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Pariser Friedenskonferenz 1919 : Für eine bessere Ordnung in Europa

  • -Aktualisiert am

Die deutsche Delegation in Versailles im Mai 1919 Bild: Propyläen/Ullstein Buchverlage

Den Staatsmännern war in Paris schmerzlich bewusst, dass der Kongress sehr viel länger dauerte als erhofft. Aber wie die in Oxford lehrende Margaret MacMillan - übrigens eine Urenkelin von David Lloyd George - sehr schön herausschält, arbeiteten sie mit höchster Intensität.

          Wenn ein - noch dazu preisgekröntes, überaus lesbares und höchst anschauliches - Buch erst 15 Jahre nach seinem Erscheinen in deutscher Übersetzung vorliegt, gibt es dafür sicher Gründe. Ist es der Stoff oder der Tenor? Der Friedensvertrag nach dem Ersten Weltkrieg bleibt in Deutschland bis heute ein Reizthema. Das (schulische) Erbe des „Dritten Reiches“ wirkt bis heute nach. Selbst ein relativ aufgeklärter Kopf wie Hans Magnus Enzensberger genierte sich nicht, in seinem 2008 geschriebenen „Hammerstein“ den Versailler Vertrag heftig zu verurteilen und „Demütigungen“ zu notieren.

          Insofern verblüfft es beinahe, dass ein großer Verlag mit klarer kommerzieller Orientierung überhaupt bereit ist, ein Buch zu publizieren, dessen Autorin nach 630 Seiten zum Schluss gelangt: „Zieht man als Historiker alle Aspekte in Betracht, lässt sich das Bild eines von einem Rachefrieden niedergedrückten Deutschland nicht aufrechterhalten.“ So wird „Paris 1919 - six months that changed the world“ kaum zu den Titeln gehören, die auf Subventionen aus der Kasse des Auswärtigen Amts hoffen dürfen (wie in den zwanziger Jahren jene „aufbauende“ Kriegsunschuld-Literatur aus der Feder amerikanischer Professoren).

          Allfällige Zweifel räumt Margaret Mac Millan in ihrem „Ausblick“ vorbeugend aus: Hitler habe „den Krieg nicht wegen des Versailler Vertrages vom Zaun“ gebrochen: „Selbst wenn man Deutschland seine alten Grenzen belassen und ihm erlaubt hätte, seine Streitkräfte nach Belieben auszubauen und sich mit Österreich zu vereinen, hätte er mehr gewollt: […] Er hätte mehr ,Lebensraum‘ für das deutsche Volk und die Vernichtung seiner vermeintlichen Feinde, seien es nun Juden oder Bolschewisten, gefordert. Darüber stand nichts im Versailler Vertrag.“

          Insgesamt attestiert die renommierte Historikerin den Staatsmännern der Friedenskonferenz: „Auch wenn sie es noch besser hätten machen können, hätten sie es gewiss auch wesentlich schlechter machen können. Sie versuchten, selbst der Zyniker Clemenceau, eine bessere Ordnung zu schaffen.“ Der 1841 geborene französische Ministerpräsident Clemenceau als der bei weitem älteste war sicher nicht frei von Alterszynismus, aber deswegen keineswegs weniger an einer dauerhaften Friedensordnung und damit eo ipso besseren Ordnung interessiert als der amerikanische Präsident Woodrow Wilson und der britische Premierminister David Lloyd George.

          Den Staatsmännern war in Paris schmerzlich bewusst, dass der Kongress sehr viel länger dauerte als erhofft. Aber wie die in Oxford lehrende MacMillan - übrigens eine Urenkelin von David Lloyd George - sehr schön herausschält, arbeiteten sie mit höchster Intensität und widmeten sich neben der Gründung des Völkerbunds und der International Labour Organization so gut wie allen Weltproblemen: von Schantung über Mossul, Albanien, Teschen bis Eupen, Malmedy oder etwa Danzig. Dabei konferierten sie mit höchst unterschiedlichen, teilweise exotischen Figuren wie dem Komponisten Ignaz Paderewski, der ebenso einkaufsfreudigen wie charmanten Königin Maria von Rumänien oder dem umtriebigen griechischen Ministerpräsidenten Eleftherios Venizelos. Nicht zu vergessen der britische Chemiker Chaim Weizmann (auch er gesegnet mit einer extrovertierten Frau), der in Paris die Fundamente für jenen Staat legen sollte, dessen erster Präsident er 1948 wurde.

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