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Theodor Heuss : Land des Glaubens?

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Theodor Heuss und Bundesminister Schäffer 1958 Bild: DPA

Als Bundespräsident beschwor Theodor Heuss gern die gemeinsame christliche Glaubenssubstanz. Dies versuchte er in eine neue Nationalhymne einzubringen; den Text bestellte er bei Rudolf Alexander Schröder.

          Dass der erste Bundespräsident Protestant und der erste Bundeskanzler Katholik war, spiegelt konfessionelle Integrationsbemühungen in der frühen Bonner Republik wider, obwohl die Bekenntniszugehörigkeit im öffentlichen Leben „keine systemimmanente Daseinsberechtigung“ mehr besitzen sollte - aus Furcht vor einer „konfessionellen Teilung Deutschlands“. Darauf weist Kristian Buchna in seinem gedankenreichen Essay über das Verhältnis des liberalen Journalisten und Politikers Theodor Heuss zu den Kirchen hin. Als „Musterschüler“ Friedrich Naumanns, der von Hause aus lutherischer Pfarrer war und eine Synthese aus christlichem Sozialismus, Liberalismus und Nationalismus anstrebte, habe sich Heuss „im Einklang mit der lutherischen Zwei-Reiche-Lehre“ gefühlt. Im Ersten Weltkrieges war er „robuster Nationalist“; nach der Niederlage warf er den Kirchen Versagen vor, weil sie in unwürdiger Staatsnähe eine Nationalreligion propagiert hätten. Nach 1933 warnte er in der Zeitschrift „Die Hilfe“ vor zu engen Bindung der protestantischen Kirche an das „Dritte Reich“, beanspruchte für die religiöse Verantwortung die „Luft der Freiheit“. Sein „stramm lutherisch geprägtes Staatsverständnis“ könnte ihn vom „letzten, aktiven Schritt in den Widerstand zurückgehalten haben“, mutmaßt der Autor.

          Nach 1945 missbilligte Heuss den „antiklerikalen Zungenschlag“ seines Parteifreundes Thomas Dehler. Buchna erinnert daran, dass sowohl 1919 als auch 1949 liberale Fraktionen das „betont kirchen- und religionsfreundliche Verfassungssystem in Deutschland mitbegründet beziehungsweise mitgetragen“ haben. Als Bundespräsident beschwor Heuss gern die gemeinsame christliche Glaubenssubstanz. Dies versuchte er in eine neue Nationalhymne einzubringen; den Text bestellte er bei Rudolf Alexander Schröder. Dessen drei Strophen begannen mit „Herz der Treue, Vaterland“, „Herz der Hoffnung, Heimatland“ und „Herz der Liebe, deutsches Land“. Die Trias „Treue/Hoffnung/Liebe“ ersetzte Heuss durch „Glaube/Liebe/Hoffnung“: „Land des Glaubens, deutsches Land“ hieß sein Anfang der ersten Strophe. Gegen diese „Verchristlichung“ protestierte Schröder erfolglos, weil Heuss eine „spezifisch-religiöse Mächtigkeit“ bevorzugte, die dem deutschen Wesen gemäß sei. Nach einem Hymnen-Testlauf 1950 nach seiner Silvesteransprache im Rundfunk ernte Heuss viel Hohn und Spott: Von „Theos Nachtmusik“ war die Rede, so dass sein Versuch einer „nationalpolitischen Entkrampfung unter christlichem Vorzeichen“ scheiterte.

          Dehlers „antiklerikale Ausfälle“ hätten die von Heuss nach 1945 betriebene und „von der FDP seit 1950 programmatisch nachgeholte liberale Entspannungspolitik gegenüber den Kirchen“ gefährdet. Heuss habe stets die weltanschaulichen Gräben zwischen Liberalismus und kirchlichem Christentum überwinden, ja Teilen der FDP den Antiklerikalismus austreiben wollen; er gelte als Ahnherrn des „geläuterten Liberalismus“. Buchna resümiert: „Wer von Heuss, dem Liberalen, spricht, kann von Heuss, dem Protestanten, nicht schweigen.“

          Kristian Buchna: Im Schatten des Antiklerikalismus. Theodor Heuss, der Liberalismus und die Kirchen. Im Eigenverlag: Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus, Stuttgart 2016. 125 S., 6,- €.

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