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Ulrich Wegener und GSG9 : Letzter Preuße verteidigt Bonner Demokratie

  • -Aktualisiert am

Ulrich Wegener 1987 bei Helmut Kohl Bild: Sven Simon

Die Bescheidenheit, Authentizität und Ehrlichkeit der Publikation verraten bereits einiges über den Mann, der hier sein Leben erzählt und Rechenschaft abgibt. Wenn der 1929 geborene Ulrich Wegener im Zentrum des öffentlichen Interesses stand, so geschah das gewissermaßen im dienstlichen Auftrag. Sonst aber hat er nie die Öffentlichkeit gesucht, auch seine Autobiographie haben andere erst ermöglicht. Ulrike Zander und Harald Biermann haben lange Interviews mit ihm geführt.

          Was für ein Mann, was für ein Buch! Dabei wirkt die Publikation bescheiden, beim ersten Durchblättern sogar – Autor und Herausgeber mögen dies Urteil verzeihen – ein bisschen wie „gebastelt“: ein knapp gehaltener Bericht, sprachlich kaum geglättet, ergänzt mit einem Konvolut von Interviews, Kommentaren und Bildern. Das ist keine dieser handelsüblichen Hochglanzbiographien, mit denen sich irgendwelche unwichtigen Zeitgenossen viel zu früh wichtig machen wollen.

          Aber genau diese Bescheidenheit, Authentizität und Ehrlichkeit verraten bereits einiges über den Mann, der hier sein Leben erzählt und Rechenschaft abgibt. Wenn er im Zentrum des öffentlichen Interesses stand, so geschah das gewissermaßen im dienstlichen Auftrag. Sonst aber hat er nie die Öffentlichkeit gesucht; er konnte das nicht und er hätte es vermutlich auch nicht gewollt. Auch seine Autobiographie haben andere erst ermöglicht. Ulrike Zander und Harald Biermann haben als Mitarbeiter am Bonner „Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“ lange Interviews geführt, mit dem Umfeld dieses Mannes und mit ihm selbst. Sein Name: Ulrich Wegener. Es ist sein Lebensbericht geworden, vielleicht auch seine Bilanz.

          Sein Leben sei, so die beiden Herausgeber, „teils parallel zur Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“ verlaufen, „teils diametral entgegengesetzt“. Das ist wohl wahr. Für Wegener, der 1929 als Offizierssohn in Jüterbog/ Brandenburg zur Welt kam, wäre etwas anderes als ein militärischer Beruf „überhaupt nicht in Frage gekommen“. Aber wo wäre dies nach 1945 noch möglich und vor allem sinnvoll gewesen? Das, was er als 16jähriger bei den „Endkämpfen im Berliner Raum“ erlebt hatte, war kaum das gewesen, was er gesucht hatte. Es folgten schwierige Jahre, dann der Beginn eines Studiums. Zu einem Studium eigener Art wurden die 18 Monate, die Wegener in einem DDR-Zuchthaus verbringen musste, weil er „Flugblätter gegen die Einheitsliste“ für die Wahlen zur Volkskammer verteilt hatte. Damals erlebte er den Hungertod von Mitgefangenen, er selbst wog 1952 bei seiner Entlassung noch knapp 60 kg, bei einer Größe von 1,86 m. Danach hielt ihn nichts mehr in der Deutschen Demokratischen Republik.

          Erst im anderen und freien Teil Deutschlands fand Wegener das, wonach er suchte. Nach Anfängen bei der Bereitschaftspolizei wurde der Bundesgrenzschutz, dem er seit 1958 als Offizier diente, zu seiner beruflichen Heimat. 1968 Stabsoffizier, 1970 Verbindungsoffizier von Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher, zwei Jahre später Kommandeur einer neu geschaffenen Einheit – der Grenzschutzgruppe 9. Als Generalmajor ging Wegener 1989 in den Ruhestand. Das sind die äußeren Daten einer Karriere.

          In ihrem eigentlichen Zentrum aber stehen fünf Jahre, die Zeit vom 5./6. September 1972 bis zum 17./18. Oktober 1977. Hinter diesen Daten stehen wiederum zwei Ereignisse, die gegensätzlicher nicht sein könnten: Auf dem Tower von Fürstenfeldbruck erlebte Wegener zusammen mit Genscher die missglückte Befreiung der israelischen Geiseln während des Olympia-Attentats. Der Tod aller elf Geiseln und eines deutschen Polizisten war nicht nur ein polizeiliches und ein politisches Desaster. Es war auch eine Kapitulation des demokratischen Rechtsstaats vor dem internationalen Terrorismus.

          Damals war Wegener nur Augenzeuge. Er „konnte nichts tun. In dem Augenblick schwor ich mir, dass so etwas nicht noch einmal passieren würde“. Fünf Jahre später führte Wegner dann vor, wie sich eine solche Krise meistern lässt. Unter seiner Leitung und unter seiner Führung befreite die GSG 9 alle 91 Geiseln der entführten Lufthansa-Maschine „Landshut“. Drei Terroristen starben, sonst gab es keine Toten bei der „Operation Feuerzauber“.

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