Home
http://www.faz.net/-gpf-135kt
Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Porsche Piëch gewinnt Machtkampf

 ·  Nachfolger für Wiedeking und Härter wurden zwar benannt, aber nur auf die Positionen bei der Dr. Ing. h. c. F.

Artikel Lesermeinungen (0)

Nachfolger für Wiedeking und Härter wurden zwar benannt, aber nur auf die Positionen bei der Dr. Ing. h. c. F. Porsche AG, dem eigentlichen Autobauer. Michael Machts Stellvertreter soll Personalvorstand Thomas Edig werden. Macht und Edig sollen zwar auch in den Vorstand der Porsche Holding SE einrücken, wer dort aber den Vorstandsvorsitz und die Verantwortung für die Finanzen übernimmt, ist noch nicht geklärt. Mutmaßlich dürften in den nächsten Tagen Kandidaten aus dem VW-Lager für diese Posten nominiert werden. Auf sie kommen wichtige Aufgaben zu: Schließlich soll bei der Holding das Kapital um fünf Milliarden Euro erhöht werden, damit der Schuldenberg von mehr als zehn Milliarden Euro abgetragen werden kann. Das könnte wiederum kompliziert werden. Dem Vernehmen nach ist geplant, dass die Porsche-Familie, um ihrem Ziel des integrierten Konzerns näher zu kommen, ihre Salzburger Holding, ein VW-Handelshaus im Wert von rund vier Milliarden Euro, in die Stuttgarter Holding einbringt.

Außerdem sind die Verhandlungen mit Qatar über einen Einstieg bei der Porsche Holding SE zu führen. Nach den Vorstellungen von VW soll der Einstieg Qatars bei dem integrierten Konzern in mehreren Schritten erfolgen: Zunächst übernimmt das Emirat von der Porsche Holding SE 17 Prozent der VW-Optionen. Diese hatte Porsche gekauft, und eine Zeitlang auch Spekulationsgewinne damit erzielt. Seit aber klar ist, dass die Optionen mangels Geld nicht in Aktien umgewandelt werden können, sind sie für Porsche eher eine Belastung als ein Vermögensposten. Viel Geld fließt daher wohl nicht für die Optionen. Eine gewisse finanzielle Entlastung verschafft Qatar Porsche aber durch einen Kredit in Höhe von 750 Millionen Euro. Damit könne Porsche den im März von VW erhaltenen Kredit über 700 Millionen Euro zurückzahlen, der im September fällig ist. Für diese kurzfristige Hilfe hat Qatar im Gegenzug eine zusätzliche Gegenleistung eingefordert: Die Araber haben demnach das Recht, im Jahr 2011 einen Anteil von 10 Prozent an der Porsche-Holding zu übernehmen, die dann – soweit der VW-Plan – bei der Verschmelzung beider Konzerne in zwei Prozent der Anteile an VW umgewandelt würden. Damit käme Qatar letztlich auf einen VW-Anteil von 19 Prozent. In einer Selbstverpflichtung will Qatar dem Land Niedersachsen garantieren, niemals über dessen Anteil hinauszugehen.

Der niedersächsische Ministerpräsident Wulff (CDU) sprach von einem guten Signal für den Industriestandort Deutschland. Qatar sei „ein stabiler Ankeraktionär, der ein langfristiges und nachhaltiges Interesse an dem integrierten Automobilkonzern VW/Porsche hat“. Zugleich forderte er, dass die zwanzigprozentige Sperrminorität Niedersachsens an dem neuen Konzern erhalten bleibe. Baden-Württembergs Ministerpräsident Oettinger (CDU) würdigte die Leistung Wiedekings. Er habe den Stuttgarter Sportwagenbauer zu einem herausragenden Automobilunternehmen gemacht, sagte er. Zudem sagte Oettinger, die Zusammenführung der beiden Unternehmen ermögliche eine gute Zukunftsperspektive. Sowohl Porsche als auch Volkswagen könnten in dem Gemeinschaftsunternehmen ihre Stärken ausbauen. Damit würden die Arbeitsplätze in Baden-Württemberg gesichert. „Es handelt sich hier um keine Übernahme, sondern um eine Fusion Porsche Holding und Volkswagen AG“, sagte Oettinger. Wichtig für das Land Baden-Württemberg sei dabei, dass in dieser neuen Dachgesellschaft die Familien Porsche und Piëch eine starke Stellung haben.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Unter der Sonne Berlins

Von Klaus-Dieter Frankenberger

Manchmal reiben sich die Deutschen an Amerika. Trotzdem haben sie Obama nicht aus dem Herzen verstoßen. Er ist noch immer „ihr“ Präsident und Idol. Mehr 19 6