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Porträt Laridschani Zwischen Koran und Kant

04.08.2005 ·  Der designierte Außenminister Irans Laridschani, bezeichnet sich - hin- und hergerissen zwischen Kant und Koran - als einen „Grundsatztreuen“. Bei der Präsidentenwahl erlitt er eine herbe Schlappe, bleibt aber an einer Schaltstelle der politischen Macht.

Von Ahmad Taheri
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Höchstwahrscheinlich heißt der nächste Außenminister der Islamischen Republik Iran Ali Ardaschir Laridschani. Er wurde neben zwei weiteren Politikern dem Parlament für das hohe Amt vorgeschlagen. Eigentlich wollte er der sechste Präsident der Islamischen Republik werden.

Er war einer der sieben Kandidaten, die sich um die Nachfolge von Staatspräsident Seyyed Mohammad Chatami bemüht hatten, und er galt auch als der Favorit des „konservativen“ Lagers. Als Leiter des iranischen Rundfunks und Fernsehens hat er den religiösen Ultras seit 1994 wertvolle Dienste geleistet. Laridschani, höchst gebildet und mit der Weltpolitik vertraut, hätte nach Ansicht der Islamisten einen würdigen Nachfolger Chatamis abgeben können.

Hetze gegen die Reformer

„Frische Luft“ lautete Laridschanis Schlagwort bei den Wahlen. Doch es kam anders als in den islamistischen Kreisen erhofft. Laridschani erreichte das zweitschlechteste Wahlergebnis. Die Schlappe kam nicht von ungefähr. Als Leiter von „Seda va Sima“, wie Rundfunk und Fernsehen genannt werden, hatte er nicht gerade die Sympathien des Volkes erworben. Die Zuschauer waren der langweiligen Sendungen mit bärtigen Mullahs und verschleierten Frauen überdrüssig. Wer etwas Geld hatte, besorgte sich Satellitenfernsehen.

Hinzu kam, daß die Fernsehanstalt unter Laridschani zu einer festen Burg der Unduldsamkeit geworden war. Hetze gegen die Reformer und Verunglimpfungen der Intellektuellen waren gang und gäbe. In einem üblen Machwerk etwa startete der Sender eine sechsteilige Serie mit dem Titel „Howiyat“, „die Identität“, über vermeintliche Feinde der Islamischen Republik. Am meisten wurden die kritischen Intellektuellen ins Visier genommen. Damit bereitete das Fernsehen den Boden für die spätere Verfolgung Andersdenkender.

Karriere nach der islamischen Revolution

Anders als der neugewählte Präsident Ahmadineschad ist Laridschani kein Kind des Volkes. Er ist ein „Aqazadeh“, ein Herrensohn, wie die Kinder der mächtigen Ajatollahs genannt werden. Geboren wurde er 1958 als Sohn des Großajatollahs Haschem-Amoli in der heiligen Stadt Nadschaf im Irak. Dort unterrichtete der Vater schiitische Jurisprudenz. Als die Baath-Partei an die Macht kam, kehrte die Familie nach Iran zurück. Laridschani machte nach der islamischen Revolution 1979 Karriere.

Mit 23 Jahren wurde er Leiter der außenpolitischen Redaktion des Fernsehens. Damals hatte gerade der Krieg zwischen dem Irak und Iran begonnen. Laridschani wurde Stellvertreter des Stabschefs der Pasdaran, der Revolutionsgardisten. Zwischendurch studierte der ehrgeizige junge Mann Mathematik und Informatik, dann promovierte er an der Teheraner Universität in Philosophie.

„Grundsatztreuer“

Der frischgebackene Dr. phil. heiratete die Tochter des Ajatollahs Motahhari, des Vordenkers der islamischen Revolution. Als Lehrer der Philosophie an der Teheraner Universität schrieb er drei Bücher über Kant. Es gehört zu den Merkwürdigkeiten der Islamischen Republik, daß die schiitischen Islamisten ein Schwäche für den großen Denker aus Königsberg haben.

Zwischen Kant und Koran hin- und hergerissen, bezeichnet sich Laridschani als „Usulgara“, als „Grundsatztreuer“. Bisweilen nennt er sich auch einen pragmatischen Konservativen. Die Ausrichtung ist indes zweitrangig. Für die Männer wie Laridschani ist stets das erste Gebot, an den Schaltstellen der politischen Macht zu sitzen. Und die Macht haben zur Zeit die schiitischen „Falken“.

Quelle: F.A.Z., 04.08.2005, Nr. 179 / Seite 10
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