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Reinhard Gehlen : Der Mann hinter der Maske

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Reinhard Gehlen 1976 Bild: Imago

Bester Kenner der UdSSR? Meisterspion? Reinhard Gehlen war beides nicht. Aber weil es viele glaubten, machte der Offizier eine große Karriere.

          Im Frühjahr 2011 wurde die „Unabhängige Historikerkommission zur Erforschung der Geschichte des Bundesnachrichtendienstes 1945–1968 (UHK)“ ins Leben gerufen. Sie erhielt freien Zugang zu den Akten des BND und des Bundeskanzleramts als vorgesetzter Behörde. Intensive Forschung ermöglichte schon 2016 die Publikation der ersten Ergebnisse. Die Gehlen-Biographie bildet den vorläufigen Höhepunkt.

          Es ist ungewöhnlich, dass ein Geheimdienst seine Archive öffnet, wo doch Verschleierung das Dienstethos bestimmt. Im Fall des BND hat Ernst Uhrlau, Präsident von 2005 bis 2011, für den Forschungsauftrag gesorgt, um die Verstrickungen des Personals in den Nationalsozialismus aufzuklären. Das lag im Trend, seit das Auswärtige Amt und die Ministerien für Justiz, Finanzen und Arbeit auf ihre Vergangenheit durchleuchtet wurden. Es war bekannt, dass sich im BND ungewöhnlich viele Verantwortungsträger aus dem Dritten Reich sammelten. Schon die Vorgängerinstitution, die „Organisation Gehlen“, erschien 1955 einem ausländischen Beobachter als „gespenstischer Naziladen in Pullach“. Der 1956 gegründete BND beschäftigte, abgeschirmt von der Öffentlichkeit, bis zum Ende der sechziger Jahre neben zahlreichen Wehrmachtsoffizieren SS-Personal und Gestapo-Beamte in großem Umfang. Die Geschichte des Bundesnachrichtendienstes wirft Schlaglichter auf das Erscheinungsbild der jungen Bundesrepublik, wo Alt und Neu, Freund und Feind im Vexierbild der Besatzungsherrschaft noch kaum zu unterscheiden waren. Der Wiederaufbau des Landes und der Neuaufbau des westlichen Bündnisses fließen hier zusammen.

          Von Beginn an war der Dienst an die amerikanische Vormacht gebunden. Die „Organisation Gehlen“ unterstand zunächst der US-Army, seit 1949 wurde sie von der CIA kontrolliert. Nach Gründung des BND blieb die Kontrolle erhalten – weniger auffällig, aber nicht weniger effizient. Die Amerikaner wussten, wer alles dort tätig war, und sie sahen, dass die nachrichtendienstliche Leistung nicht selten zu wünschen übrigließ.

          Rolf-Dieter Müller hat sich der Herausforderung gestellt, die Biographie des Gründungspräsidenten zu erforschen. Er gehört zur Leitungsgruppe der UHK und ist als Honorarprofessor und wissenschaftlicher Direktor des militärhistorischen Zentrums der Bundeswehr bestens ausgewiesen, Gehlens Lebensgeschichte zu durchleuchten. Es ist die Geschichte eines Soldaten, der sich von seiner Prägung im Oberkommando des Heeres nie hat lösen können oder wollen.

          1902 geboren, kam Gehlen 1937 in den Generalstab, nahm an der Planung des Angriffs auf die Sowjetunion teil und wurde 1942 Leiter der Abteilung „Fremde Heere Ost“ (FHO), die für die Feindaufklärung zuständig war. Müller zeichnet ihn als blasse Figur, sehr intelligent, in höchstem Maße anpassungsfähig, ein Schleicher, aber zugleich ein Mann von innerer Unabhängigkeit. Gehlen wusste von den Verbrechen im Vernichtungskrieg, gab sich aber immer von der Ehrenhaftigkeit der Wehrmacht überzeugt. Er war kein Antisemit, nahm aber nirgendwo Partei für die Juden. Die Attentatspläne kannte er, blieb aber auf Distanz. Die Feindaufklärung von FHO war nicht sehr effizient, konnte es mit ihren technischen und personellen Möglichkeiten wohl auch nicht sein. Die Leistungsfähigkeit der Roten Armee, insbesondere die Mengen an Nachschub für die Panzerwaffe, wurde immer unterschätzt. Die Prognosen vor der Schlacht von Stalingrad blieben unzureichend. Als Gehlen erkannte, dass der Krieg verloren war, achtete er darauf, die wichtigsten Unterlagen von FHO über die UdSSR bei sich zu behalten. 1945 ließ er sie in 50 Stahlkisten nach Bayern schaffen und vergraben. So rasch wie möglich suchte er Kontakt zu den Amerikanern und empfahl sich ihnen als vermeintlich bester Kenner der UdSSR. Es habe wohl kaum jemand anderen gegeben, urteilt Müller, der das Problem der „Anschlussverwendung“ so konsequent ins Auge gefasst hat wie Gehlen. Er sah, dass die Amerikaner nach der sowjetischen Besetzung Ost- und Mitteldeutschlands mit Stalin in Konflikt geraten und Informationen über die Rote Armee benötigen würden. Mit dem Material seiner 50 Kisten konnte er beweisen, dass er allein die Informationen hatte, die die US-Army jetzt brauchte.

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