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Porträt Brückenbauer Benedikt

 ·  Seit Jahren hat Joseph Ratzinger unermüdlich auf die Rehabilitation des „tridentischen“ Ritus gedrungen. Mit der Wiederzulassung des alten lateinischen Messbuchs trägt der Papst nun dazu bei, Brücken über alte Gräben innerhalb der Kirche zu bauen.

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Wer vor zwei Jahren darauf gewettet hätte, dass der neu gewählte Papst Benedikt XVI. dereinst den mit Lehrverbot belegten Schweizer Theologen Hans Küng zu einem ausführlichen Gespräch empfangen würde, der hätte wohl ein gutes Jahr später außer der Genugtuung über die Treffsicherheit seiner Vorhersage auch einen hübschen Gewinn einstreichen können. Denn Joseph Ratzingers herbstliche Geste der Versöhnung gegenüber seinem früheren Kollegen traute dem als „Panzerkardinal“ verschrienen Deutschen kaum jemand zu.

Keine hellseherischen Fähigkeiten waren hingegen vonnöten, um von Papst Benedikt die Wiederzulassung des „tridentinischen“ Ritus zur Feier der Sakramente der Kirche zu erwarten. Seit Jahren nämlich hatte er in Vorträgen und Büchern unermüdlich auf die Rehabilitation jenes lateinischen Messbuchs von 1962 gedrungen, das im Zuge der Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil verboten worden war. Die Frage war nur, wann der Papst sich über alle Bedenken aus den Reihen der deutschen, der französischen und auch der nordamerikanischen Bischöfe hinwegsetzen und sich selbst beim Wort nehmen würde. An diesem Samstag ist es so weit.

Ein kirchenpolitischer Akt

Freilich reckt in diesem Akt „aus eigenem Antrieb“ ebenso wenig die Reaktion ihr finsteres Haupt, wie Papst Benedikt vor Jahresfrist den Kniefall vor einem begnadeten theologischen Selbstdarsteller machte. Nimmt man beide Ereignisse zusammen, dann tritt eine eigentümliche Kontur von Person und Pontifikat stark hervor.

Denn mitnichten geht es Papst Benedikt nur um die Verwirklichung einer höchst subjektiven, in Biographie und Theologie des 1927 Geborenen tief verwurzelten Liebe zu der klassischen Formensprache der alten Liturgie. Die Wiederzulassung des alten Ritus ist wie zuvor die Begegnung mit Hans Küng ein kirchenpolitischer Akt: Für Joseph Ratzinger, der in der Wahl seines Namens bewusst an den „Friedenspapst“ Benedikt XV. (Papst von 1914 bis 1922) anknüpfte, ist es hohe Zeit, die vielen Gräben zuzuschütten und die persönlichen Verwundungen zu heilen, die in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil entstanden sind.

Eine einigere Kirche

Ob die „traditionalistischen“ Anhänger des 1991 verstorbenen Erzbischofs Lefebvre die Brücke betreten, die der Papst ihnen nun baut, ist ungewiss. Ebenso ungewiss ist, ob Hans Küng seine Ansichten über die Unfehlbarkeit des Bischofs von Rom jemals ändern wird. Eines ist jedoch sicher: Papst Benedikt, der vor zwei Monaten sein 80. Lebensjahr vollendete, setzt vieles daran, seinem Nachfolger eine Kirche zu hinterlassen, die einiger ist als die, die er vorfand, als die Kardinäle der Weltkirche ihn am 19. April 2005 mit überwältigender Mehrheit zum Nachfolger von Papst Johannes Paul II. wählten.

Nicht nur, aber auch im Blick auf das Verbot des alten Messbuchs hatte Ratzinger im Jahr 2000 geschrieben, eine Institution, die so mit ihrer Geschichte und den ihr zugehörigen Menschen umgehe, brauche sich über negative Auswirkungen nicht zu wundern. Sollten ihn die Kardinäle nicht genau deswegen gewählt haben, weil sie ihm, und nur ihm, zutrauten, als Brückenbauer („Pontifex“) positive Zeichen zu setzen? (Siehe dazu: Kommentar: Heiliges Spiel)

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Jahrgang 1960, in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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