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Protest der Professoren : Professoren in Not

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Siegfried Unseld 1968 auf der Buchmesse in Frankfurt Bild: Foto Suhrkamp Verlag

Der Bund Freiheit der Wissenschaft (BFW) war keine „akademische NPD“, wie der Soziologe Wolf Lepenies nach dem Besuch der Gründungsversammlung im November 1970 ebenso polemisch wie unzutreffend behauptet hatte.

          Heutzutage, da Professoren und Studenten gemeinsam auf den Bologna-Prozess schimpfen und unter immer neuen Runden im Hamsterrad der Studienreform ächzen, vergisst man leicht, wie polarisierend die Hochschulpolitik Ende der 1960er, Anfang der 1970er Jahre gewirkt hat. Nikolai Wehrs interpretiert sie in seinem Buch über den „Bund Freiheit der Wissenschaft“ (BFW) als oft übersehenen Ausgangspunkt der Studentenunruhen von 1968. Der im November 1970 in Bad Godesberg als akademischer Selbstverteidigungs-Verein gegen die Exzesse der revoltierenden Studenten gegründete und bald an über vierzig Hochschulstandorten aktive Bund - so seine These - sei Produkt und zugleich Katalysator des Streits um die künftige Aufgabe und Ausgestaltung der deutschen Hochschulen gewesen.

          Die hervorragend recherchierte und flüssig geschriebene Studie bietet dem Leser mehr als die Institutionengeschichte eines Vereins. Sie ist zugleich eine kluge Abhandlung über die Anfänge der westdeutschen Hochschulreform und ein Beitrag zur Intellektuellengeschichte der Bundesrepublik. Der Autor räumt darin mit einer Reihe von Legenden auf, die sich hartnäckig um den „Protest der Professoren“ ranken. Vor allem widerspricht er der Vorstellung, im BFW hätten sich reaktionäre Anhänger der alten Ordinarienuniversität zur Abschirmung ihrer überkommenen Privilegien versammelt.

          Der Bund war keine „akademische NPD“, wie der Soziologe Wolf Lepenies nach dem Besuch der Gründungsversammlung ebenso polemisch wie unzutreffend behauptet hatte. Seine Initiatoren zählten nicht zu den älteren, meist konservativen Professoren, die schon während des „Dritten Reiches“ auf ihre Lehrstühle gekommen und oft in das Regime verstrickt gewesen waren. Vielmehr gehörten sie überwiegend jener Generation an, die nach dem Krieg studiert, bei Aufenthalten in den Vereinigten Staaten, England oder Frankreich positive Auslandserfahrungen gesammelt und den Wiederaufbau in der jungen Bundesrepublik als aufregenden Aufbruch zu neuen und besseren Ufern erlebt hatte.

          Wissenschaftler wie die Politologen Wilhelm Hennis, Kurt Sontheimer und Hans Maier, die Historiker Thomas Nipperdey und Ernst Nolte, der Philosoph Hermann Lübbe, die Soziologen Erwin K. Scheuch und Friedrich Tenbruck standen für methodisch-theoretische Innovation, kulturelle Westorientierung und hochschulpolitische Reformbereitschaft. Parteipolitisch hielten viele von ihnen zur Sozialdemokratie. Der Studentenbewegung waren sie anfangs meist mit Wohlwollen begegnet, ehe sie - nicht selten nach derben Schmähungen, teils auch nach tätlichen Angriffen durch protestierende Studenten - ihre Meinung änderten und sich konservativeren Positionen zuwandten.

          „Die Radikalität der studentischen Protestbewegung“, so Wehrs, „die Illiberalität ihrer Diskussionsverweigerung und ihre Unempfindlichkeit gegenüber der persönlichen Würde der von ihnen attackierten Funktionsträger des Hochschulwesens“ hätten auch ehemals sympathisierende Hochschullehrer auf Distanz gehen lassen. Unter dem Eindruck dieser Enttäuschung trat bei den Gründern des BFW Reformskepsis an die Stelle des früheren Enthusiasmus für Neuerungen. Die Veränderung der Universitäten erschien ihnen nicht mehr als notwendiger Auftakt zur Modernisierung einer freiheitlichen Gesellschaft, sondern als Vehikel eines bedrohlichen Systemwechsels. Insofern hatte der radikalkonservative Publizist Armin Mohler nicht ganz unrecht, wenn er Mitte der 1970er Jahre eine „Invasion APO-geschädigter Liberaler ins konservative Lager“ konstatierte.

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