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Wolfgang Wietzker: Flucht aus der DDR-Diktatur; Uwe Gerig: Stiller Sieg nach 90 Tagen : Der DDR den Rücken gekehrt

  • -Aktualisiert am

Grenztürme stehen am 28. März 2014 bei Milz (Thüringen) auf dem früheren Todesstreifen Bild: dpa

Dass viele Personen große Risiken auf sich nahmen, um in die Bundesrepublik zu fliehen, ist ein erschütterndes Kapitel deutsch-deutscher Teilungsgeschichte. Hinter jeder Flucht stehen Einzelschicksale, manchmal Geschichten mit glücklichem Ausgang, manchmal auch Tragödien.

          13. August 1961: Walter Ulbricht lässt mit Rückendeckung der Sowjets die Mauer in Berlin errichten, um den nicht abreißenden Strom von Flüchtlingen Richtung Westen zu stoppen. In einem Jahrzehnt, von 1951 bis 1961, hatten 2 613 370 Personen die DDR verlassen, um in der Bundesrepublik ein neues Leben zu beginnen. Die Gründe dafür waren vielfältig: das politische System, politische Verfolgung sowie ökonomische und persönliche Motive. Aber weder die Mauer noch das menschenverachtende Grenzregime konnten mittel- und langfristig alle Menschen in der DDR halten.

          Dass viele Personen große Risiken auf sich nahmen, die bis zum Einsatz des eigenen Lebens gingen, um in die Bundesrepublik zu fliehen, ist ein erschütterndes Kapitel deutsch-deutscher Teilungsgeschichte. Hinter jeder gelungenen oder missglückten Flucht stehen Einzelschicksale, manchmal Geschichten mit glücklichem Ausgang manchmal auch Tragödien. Wolfgang Weitzker hat 101 solcher Geschichten zusammengetragen. Sie umfassen den Zeitraum von 1949 bis 1989. Hier kommen die Betroffenen selbst zu Wort. Die abgedruckten Berichte sind zum Teil eigenhändig verfasst, oder sie basieren auf Interviews. Dabei handelt es sich nicht um bereits bekannte und vielfach erzählte Fälle. Die Auswahl der Personen erfolgte nach dem Zufallsprinzip, sie meldeten sich auf Zeitungsanzeigen oder wurden durch Zeitzeugenbörsen auf das Projekt aufmerksam.

          Da liest man zum Beispiel die Geschichte der Ost-Berlinerin Ragnhild Buk, die durch den Mauerbau von ihrem im Westteil der Stadt lebenden Verlobten getrennt wurde und der 1962, versteckt in einem extra präparierten Kofferraum, die Flucht nach West-Berlin gelang. Ein anderer Fall ist der von Michael Jackzis, der am Abend des 13. August 1961 verhaftet wurde, weil er den Aufbau der Grenzanlagen fotografiert hatte. Nach seiner Freilassung reifte der Entschluss zur Flucht, der sich durch die politischen Entwicklungen der folgenden Monate konkretisierte. Die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht im Januar 1962 bescherte ihm den Einberufungsbescheid, dem er vor allem aus religiösen Gründen nicht folgen wollte und ihn einen kühnen Plan fassen ließ: Jackzis arbeitete beim VEB Bergmann-Borsig in Berlin-Wilhelmsruh, dessen Betriebsgelände nach dem 13. August 1961 zum unmittelbaren Grenzgebiet wurde. Die Mauer, die den Betrieb im Westen umfasste, diente gleichzeitig als Sperrmauer zum französischen Sektor. Jackzis und zwei Arbeitskollegen ließen sich über das Pfingstwochenende 1962 im Werk einschließen und gruben von einem unmittelbar an der Grenze gelegenen Lichtschacht aus einen improvisierten Tunnel unter dem Kolonnenweg und durch das Fundament der Grenzmauer hindurch. So gelangten sie unentdeckt nach West-Berlin.

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