der Zeolithe

Spricht man mit Kollegen, so erfährt man, daß man es mit einem der führenden theoretischen Chemiker zu tun hat. Sauer gilt als Fachmann auf dem Gebiet der sogenannten Zeolithe. Diese porösen Mineralien aus Silizium, Aluminium und Sauerstoff nutzt man als Ionentauscher, Absorptionsmaterial oder als Katalysator, da sie in ihren Hohlräumen Moleküle aufnehmen und festhalten können. Rohöl- und Trinkwasseraufbereitung sowie Abwasserreinigung sind typische Anwendungsbeispiele.

Sauer und seine fünfzehn Mitarbeiter interessieren sich besonders für die katalytischen Eigenschaften der Zeolithe. Sie berechnen und simulieren unter anderem die Strukturen der porösen Mineralien und die Elementarreaktionen, die in deren winzigen Kanälen ablaufen. Sauer ist außerdem Sprecher des Sonderforschungsbereiches 546, der sich mit einem weiteren Arbeitsgebiet Sauers beschäftigt: der Struktur, Dynamik und Reaktivität von Übergangsmetalloxyd-Aggregaten. Dabei handelt es sich um Systeme, die sich aus einer Vielzahl von Molekülen der gleichen Sorte zusammensetzen und wegen ihrer großen Oberfläche besondere katalytische Eigenschaften aufweisen.

Kein SED-Mitglied

Die Biographie ist für eine Koryphäe wie ihn überraschend knapp gehalten: 1949 in Sachsen geboren, studierte Sauer von 1967 bis 1972 Chemie an der Humboldt-Universität, wo er 1974 promoviert wurde. 1977 ging er an die Akademie der Wissenschaften in Ostberlin. Schon zu DDR-Zeiten galt Sauer als exzellenter Wissenschaftler, der internationales Ansehen genoß und regelmäßig in westlichen Fachzeitschriften veröffentlichte. 1982 bekam er für seine wissenschaftliche Leistungen den Friedrich-Wöhler-Preis der Chemischen Gesellschaft der DDR verlieren.

Weil er nicht in der SED war und seine Unabhängigkeit bewahrte, durfte er erst 1988 nach Westdeutschland reisen. Sechs Monate verbrachte er an der Universität Karlsruhe in der Gruppe von Reinhart Ahlrichs, der ihn - wie zu DDR-Zeiten nicht unüblich - regelmäßig mit westlichen Veröffentlichungen versorgte. Mit der Wiedervereinigung eröffneten sich auch für Sauer neue Möglichkeiten. Er ging nach San Diego an ein biochemisches Institut als technischer Direktor.

1992 kehrte er an seine alte Wirkungsstätte zurück, übernahm eine Arbeitsgruppe und wurde ein Jahr später zum Professor für physikalische und theoretische Chemie ernannt. Kollegen und Studenten schätzen seinen scharfen Verstand und sein Fachwissen. Mit seiner Frau teilt Sauer die Liebe zur Oper und zur Natur. Das Bergwandern gehört zu den gemeinsamen Liebhabereien.

Quelle: F.A.Z., 22.11.2005, Nr. 0 / Seite 10
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