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Veröffentlicht: 19.01.2015, 10:11 Uhr

Peršman Ignorierte Mordgeschichte

Peršman ist der Name eines Bauernhofs in Kärnten. Dort befanden sich Ende April 1945 etwa 100 bis 150 Partisanen. Am 20. April griff ein SS- und Polizei-Regiment den Hof an. Es kam zu einem Feuergefecht, die Partisanen flüchteten. In einer zweiten Aktion wurde die Besitzerfamilie erschossen.

von Rolf Steininger
© Abb. aus dem bespr. Band „Mutter, stimmt nicht für Jugoslawien, wo ich für König Peter einrücken muss“ - pro-österreichisches Propagandaplaket in slowenischer Sprache vor der Volksabstimmung 1920.

Wer die Geschichte der Slowenen im österreichischen Bundesland Kärnten nicht kennt, macht wohl beim Titel dieses Buches erst einmal ein Fragezeichen. Ähnlich beim Begriff OF. Im Abkürzungsverzeichnis steht: Osvobodilna Fronta - was auch nicht weiterhilft. Erst auf Seite 377 wird der Begriff aufgelöst: Befreiungsfront. OF war die slowenische Widerstandsbewegung. Bei Kriegsbeginn 1939 flüchteten Kärntner Slowenen aus oder vor der Wehrmacht; etliche von ihnen schlossen sich nach der Besetzung Jugoslawiens der in Ljubljana gegründeten slowenischen Widerstandsbewegung an und kehrten 1942 nach Kärnten zurück, um den bewaffneten Kampf zu beginnen.

Die Slowenen hatten sich im Jahre 1929 bei der Abstimmung mit 59 zu 41 Prozent für Österreich entschieden, blieben aber in der Folgezeit Bürger zweiter Klasse und wurden im Zweiten Weltkrieg als fünfte Kolonne betrachtet. Folgerichtig wurden 1075 von ihnen im Jahr 1942 ins „Altreich“ zwangsdeportiert. Sie verloren über Nacht Hab und Gut; Höfe und Besitztümer wurden eingezogen. Am 8. August 1944 erklärte SS-Reichsführer Heinrich Himmler das südliche Kärnten zum „Bandenkampfgebiet“. Gleichzeitig wurde das I. Bataillon des SS- und Polizeiregiments 13 zur „Bandenbekämpfung“ dorthin verlegt. Und da beginnt die Geschichte.

Persman ist der Name eines Bauernhofs in Kärnten. Dort befanden sich Ende April 1945 etwa 100 bis 150 Partisanen. Am 20. April griff das Regiment den Hof an. Es kam zu einem Feuergefecht, die Partisanen flüchteten. In einer zweiten Aktion wurden dann fünf Mitglieder der Besitzerfamilie im Hof erschossen, sechs weitere Personen verbrannten nach der Erschießung im Bereich des Wohnhauses. Was folgte, ist die typische Geschichte der Slowenen im Nachkriegsösterreich. Das Verbrechen wurde nämlich gerichtlich nie geahndet. Ermittlungen wurden zwar eingeleitet, aber 1949 eingestellt. Die Schuldigen konnten angeblich nicht ermittelt werden. Inzwischen gestaltete sich auch die Rückkehr der zwangsdeportierten Slowenen schwierig. Bei der Rückgabe des Besitzes verfolgte die Kärntner Landesregierung eine Hinhaltetaktik. Es kam zu neuerlicher Ausgrenzung mit dem Ergebnis, dass viele Slowenen die jugoslawischen Gebietsforderungen unterstützten.

Das offizielle Österreich ignorierte die Geschichte der Kärntner Partisanen, die von sich aus im Nachkriegsösterreich als „Verband der Kärntner Partisanen“ aktiv waren. Sie errichteten 1947 ein Denkmal zur Erinnerung an den Widerstandskampf, das im September 1954 gesprengt wurde: Täter unbekannt. 1965 wurde eine Gedenktafel enthüllt, 1983 das zerstörte Denkmal am Persmanhof wieder aufgestellt und dort auch ein Museum eingerichtet. Seit 2001 gibt es den „Verein Persman“. Im Jahre 2012 wurde das Museum - erstmals mit staatlicher Unterstützung - von Grund auf erneuert. In der vorliegenden zweisprachigen - deutsch und slowenisch - Publikation wird die Mordgeschichte vom Persmanhof nachgezeichnet und die einzelnen Abteilungen des Museums in Fotos und Texten vorgestellt, insbesondere die leidvolle Geschichte der Kärntner Partisanen.

Inzwischen erhalten die Slowenen in Kärnten langsam mehr Rechte. Dabei darf man nicht verschweigen, dass es immer wieder Probleme gegeben hat. In der Zeit der Regierung von Jörg Haider wurden beispielsweise zweisprachige Ortsschilder entweder zerstört oder die slowenische Ortsbezeichnung durchgestrichen. Erst langsam ändert sich das Klima in den Beziehungen, und der Artikel 7 im Staatsvertrag von 1955 wird umgesetzt. Damals verpflichtete sich die Republik, den Slowenen dieselben Rechte zuzugestehen wie allen anderen österreichischen Staatsangehörigen und unter anderem Elementarunterricht in slowenischer Sprache einzuführen und Slowenisch zusätzlich zum Deutschen als Amtssprache zu akzeptieren.

Lisa Rettl/Gudrun Blohberger (Herausgeberinnen): Peršman. Wallstein Verlag, Göttingen 2014. 480 S., 29,- €.

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Quelle: wahlrecht.de
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