23.11.2003 · Amtierende Staatschefin für eine Übergangszeit bis zu Neuwahlen ist nach dem Rücktritt von Schewardnadse die bisherige Parlamentspräsidentin Nino Burdschanadse.
Georgiens bisherige Parlamentsvorsitzende Nino Burdschanadse hat sich als unerschrockene Einzelgängerin in der Opposition einen Namen gemacht. Die 1964 in der Haupstadt Tiflis geborene Georgierin, eine studierte Juristin, sorgte mit deutlich pro-westlichen Äußerungen und Kritik an der Regierung von Staatspräsident Eduard Schewardnadse für Aufsehen.
Nach der Erstürmung des Parlamentsgebäudes durch Oppositionelle glaubte sich Burdschanadse am Samstag bereits am Ziel ihrer politischen Ambitionen. Nachdem Schewardnadse fluchtartig das Gebäude verlassen hatte, rief sie sich selbst zum amtierenden Staatsoberhaupt bis zu den von der Opposition geforderten Neuwahlen aus. Nach dem Rücktritt von Schewardnadse erklärte sie der siegreiche Oppositionsführer Michail Saakaschwili zur amtierende Staatschefin für eine Übergangszeit bis zu Neuwahlen.
Die fließend Russisch und Englisch sprechende Politikerin wurde 1995 erstmals in das georgische Parlament gewählt, dessen Vorsitz sie im Jahr 2001 übernahm. Sie ist eine von wenigen weiblichen Abgeordneten in der von Männern dominierten Volksvertretung.
Burdschanadse gesteht eine für die georgische Politik bedeutende Schwäche ein. Sie sei wenig zum Gemauschel hinter den Kulissen und für die in der georgischen Politik typischen Intrigen geeignet. Ihre liberale und pro-westliche Partei, die Burdschanadse-Demokraten, kam nach offiziellen Angaben bei der von Fälschungsvorwürfen überschatteten Parlamentswahl am 2. November auf 8,8 Prozent der Stimmen.