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Peter Hammerschmidt: Deckname Adler : Moral kann sich ein Dienst kaum leisten

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Getarnt wie der erste BND-Präsident: Klaus Barbie Bild: Abbildung aus dem besprochenen Band

Klaus Barbie, ein eher durchschnittlicher NS-Täter, war in den fünfziger und sechziger Jahren CIA- und BND-Zuträger.

          Unter Hunderten von höheren SS- und SD-Führern, die sich schwerster Verbrechen schuldig gemacht haben, finden sich nur wenige Namen, die noch heute einer größeren Öffentlichkeit bekannt sind. Klaus Barbie, der „Schlächter von Lyon“, gehört dazu. Dabei war der Gestapo-Offizier, als Hauptsturmführer vergleichbar dem Hauptmann, kein großes Licht im SS-Staat. Der 22-Jährige arbeitslose Abiturient aus katholischem Lehrerhaushalt hatte seit 1935 beim SD seine Ausbildung begonnen und sich zu einem höchst effizienten Fachmann für die Verfolgung von politischen Gegnern entwickelt. Mit kaltem Zynismus praktizierte er seine Verhör- und Foltermethoden in den besetzten Niederlanden, dann im französischen Dijon und als Gestapo-Chef in Lyon.

          Eine vielfach beschriebene historische Größe wurde Barbie, weil er nach dem Krieg von den Franzosen als Kriegsverbrecher gesucht, vom amerikanischen Militärgeheimdienst aber gedeckt und in Dienst genommen wurde und schließlich seit 1951 ein zweites Leben als Klaus Altmann in Bolivien führen konnte. Er war einer jener zwielichtigen Figuren des Nazi-Exils, die sich als Nachrichten- und Waffenhändler ein Zubrot verdienten. Als Spezialisten für die Bekämpfung politischer Gegner war ihr Rat in manchen Ländern gefragt. Barbie belieferte zeitweilig den CIA mit Informationen und hatte 1966 zum westdeutschen BND für wenige Monate einen Kontakt. In Bolivien fand er bis 1983 eine - auch politisch - neue Heimat und wurde Berater diverser Militärregierungen. Bekannt wurde Barbie erst durch die Kampagne der „Nazijägerin“ Beate Klarsfeld, seine Auslieferung und den spektakulären Prozess in Frankreich.

          Diese teils haarsträubende und verschlungene Geschichte ist jetzt in einer Studie noch einmal aufgearbeitet worden, die mehr Licht in die für viele beteiligten Behörden peinlichen Vorgänge bringt. Mit großem persönlichem Einsatz hat der Autor gleichsam jeden Stein umgedreht, unter dem weitere Details und Informationen verborgen sein konnten. Während er in Deutschland einigen Erfolg hatte und zum Beispiel beim Bundesamt für Verfassungsschutz sowie beim Bundesnachrichtendienst Einblick in einige für ihn vorbereitete Akten nehmen durfte, haben die Vereinigten Staaten viele historisch relevante Akten zurückgehalten. Zeugenvernehmungen, die in Frankreich unter Verschluss sind, fand er in Kopie an der Stanford University.

          Die wichtigen Aktenbestände französischer Geheimdienste blieben ihm aber verschlossen. Unter den autobiographischen Quellen, die Peter Hammerschmidt verwenden konnte, findet sich nicht nur der Abituraufsatz von Barbie, sondern auch dessen Memoiren, die in der Haft verfasst wurden. Wichtige Erkenntnisse hat er Gerd Heidemann zu verdanken, der 1979 Barbie in La Paz zusammen mit dem SS-Obergruppenführer Karl Wolff besuchte. Über die Probleme seiner höchst heterogenen Quellen ist sich der Autor bewusst und weiß damit umzugehen. Oft kann er nur Barbie selbst zu Wort kommen lassen, weil andere Belege fehlen und ihm die Aussagen über weite Strecken als zuverlässig erscheinen. Das bleibt problematisch.

          So entstand mit großem Eifer und Überzeugungskraft eine gut lesbare, gelungene Biographie eines vielleicht eher durchschnittlichen NS-Täters. Das kleine Anfangskapitel über Kindheit und Jugend vermittelt kaum Hinweise auf die spätere Karriere. Auch der Abschnitt über Barbies Tätigkeit für den Sicherheitsdienst im Zweiten Weltkrieg skizziert im Wesentlichen die bekannten Tatsachen. Die beiden wichtigsten Fälle, Barbies Rolle bei der Ergreifung und Ermordung von Jean Moulin, dem legendären Führer der Résistance, sowie bei der Deportation der jüdischen Kinder von Izieu, erscheinen allerdings etwas unterbelichtet.

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